„Halbe“ Touren als Notnagel für Kelheims Schiffe – Naturschützer kritisieren Folgen

Von Martina Hutzler · 29. Mai 2026 um 19:00

Im Donaudurchbruch bei Kelheim herrscht seit Wochen Niedrigwasser. Das lässt einen Konflikt im Fluss, zwischen Naturschutz und Schifffahrt, wieder auftauchen. Auslöser sind, wie schon im Vorjahr, „halbe“ Fahrten mit Wendemanövern mitten im „Nationalen Naturmonument“.

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In den weltberühmten Donaudurchbruch strömen alljährlich Hunderttausende Touristen. Die Personenschifffahrt gilt daher als wichtiger Teil der Besucherlenkung im sensiblen Naturschutzgebiet. Aber gerade bei niedrigem Wasserstand sind die Motorschiff-Fahrten selbst ein Problem für die Donau und ihre Bewohner.

Wegen des niedrigen Pegels und einer Kiesbank bei der Wipfelsfurt – also etwa auf halber Strecke zwischen Kelheim und Weltenburg – kann das Gros der Kelheimer Flotte derzeit oft nicht mehr bis zum Kloster fahren, sondern nur noch der schlankere „Ludwig der Kelheimer“.

Verkürzte Rundfahrten ohne Ausstieg

Deshalb bietet die Schifffahrt seit Anfang Mai auch immer wieder verkürzte Rundfahrten ohne Ausstieg an. Noch vor der Wipfelsfurt, zwischen „Räuberfelsen“ und „Bienenkorb“, kehrt das Schiff um nach Kelheim. Zurück bleiben, in der Unterwasser-Welt der Donau, „Schäden, die gar nicht zu beziffern sind“, kritisiert Dr. Gregor Barbieri-Mack, Vize-Vorsitzender des Kreisfischereivereins Kelheim (KFV).

Denn das Wenden wirbelt Kies und Sand vom Donaugrund auf, samt dessen Bewohner: Um diese Jahreszeit ist das der Laich von Fischen, Insektenlarven und andere Kleinlebewesen. Das Aufwirbeln „ist in der Regel das Ende vom Laich“ und damit vom Fisch-Nachwuchs des ganzen Jahres, so Barbieri-Mack. Zudem erzeuge die Schiffsschraube beim Wenden enormen Wasserdruck, an dem die Wasserfauna ebenfalls zugrunde geht.

Landratsamt sieht im Wenden kein Problem

Das Landratsamt hingegen hält „die Wendemanöver an der ausgewählten Stelle [für] vertretbar“, teilt seine Pressestelle auf Anfrage mit; an dieser Stelle sei „selbst bei einem Pegelstand Kelheim von 2,30 m eine Wassertiefe von circa 1,80 bis 2,0 Metern“. Umstritten ist indes auch, wie schon im Vorjahr, die rechtliche Grundlage dieser Rundfahrten im „Nationalen Naturmonument“ (NNM).

Die Kelheimer Schifffahrt hat fürs NNM Genehmigungen – die allerdings seit Jahren Gegenstand von Klagen sind (s. Info am Textende). Laut Nebenbestimmung im Bescheid sind „Wendemanöver in Ausnahmefällen und nur dort erlaubt, wo sie gefahrlos durchgeführt werden können“, hieß es 2025 auf unsere Anfrage. Was Ausnahmefälle sind, legen die Wasserrechtsbehörde am Landratsamt und die Regierung von Niederbayern fest.

2025 wurde nach einer gemeinsamen Probefahrt Ende Mai entschieden, dass das Wenden „sanft“ und daher naturschutzfachlich vertretbar sei. Heuer wurde „die Freigabe der Wendemanöver auf Ersuchen der betroffenen Schifffahrtsunternehmen durch das Landratsamt Kelheim erteilt“, und zwar befristet – wie lange, schreibt die Pressestelle nicht. Die verkürzten Linienfahrten ersetzen reguläre; die Fahrtenzahl bleibe also im genehmigten Umfang. Unverändert gültig seien auch die Vorgaben zum Mindest-Wasserstand (Flottwasser). Die Kelheimer Schifffahrt lehnt jegliche Stellungnahme zu dem Thema ab.

Für heuer sei der Fischnachwuchs wohl schon irreparabel geschädigt, sagt Gregor Barbieri-Mack und bedauert, dass solche Schäden der Unterwasserwelt öffentlich kaum interessierten. Auch deshalb fürchtet er, dass die Rundfahrten von der – schwer nachvollziehbaren – Ausnahme schleichend zur Regel bei Niedrigwasser werden und womöglich gar der Ruf nach Ausbaggern der Fahrrinne komme. „Das wäre für uns inakzeptabel!“, ökologisch und ökonomisch. Der Verein hat im Donaudurchbruch das Fischereirecht und gibt Angellizenzen aus.

Die seltene Fischart „Nase“ braucht Kies als Laichgrund. Im Donaudurchbruch kommt sie noch vor. - Foto: Hildenbrand, dpa

Dringend nötig sei, so Gregor Barbieri-Mack, „dass wir das Thema gemeinsam angehen“, mit Landrat, Behörden, Naturschutz – und der Schifffahrt: Deren Notwendigkeit sei ebenso unbestritten wie deren schwierige Situation in Zeiten des Klimawandels, betont er.

Einen tragfähigen Kompromiss fordert auch Bund Naturschutz-Kreisvorsitzender Konrad Pöppel. Auch bei ihm haben sich – wie bei unserer Zeitung – im Mai entsetzte Beobachter der Wendemanöver gemeldet. Aber die BN-Kritik daran sei schon voriges Jahr an den Naturschutzbehörden abgeprallt; für diese „ist offenbar der Tourismus prioritär“, sagt Pöppel resigniert. Er will das Thema trotzdem im Juli im Kreis-Naturschutzbeirat ansprechen.

Klimawandel ist spürbar – und Wassermanagement

Denn Niedrigwasser werden noch häufiger, weil zum einen die Schneeschmelze im Frühjahr immer weniger Wasser in die Donau bringe, prophezeit Pöppel. Zum anderen könnten auch die Überleitung von Donauwasser nach Franken eine Rolle spielen sowie das Wasser-Management am Stauwehr Vohburg und weiteren flussaufwärts, vermutet der BN-Mann.

Im Februar gab es laut Landratsamt ein Gespräch von Schifffahrtsunternehmen, Umweltministerium und den Fachbehörden mit dem Energieerzeuger Uniper: Thema „war unter anderem der Kraftwerksbetrieb und daraus resultierende Folgen für den Wasserabfluss“. Konkrete Ergebnisse seien aber „noch nicht spruchreif – es erfolgt zunächst eine Bestandsaufnahme“.

Klagen in der Warteschleife

Die Kelheimer Schifffahrt hat Genehmigungsbescheide des Landratsamts fürs Befahren des Donaudurchbruchs. Weil Naturschutzverbände darin ökologische Aspekte zu wenig berücksichtigt sehen, klagten sie beim Verwaltungsgericht dagegen. Die Verfahren sind bereits seit 2022 anhängig, Urteile laut Gericht noch nicht in Sicht.