Für das Projekt „Sorgende Stadt Hemau“ gibt es viele Ideen: Aber wann wird es konkret?

Von David Santl · 31. Mai 2026 um 05:00

Die grobe Richtung für die Zukunft des Bleicher-Anwesens in Hemau (Landkreis Regensburg) steht: Irgendwas mit Wohnen, Begegnung, Beratung und Bildung soll auf dem Gelände der ehemaligen Landmaschinen-Firma in der Regensburger Straße entstehen – unter Federführung des Projekts „Sorgende Stadt“. Bei einer Diskussion ging es nun um bauliche Konzepte und konkrete Ideen für das Areal. Dabei wurde auch klar: Die Lieblings-Idee vieler Hemauer wird wohl nicht funktionieren.

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Vor drei Jahren beschloss der Stadtrat, der Initiative „Sorgende Stadt“ beizutreten. Wohin die Reise genau geht, ist nach wie vor offen. Fest steht aber: Einige Hemauer haben große Lust, Ideen für das Bleicher-Anwesen zu entwickeln – und können es kaum erwarten, bis ein Konzept steht. Das war bei einer Diskussionsveranstaltung, die kürzlich im Zehentstadel stattfand, deutlich zu spüren.

„Es gibt viele Ideen. Das zeigt, wie groß das Interesse ist“, freute sich Bürgermeisterin Petra Lutz (SPD). Hemau sei sozial gut aufgestellt. „Aber wir müssen uns trotzdem Gedanken machen, wie wir uns gegenseitig helfen können.“ Auch sie wünschte sich, dass es in überschaubarer Zeit eine klare Perspektive gibt, um im Stadtrat weiter beraten zu können.

Geht es nach einigen Diskussionsteilnehmern, stünde bald ein Ärztehaus auf dem Bleicher-Anwesen. Der Grund: Beim eigentlichen Ärztehaus in der Innenstadt sind die Parkplätze äußerst rar. Ein Problem gerade für Senioren, die nicht mehr gut zu Fuß sind. Beim Bleicher-Anwesen, so die Überlegung, wäre genug Platz für Parkflächen.

Doch auch wenn ein Ärztehaus die Lieblings-Idee vieler ist: Realistisch ist sie wohl nicht, musste der Projektleiter der Sorgenden Stadt, David Rester, einschränken. Es habe Gespräche mit den Hemauer Ärzten gegeben. „Und die sind in diesem Punkt skeptisch“, bilanzierte er. Auch eine Kurzzeitpflege sei wegen der Refinanzierung wohl nicht machbar.

Stadträtin Christine Lammert (Freie Wähler) befürchtet außerdem Umsatzeinbußen für Geschäftsleute in der Innenstadt, wenn das Ärztehaus künftig in der Regensburger Straße ist. Komplett beerdigen wollten einige Teilnehmer die Idee dennoch nicht.

Wohnen und Natur ja, Ärztehaus eher nein

Und auch Rester betonte: Gesundheitsversorgung könne durchaus eine Option für das Anwesen sein – zum Beispiel in Gestalt einer „Community Health Nurse“, also einer „Gemeindeschwester“. Die könnte Anlaufstelle für Menschen mit Pflegebedarf sein und als Brücke zu den örtlichen Ärzten fungieren. Bürgermeisterin Lutz könnte sich auch eine Apotheke vorstellen – und einen kleinen Laden oder ein Café.

Eine wichtige – und realistische – Option ist außerdem ein Wohnkonzept. Darin waren sich Rester, Lutz und viele andere Diskussionsteilnehmer einig. „Es ist wichtig, dass wir in Hemau günstigen Wohnraum schaffen, gerade auch für Ältere oder Alleinstehende“, machte Lutz deutlich. In diesem Bereich gehen die Ideen von einer barrierefreien Wohnanlage für Senioren bis hin zu einem Boardinghouse, also einer Pension, die auf längere Aufenthalte ausgelegt ist.

Und noch eine Sache scheint für viele klar zu sein: Die Grünanlage beim „Tannenbaumweiher“ hinter dem Anwesen soll erhalten und als Freiraum eingebunden werden. „Lasst‘s bitte den Tannenbaumweiher in Ruhe. Das ist so ein schönes Biotop“, brachte es ein Anwohner auf den Punkt.

Es ist wichtig, dass wir in Hemau günstigen Wohnraum schaffen, gerade auch für Ältere oder Alleinstehende.Petra Lutz (SPD), Bürgermeisterin von Hemau

Laut Projektleiter David Rester hätten sich noch einige andere Optionen als sinnvoll und realistisch für das Bleicher-Anwesen herauskristallisiert. Das Areal könnte zum Beispiel ein Standort für ein Repair-Café samt Begegnungsstätte werden. Multifunktionale Räume für Jugendliche, Vereine und Institutionen, wie den Familienstützpunkt, sind genauso denkbar.

Ebenso könnten dort Räume für Kurse der Volkshochschule entstehen. Nur wie gestaltet man das Bleicher-Anwesen dann am besten baulich? Auch darum ging es bei der Diskussion. Das Architekturbüro Schönberger hat Varianten ausgearbeitet, bei denen die Themen Wohnen und Natur mitbedacht waren.

Eine Variante sieht vor, die Bestandsgebäude größtenteils zu erhalten und im hinteren Bereich einen privateren Bereich für Wohnräume zu schaffen. Bei einer anderen Idee würden die Gebäude abgerissen und Neubauten um das Biotop angeordnet werden. Die dritte Variante zeichnet sich durch halböffentliche Höfe aus. Dabei soll die Straßenfront umgebaut werden.

Dass es überall Vor- und Nachteile gibt, machte die Diskussion deutlich. Beteiligungs-Experte Sven Schmuderer stellte alles auf der Plattform PUBinPLAN zusammen und freute sich, dass die Bürger mitgestalten. Auch Julius Schönberger und Jessica Hopp vom Architekturbüro Schönberger zogen ein positives Fazit. „Es gab interessante Anregungen. Und einiges muss ja noch ausgearbeitet werden.“

Projektleiter David Rester hat ebenfalls einigen Input bekommen. Er will nun einen Vorschlag ausarbeiten, den er der Bürgermeisterin vorlegen will. Im Juli soll das Ganze Thema im Stadtrat sein, sagt Rester. Das Konzept für eine mögliche Bebauung soll Ende September stehen. Anschließend werde es darum gehen, Investoren und Förderungsmöglichkeiten zu suchen. „Und dann wird es wirklich konkret“, sagt Rester.

Hintergrund zur Sorgenden Stadt:

• Idee: Das Projekt soll das Gesundheits- und Pflegesystem in Hemau für eine alternde Gesellschaft wappnen. „Gewohnte Systeme werden irgendwann nicht mehr funktionieren“, sagt David Rester.

• Phasen: Seit 2023 engagieren sich 80 Multiplikatoren aus Pflege, Vereinen und Wirtschaft. Zuerst ging es um die Suche nach einem Standort und anschließend um die Nutzung und Gestaltung der Fläche.

• Beteiligung: Bis Ende Mai können Interessierte auf der Plattform PUBinPLAN Ideen zur Gestaltung des Bleicher-Anwesens einreichen. Man kann zu den Varianten direkt Kommentare schreiben.

• Projekte: Zur Sorgenden Stadt gehören mehrere Angebote und Projekte in Hemau, etwa das Coworking-Angebot im Grunwald-Anwesen, Bewegungskurse für ältere Menschen oder „Letzte Hilfe“-Kurse.