Aus dem Ende wird ein Anfang: Junges Paar übernimmt Reifenthaler Traditionsbäckerei

Es ist eine der Bäckergeschichten, die derzeit viele Menschen in der Region umtreibt. Geschrieben wird sie von zwei Bäckergenerationen – einer, die jetzt zu Ende gegangen ist und einer, die zeitgleich eine neue Herausforderung angenommen hat. Es geht um die Reifenthaler Traditionsbäckerei Freisleben und ihren Nachfolger Da Freis Bäck.
Ja. Der neue Name ist noch gewöhnungsbedürftig. Das gibt Daniel Auhuber zu. Er hat zusammen mit seiner Frau Sabine Lindner am 1. Mai die Bäckerei Freisleben im Pettendorfer Gemeindeteil Reifenthal übernommen – und hätte den Namen gerne weitergeführt. Allerdings hätte das für Vorbesitzer Manfred Freisleben und das junge Bäcker-Paar viel Aufwand und Bürokratie mit sich gebracht. „Deshalb haben wir uns für einen neuen Namen entschieden, der zumindest an den alteingesessenen erinnert“, erklärt Auhuber.
Tradition seit dem Jahr 1949 in Reifenthal
Seit 1949 gibt es die Bäckerei mit Laden und Backstube in Reifenthal. Sie hat ganze Generationen mit Semmeln, Brot, Brezen und Gebäck versorgt. Vor allem samtags standen die Kunden frühmorgens Schlange, um sich für das Frühstück und das Wochenende einzudecken. Über Jahrzehnte hinweg gab es kein Vereinsfest in der Gemeinde, bei dem die Bratwürste nicht in den Freisleben-Semmeln steckten.
Gebacken hat sie mehr als 60 Jahre lang der Bäcker Mane, wie Bäckermeister Manfred Freisleben gefühlt schon immer genannt wird. 1965 ist er zum ersten Mal in der Backstube gestanden, im Jahr 1977 hat er sie von seinen Großeltern übernommen. Über zwei Jahrzehnte hinweg führte er die Bäckerei zuletzt zusammen mit seinem Sohn Manfred junior.
Auch mit 75 Jahren ist es nicht leicht loszulassen
„Nacht für Nacht ist Papa in der Backstube gestanden und hatte dabei immer den Anspruch, den Menschen jeden Tag beste Qualität zu bieten“, sagt seine Tochter Eva Freisleben. Selbst will sich der Reifenthaler Bäckermeister dazu nicht äußern. Loszulassen fällt ihm selbst im Alter von 75 Jahren nicht leicht. Dabei ist der Ruhestand im wahrsten Sinne des Wortes wohlverdient.
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Auch wenn eine Ära endet – mit der Bäckertradition ist in Reifenthal längst nicht Schluss. Und auch nicht mit den Rezepturen von Manfred Freisleben. Dafür wollen Sabine Lindner und Daniel Auhuber sorgen. Die beiden bis vor kurzem noch angestellten Bäckermeister aus Ihrlerstein werden auf jeden Fall einige davon übernehmen. „Die Brezen und das Roggenbrot – zu hundert Prozent“, verspricht Auhuber, der zufällig auf die Bäckerei Freisleben aufmerksam geworden ist. Am Stammtisch hat ihm der Reifenthaler Bäcker erzählt, dass er in den Ruhestand gehen will.
Der Traum von der kleinen Handwerksbäckerei
Der 46-Jährige und seine 28-jährige Frau mussten nicht lange überlegen und leben nun ihren Traum von einer kleinen Handwerksbäckerei, die ab 1. Juni sogar noch einen Ableger in ihrem Heimatort Ihlerstein bekommt. „Wie in Reifenthal gibt es auch dort keinen anderen Laden mehr“, erzählen die beiden.
Genau das ist ihrer Meinung nach die Nische, die ihnen bei vielen Kunden den entscheidenden Pluspunkt bringt im Kampf gegen Großbäckereien und Discounter. Sie wollen vor Ort backen, dabei auf Fertigmischungen weitgehend verzichten und setzen auf regionale Zulieferer, beispielsweise auf Mehl aus der Poschenrieder Mühle in Sinzing.

Und es geht ihnen vor allem um Handarbeit. „Bei uns schaut keine Breze wie die andere aus“, verspricht Daniel Auhuber, der zusammen mit seiner Frau in der Bäckerei und im Verkauf vier Mitarbeiter beschäftigt, Neben den Freisleben-Rezepturen will er natürlich auch seine eigenen Ideen Stück für Stück umsetzen. Dazu gehören Dinkel-Produkte und Ur-Roggen. Diese 7000 Jahre alte Getreideart hat es ihm angetan. Er möchte daraus ein besonderes Bauernbrot machen.
Das Angebot soll überschaubar bleiben
Trotzdem soll das Angebot in der Reifenthaler Bäckerei überschaubar bleiben. So will das Paar unter anderem täglich vier verschiedene Körnersemmeln und drei Brote aus eigenem Natursauerteig anbieten, dazu eine gängige Palette an Gebäck und künftig auch mehr Konditorei-Produkte. Letzteres ist vor allem das Metier von Sabine Lindner. Bienenstich und Sahnerouladen zählen zu den Spezialitäten. All das soll es zu bezahlbaren Preisen geben.
„Wir wissen, woher wir kommen und wohin wir wollen“, betont Auhuber und ist durchaus zufrieden mit der Resonanz der Kunden – „auch, wenn der Start noch ein wenig holprig war“. Für den Bäckermeister ist das allerdings nachvollziehbar, wenn plötzlich das tägliche Brot etwas anders schmeckt als über Jahrzehnte hinweg.
Was genau anders ist, hat schon drei Tage nach der Eröffnung ein Kunde am Telefon erklärt. „Wir hatten ein sehr gutes Gespräch“, erinnert sich Auhuber, dankbar für die freundliche aber bestimmte Rückmeldung. Mittlerweile habe sich der Kunde wieder gemeldet und bescheinigt, dass der Weg passt.