Großbrand bei Entsorger Lehrer in Schwandorf: Auslöser schlummerte wohl im Müllberg

Von Martin Kellermeier · 29. Mai 2026 um 11:28

Als am Donnerstagabend gegen 20 Uhr die Sirenen in Schwandorf heulen, reicht ein Blick aus dem Fenster, um den Grund für den Alarm zu erkennen. Über dem Gewerbegebiet Bayernwerk im Stadtsüden wächst eine Rauchsäule in die Höhe. Auf dem Gelände des Entsorgungsunternehmens Lehrer lodern derweil die Flammen – womöglich ausgelöst durch ein klitzekleines Teil im Müll.

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Die Integrierte Leitstelle Oberpfalz-Nord, die derzeit eine neue Leitstelle in Wernberg-Köblitz baut, hatte sofort Großalarm ausgelöst. Schnell waren die Feuerwehren vor Ort und begannen unter Atemschutz mit den Löscharbeiten.

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Auf dem Lager- und Umschlagplatz war unter freiem Himmel der Inhalt von zwei großen Boxen in Brand geraten. In der einen lagerten schätzungsweise etwa 30 Tonnen Gewerbemüll, darunter Folien, Kartonagen und Kunststoffe. Aber auch der Rest von Haushaltsauflösungen dürfte hier auf seine weitere Verwertung gewartet haben, erklärte Betriebsleiter Alexander Strecker. In der anderen Box waren rund 60 Tonnen Holz.

Tanklöschfahrzeuge der Feuerwehr im Pendelverkehr

Während der Gewerbemüll schnell abgelöscht werden konnte, war der Bereich mit dem Holz durchaus eine Herausforderung für die etwa 75 Kräfte der Feuerwehr, wie Kreisbrandrat Christian Demleitner gegenüber der MZ berichtete. Das lag vor allem daran, weil die betroffene Box sehr gut gefüllt war. Die Feuerwehr begegnete der Aufgabe unter anderem mit einem Pendelverkehr wasserführender Fahrzeuge. So war immer ausreichend Löschwasser an der Einsatzstelle. „Durch das beherzte und zielgerichtete Eingreifen konnte eine Ausbreitung des Brandes verhindert werden“, bilanzierte der Kreisbrandrat.

Während die Löscharbeiten in vollem Gang waren, wurden immer mehr Menschen auf den Brand aufmerksam. Die Rauchsäule, die anfangs noch fast senkrecht über dem Brandort stand, neigte sich immer mehr Richtung Süden. Über das Naabtal bahnte sich der Qualm seinen Weg bis ins Städtedreieck.

Die Rauchentwicklung war enorm. Der Qualm bahnte sich über das Naabtal seinen Weg bis ins Städtedreieck. - Foto: Martin Kellermeier

Die Einsatzleitung entschied sich daher, über die NINA-App entsprechende Warnmeldungen zu versenden. In der Nachricht wurde die Bevölkerung im betroffenen Bereich dazu aufgerufen, in Gebäuden zu bleiben oder solche aufzusuchen. Auch sollten Fenster und Türen geschlossen werden. Klimaanlagen und Lüftungsgeräte sollten zudem vorübergehend außer Betrieb genommen werden.

Nachlöscharbeiten zogen sich bis in die frühen Morgenstunden hin

Der Einsatz war für die Feuerwehr kräftezehrend. Bis in die frühen Morgenstunden zogen sich die Nachlöscharbeiten hin. Die vom Brand betroffenen Boxen mussten nach und nach ausgeräumt und deren Inhalt abgelöscht werden. Das örtliche THW hatte dafür eine Beleuchtung aufgebaut. Ebenfalls eine große Hilfe waren zwei Baggerfahrer des Entsorgungsunternehmens, die die Müllberge auseinanderzogen.

Die Feuerwehr war bis in die frühen Morgenstunden im Einsatz. - Foto: Martin Kellermeier

Die Polizeiinspektion Schwandorf geht indes nach ersten Ermittlungen davon aus, dass sich der Müll selbst entzündet hat. Hinweise auf Brandstiftung habe man auch nach der Auswertung der Überwachungskameras keine, teilte Polizeioberkommissar Stefan Dirnberger mit. Der entstandene Sachschaden belaufe sich auf rund 50.000 Euro.

Das kann ein Akku gewesen sein, das kann aber durch die Hitze auch etwas anderes gewesen sein.Alexander Strecker, Betriebsleiter

Betriebsleiter Strecker vermutet, dass der Brand in der Box des Gewerbemülls entstanden sein muss. „Das kann ein Akku gewesen sein, das kann aber durch die Hitze auch etwas anderes gewesen sein“, sagte er. Womöglich habe bei derzeitigen Sonneneinstrahlung sogar eine Glasscherbe ausgereicht, um den Müll in Brand zu setzen. Als die letzten Mitarbeiter am Donnerstagabend gegen 18 Uhr den Parkplatz verließen, habe jedenfalls noch nichts auf das Feuer hingedeutet.

OB-Stellvertreter Kuhn nahm an Lagebesprechungen teil

Der Betriebsleiter war voll des Lobes für den Einsatz von Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei und THW. „Wir sind beeindruckt, wie schnell und beherzt alle gehandelt haben“, sagte der Firmenvertreter im Namen der gesamten Geschäftsleitung. Ähnlich äußerte sich OB-Stellvertreter Matthias Kuhn (SPD), der sich noch am Abend ein Bild vor Ort machte und an zwei Lagebesprechungen teilnahm. „Alles ging Hand in Hand“, schilderte der Kommunalpolitiker seine Eindrücke. Für ihn sei es „das Allerwichtigste“ gewesen, dass es keine Verletzten gab. Und so konnte ein Rettungshubschrauber, der sich auf dem Rückflug von einem anderen Notfall befand und kurzzeitig über der Einsatzstelle im Schwandorfer Stadtsüden kreiste, schnell in Richtung Weiden abdrehen.

Sie waren bei dem Brand in Schwandorf im Einsatz

• Feuerwehr: Etwa 75 Einsatzkräfte waren mit den Löscharbeiten beschäftigt. Im Einsatz waren die Feuerwehren Schwandorf, Dachelhofen, Ettmannsdorf, Büchelkühn sowie die Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung. Die Einsatzleitung lag bei dem Dachelhofer Kommandanten Georg Guldan. Unterstützt wurde er von Kreisbrandrat Christian Demleitner und Stadtbrandinspektor Klaus Brunner sowie weiteren Führungskräften der Kreisbrandinspektion.

• Rettungsdienst: Mit der Besatzung von zwei Rettungswagen wurde der Einsatz der Atemschutzträger abgesichert, berichtete Einsatzleiter Rettungsdienst Dominik Lehner. Ferner stellte die Schnelleinsatzgruppe Betreuung die Verpflegung der Einsatzkräfte sicher.

• THW: Neben dem Fachberater des Technischen Hilfswerks waren mehrere Helfer des örtlichen Verbandes am Brandort. Sie bauten eine großflächige Beleuchtung auf, wie THW-Pressesprecher Andreas Löw mitteilte.

• Polizei: Es waren mehrere Streifen vor Ort, auch um das betroffene Firmengelände abzusichern und zeitweise den Verkehr zu regeln.