Wildbiesler rund um die Maidult in Regensburg: Etliche Graffiti in der Altstadt aufgetaucht

Am Freitagmorgen waren sie das Gesprächsthema schlechthin in der Altstadt: An mehreren Stellen entlang der Donau in Regensburg kleben seit der Nacht auf Freitag Papierstücke an Hausmauern, die Wildbiesler zeigen. Ein Regensburger Kollektiv reklamiert die Aktion für sich. Wer sie sehen will, sollte sich beeilen, denn die ersten dieser Figuren sind schon wieder verschwunden. Hier sind sie noch zu sehen.
An der Schierstadt hängt noch eines, zwischen Welterbezentrum und Eisdiele unterm Brückturm an der Steinernen Brücke ebenfalls, das beim Grieser Steg ist derweil schon wieder verschwunden: Die Rede ist von den Wildbiesler-Stencils, über die sich am Freitagmorgen die halbe Altstadt zu unterhalten scheint. Sie zeigen Rückansichten von Trachtlern, die sich nach unten blickend mit der einen Hand an der Mauer abzustützen und mit der anderen vor die Körpermitte zu greifen scheinen. „Deutsches Kulturgut“, ist auf einem weiteren Stück Papier daneben zu lesen.
Derweil ließ das Fußabdrücke-Kollektiv eine Mail versenden, in der es die Aktion für sich reklamiert. Die Aktion sei als ironischer Kommentar zu verstehen, heißt es darin. Und weiter: „Während auf der Maidult wieder ausgelassen geschunkelt, gegrölt und Maß um Maß Tradition gepflegt wird, haben wir uns einem oft übersehenen Brauchtum gewidmet: dem kollektiven Wildurinieren betrunkener Männer im öffentlichen Raum.“ Deswegen seien in der vergangenen Nacht mehrere lebensgroße Stencils auf Tapetenstücken an Mauern und Wänden verteilt worden.
Nicht die erste Aktion zum Thema Dult
Weiterhin ist von einer alljährlichen Verwandlung der Regensburger Altstadt in ein großflächiges Freiluftpissoir die Rede. „Während jede Bierbank akkurat ausgerichtet und jedes Lebkuchenherz liebevoll dekoriert wird, scheint das Thema öffentliche Rücksichtsnahme für besoffene Männer eher als improvisierte Mitmachaktion verstanden zu werden“, geht das Schreiben in ironischem Tonfall weiter. Einzelpersonen anzugreifen sei nicht das Ziel der Aktion, vielmehr gehe es darum, ein Verhalten zu kommentieren, das seit Jahren von vielen hingenommen werde.
Es ist nicht die erste Sprühaktion zum Thema Dult in dieser Woche: Etwa auf der Steinernen Brücke waren zuletzt Wegweiser aufgetaucht, die den Weg zum Volksfest beschreiben.