Diskussion um „Skandal im Sperrbezirk“: Diese Kult-Hits sind auf Regensburger Dult verboten

Von Philip Hell · 27. Mai 2026 um 19:00

Skandal um Rosi: Seit einigen Tagen sorgt eine Liste von Liedern für Wirbel, die auf der Bergkirchweih in Erlangen möglichst nicht gespielt werden sollen – darauf auch der bayerische Kult-Hit „Skandal im Sperrbezirk“ der Spider Murphy Gang. Eine Nachfrage auf der Regensburger Dult zeigt, dass auch hier der ein oder andere Song tabu ist.

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Veranstalter der Dult ist bekanntlich die Stadt Regensburg. Sprecherin Juliane von Roenne-Styra teilt auf MZ-Nachfrage mit, dass es in den Verträgen mit den Festwirten eigene Regeln zum Thema Musik gibt. Mit dieser Klausel verpflichteten sich die Festwirte beziehungsweise die von den Festwirten gebuchten Bands oder DJs, weder das „Donaulied“ noch das Lied „Jeanny“ von Falco im Zelt zu spielen.

„Donaulied“ und „Jeanny“ auf der Regensburger Dult 2026 verboten

Um ersteren Song gibt es seit Jahren eine intensive Debatte. Eine ursprüngliche Textversion des Lieds beschreibt die Vergewaltigung eines schlafenden Mädchens an der Donau. Der Schlagersänger Mickie Krause dichtete diese Stelle in einer eigenen Version des Titels um. In „Jeanny“ von Falco geht es um die Entführung einer jungen Frau. Das Lied löste in den 1980ern einen veritablen Skandal aus – der sich bis heute auf der Regensburger Dult auswirkt. Stadt-Sprecherin Juliane von Roenne-Styra betont: „Die genannten Songs dürfen auch nicht neu arrangiert oder umgetextet werden.“ Generell gelte, dass Lieder mit diskriminierenden, herabwürdigenden, rassistischen oder ausländerfeindlichen Textinhalten auf der Dult nicht abgespielt werden dürfen.

Festwirt Alfred Glöckl betont auf MZ-Anfrage: „Im Rahmen unserer vertraglichen Vereinbarung mit der Stadt Regensburg haben wir eine klare Regelung zum Thema Musik getroffen, die für uns und unsere engagierten Bands von großer Bedeutung ist.“ Man verpflichte alle Musiker, sich an die Regeln zu halten. „Diese Vorgabe ist für uns absolut bindend: Die genannten Titel dürfen von unseren Musikern weder im Original noch in neu arrangierten, instrumentalen oder umgetexteten Versionen auf die Bühne gebracht werden.“ Generell verfolge man im Glöckl eine Null-Toleranz-Strategie: „Lieder mit diskriminierenden, herabwürdigenden, rassistischen oder ausländerfeindlichen Inhalten haben auf der Dult und in unserem Zelt keinen Platz. Gemeinsam mit unseren Künstlern achten wir sehr genau darauf, dass die Atmosphäre friedlich bleibt und für alle Gäste einladend ist.“

So reagieren die Festwirte auf die Lieder-Verbote auf der Regensburger Dult

Sein Festwirtskollege Michael Hahn schlägt im MZ-Gespräch in die gleiche Kerbe: „Wir achten schon immer unabhängig von den Behörden darauf, dass alles im adäquaten Bereich bleibt. Wir wollen keine Mallorca-Partys unterhalb der Gürtellinie.“ Es solle menschlich und warm sein. „Rassistische, diskriminierende und sexistische Texte“ hätten daher keinen Platz in seinem Hahn-Zelt. Das sei auch kein größeres Problem, sagt Hahn. „Das Repertoire ist schließlich riesig. Es fehlt ja nichts, wenn mal ein Lied nicht gespielt wird.“ Gäste beschwerten sich jedenfalls nicht. Generell würde er das Thema Lieder-Verbote nicht zu hoch hängen. „Es ist keine große Sache.“

Direkt betroffen von möglichen Verboten sind freilich die Musiker. Auch die bekannte Partyband Gewekiner Buam+Madl aus der Gemeinde Pentling im Landkreis Regensburg ist ab und zu mit derartigen Vorschriften konfrontiert, sagt Bandmitbegründer Matthias Kohlmeier. Insbesondere „Layla“ habe in den vergangenen Jahren für Debatten gesorgt. Das Lied ist Teil des Malle-Medlays der Gruppe. „Das müssen wir dann einfach umstellen“, sagt Kohlmeier. Dabei fordere das Publikum das Lied. „Da stehen sogar Kinder vor der Bühne und singen mit.“ Die Debatte um „Skandal im Sperrbezirk“ sei für ihn jedenfalls nicht wirklich nachvollziehbar. „Schon unsere Eltern haben zu dem Lied getanzt.“ Der Song sei nicht dafür geschrieben worden, jemandem zu schaden. Eines will Kohlmeier dann aber noch betonen: Wenn rechtsradikale oder menschenverachtende Lieder verboten werden, habe das seine vollste Unterstützung.

„Skandal um Sperrbezirk“ auf Bergkirchweih verboten: So reagieren Musiker aus dem Raum Regensburg

Auch Muk Röhrl, Wirt des ältesten Wirtshauses der Welt in Eilsbrunn bei Regensburg und DJ, meldete sich in einem kurzen Video auf den sozialen Medien zu Wort. „Ich versteh es nicht“, sagt er darin. „Warum fangen sie mit dem Schmarrn schon wieder an?“, fragt er mit Blick auf die Debatte um „Layla“ vor einigen Jahren. Er sei ja selbst kein großer Fan solcher Lieder, sagt Röhrl. Aber: „Lasst doch die Leute mal in Ruhe!“ Der Großteil der Bevölkerung wolle solche Songs hören. „Wenn ich nur noch brave Kirchenlieder spielen soll, kommt halt keiner mehr zum Biertrinken auf ein Volksfest.“