Regensburg kämpft gegen Müll in der Altstadt: Stadt plant neue Maßnahmen

Von Philip Hell · 25. Mai 2026 um 19:00

Nein, Regensburg ist nicht Neapel. Die Gassen der Domstadt quellen für gewöhnlich nicht über vor Müll – und dennoch: An neuralgischen Punkten sammelt sich insbesondere an Wochenenden der Dreck. Das will die neue Koalition nun angehen.

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Es ist die Nacht auf Samstag. 00.04 Uhr. Die Stadt ist voll – der Mülleimer in der Brückstraße auch. Unweigerlich denkt man an Tetris, das Computerspiel, in dem es darum geht, möglichst gut zu stapeln. Mitnehm-Becher und Zigarettenschachteln wurden fein säuberlich übereinanderdrapiert. Ein fragiles Gebilde. Auch neben dem Eimer sammelt sich der Dreck. Eisbecher, eine Dönerbox und Flaschen liegen auf dem Boden. Eine Szene, die wahrlich keinen Seltenheitswert hat. Haben wir ein Müllproblem?

Müll in Regensburg: Täglich werden 2,2 Tonnen Abfall gesammelt

Nachfrage bei der Pressestelle der Stadt. Sprecherin Juliane von Roenne-Styra diagnostiziert „ein wachsendes Problem“, das öffentliche Räume, Parks und Straßen belaste – und kann dieses Problem sogar beziffern: 800 Tonnen. So viel Müll sammelt die Straßenreinigung jedes Jahr ein. Das sind knapp 2,2 Tonnen – jeden einzelnen Tag. Wobei das nicht ganz stimmt. Auch die Stadt beobachtet nämlich: „In den Sommermonaten und vor allem an Wochenenden und an Feiertagen fällt viel Müll an.“ Daher stelle man mobile Müllsackständer an verschiedenen Stellen auf – einer ist beispielsweise unweit des Donauufers in Stadtamhof zu finden.

Damit noch nicht genug, kündigt Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra an: „Im Zuge städtebaulicher Maßnahmen in der Altstadt werden auch Stellen für Abfalleimer eingeplant.“ Das sei etwa im Obermünsterviertel geplant.

Auch die neue Koalition unter Führung von SPD-Oberbürgermeister Thomas Burger möchte sich des Problems annehmen, wie in der Vereinbarung des Bündnisses nachzulesen ist. Dort heißt es etwa: „Nachhaltigkeit bedeutet für uns auch einen bewussten Umgang mit Ressourcen. Deshalb setzen wir eine verbindliche ZeroWaste-Strategie um.“ Dazu gehöre auch die Müllvermeidung im öffentlichen Raum. Weiter schreibt das Bündnis aus SPD, Grünen, Brücke, Freien Wählern, ÖDP und Volt: „Vermüllungs-Hotspots werden häufiger kontrolliert und problematische Containerstandorte für Glas oder Altkleider überprüft und gegebenenfalls verlagert.“

Wann Maßnahmen umgesetzt werden, bleibt offen

An anderer Stelle ist von einem wirksamen Gesamtkonzept gegen Vermüllung die Rede. „Dazu werden wir die Reinigungsintervalle im stark frequentierten Altstadtbereich bedarfsgerecht anpassen, die städtische Abfallinfrastruktur – etwa durch zusätzliche Mülleimer, bessere Entsorgungsmöglichkeiten und smarte Leerungskonzepte – weiterentwickeln und die Zusammenarbeit mit Gastronomie, Veranstaltern und Anwohnern stärken.“ Zudem versprechen die Koalitionäre: „Wir werden unsere Ämter, die mit Straßenreinigung, Müllabfuhr und Winterdienst betraut sind, mit ausreichend Personal und Ausrüstung ausstatten, dass sie ihre wichtige Arbeit in wertgeschätzter Weise verrichten können.“ Die Bündnispartner lassen offen, wann und wie die Maßnahmen umgesetzt werden.

Die Problematik fällt seit wenigen Tagen in das Ressort der Neu-Umweltbürgermeisterin Helene Sigloch (Grüne). Sie betont im MZ-Gespräch ebenfalls, dass der Müll ein wichtiger Punkt auf der Agenda der Koalition ist. Genaue Maßnahmen müsse man allerdings erst einmal erörtern. Zumal erst kürzlich ein Müllkonzept beschlossen worden sei. Sie könne sich allerdings eine Art Müllmeldesystem vorstellen, mittels dessen Bürger auf überquellende Eimer hinweisen könnten. „Das geht aber natürlich nicht von heute auf morgen.“ Zumal auch nicht unendlich Personal zur Verfügung stehe. Zugleich betont Sigloch, dass Regensburg in Anbetracht der Größe noch eine sehr saubere Stadt sei. Darüber hinaus wünscht sich Sigloch, wie auch ihr Amtsvorgänger Ludwig Artinger (Freie Wähler), eine Verpackungssteuer, die dazu beitragen soll, dass weniger Müll produziert wird. „Dafür fehlt allerdings die Rückendeckung von der Landesregierung.“

Anwohner in der Regensburger Altstadt ärgern sich über Müll: Manchmal muss man vor der eigenen Haustür kehren

Eine, die die Altstadt kennt, wie keine zweite, ist Kathrin Fuchshuber. Die CSU-Stadträtin betreibt das Hotel Münchner Hof – und hat eine klare Meinung: Mich nervt der Müll.“ Dabei gehe es ihr nicht nur um die überquellenden Eimer, nein: „Auch die gelben Säcke sind ein Problem.“ Die lägen zum Teil länger in den Gassen – unter anderem bei ihr in der Tändlergasse. „Die werden dann – warum auch immer – aufgerissen und der Müll fliegt herum.“ Dazu kämen Graffitis und Schrottfahrräder. Apropos: „Gegen die unternehmen wir ja gerade etwas“, sagt sie in Anspielung auf eine Maßnahme der Stadt, bei der Drahteselleichen entfernt wurden. „So etwas bräuchten wir auch beim Müll.“ Einstweilen trete sie allerdings selbst in Aktion. Gemeinsam mit anderen Gewerbetreibenden kümmere sie sich in der Tändlergasse darum, dass es sauber bleibe. „Wir räumen Flaschen weg oder heben Kippen auf“, sagt Fuchshuber. „Da muss jeder vor seiner eigenen Haustür kehren.“ Im wahrsten Sinne des Wortes. Die überquellenden Eimer seien allerdings ein Problem der Stadt.

Samstag, 7.01 Uhr: Die Müllabfuhr sorgt für eine saubere Altstadt in Regensburg. - Foto:

Im Fall des überquellenden Mülleimers in der Brückstraße ist dieses Problem wenige Stunden später tatsächlich gelöst – wenn auch nur vorübergehend. Um 7.01 Uhr rollt ein Müllwagen über die Steinerne Brücke und biegt in die Keplerstraße ab. Darin jede Menge Verpackungen und jene Stadtbediensteten, die dafür sorgen, dass Regensburg eben nicht Neapel ist.