Die Stadt Regensburg ist die jüngste im Freistaat Bayern

Von Johannes Krenner · 28. Mai 2026 um 05:00

Noch nie sind im Nachkriegsdeutschland weniger Babys auf die Welt gekommen als im vergangenen Jahr. Das ist der bundesweite Blick auf die jüngst veröffentlichten Zahlen. Der Blick auf die Stadt Regensburg zeigt ein anderes Bild.

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Seit über 20 Jahren registriert das Standesamt konstant deutlich mehr Geburten als Sterbefälle. Das Statistische Landesamt prognostiziert, dass die Stadt als einzige in Bayern neben München bis 2044 einen Geburtenüberschuss vorweist. Und: Regensburg ist die im Schnitt jüngste bayerische Großstadt, der Jungbrunnen des Freistaats.

Oberbürgermeister Dr. Thomas Burger begeistert das: „Die Entwicklung freut uns sehr, denn sie unterstreicht die Bedeutung unseres Standorts“, sagt er gegenüber der MZ. „Eine junge Stadt ist eine lebendige Stadt mit unglaublich vielfältigen Freizeit-Angeboten, sei es kulturell, im Sport oder auch in der Gastronomie.“

„Vergleichsweise niedrige Zahl älterer Menschen“

Doch wie kommen diese Zahlen zustande? Was sind die Gründe für diesen Trend und die positive Prognose? Die Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Landesamts in Fürth hat Dyanne Valerie Leukert erstellt. Sie erklärt auf MZ-Anfrage, dass für die Modellrechnung erstmals die neue Datenbasis des Zensus 2022 berücksichtigt worden sei. Ansonsten beruhe die Einschätzung „im Wesentlichen auf den demographischen Entwicklungen der (jüngsten) Vergangenheit“ – von der Alters- und Geschlechtsstruktur bis hin zum Geburten-, Sterbe- und Wanderungsverhalten der vergangenen Jahre. Und all diese Faktoren fallen laut der Expertin positiv für Regensburg aus.

„Der Blick auf die aktuelle Altersstruktur der Bevölkerung in Regensburg zeigt zum einen eine vergleichsweise hohe Zahl an jungen Erwachsenen (und damit auch potenziellen Eltern/Geburten), zum anderen aber auch eine vergleichsweise niedrige Zahl älterer Menschen“, schildert Leukert. Zusätzlich könne man neben einem positiven Wanderungssaldo auch mehr Geburten als Sterbefälle beobachten, „was sich voraussichtlich mittelfristig wieder fortsetzen wird“.

Unser Ziel ist, das Wachstum weiterhin ökologisch nachhaltig und sozial gerecht zu organisieren.Thomas Burger, Oberbürgermeister

Das bestätigt auf Nachfrage auch Katrin Butz, Sprecherin der Stadt Regensburg, und konkretisiert: Seit 2006 sei die Geburtenzahl fast kontinuierlich gestiegen bis zu einem Hoch im Jahr 2021 mit 5277. Vergangenes Jahr seien nun insgesamt 4543 Babys in Regensburg auf die Welt gekommen. Demgegenüber stünden 3085 Sterbefälle – ebenfalls ein Rückgang im Vergleich zum Höchststand 2021 mit 3347. Somit kommen auf einen Sterbefall knapp 1,5 Geburten. Zum Vergleich: Bundesweit ist das Verhältnis genau umgekehrt – bei rund 655 000 Geburten und über einer Million Sterbefälle.

Die Stadt führt dieses positive Verhältnis auf mehrere Faktoren zurück: „Charakteristisch für Regensburg ist: der insgesamt hohe Arbeitsplatzbesatz, die in den vergangenen Jahren insgesamt positive Entwicklung des produzierenden Sektors, die starke Exportorientierung vieler Unternehmen“, so die Sprecherin. Hinzu kämen „die hohe Diversifizierungsquote des Wirtschaftsstandorts mit einem hohen Anteil von High-Tech-Unternehmen, die Prägung als Hochschulstandort mit einem hohen Anteil an Studierenden in der Bevölkerung, das vielseitige Kultur-, Sport- und Freizeitangebot und die hohe Einzelhandelszentralität“. Zusätzlich befinden sich auf dem Galgenberg „ein Schwerpunkt für Innovation, Forschung und Wissenschaft“ sowie wichtige Kliniken. Sprecherin Katrin Butz leitet daraus ab: „Alle diese Punkte ziehen vor allem junge Berufseinsteigerinnen und -einsteiger an, die in Regensburg dann auch ihre Familie gründen.“

Fakt ist allerdings ebenso: Auch Regensburg wird älter. Das Durchschnittsalter steigt laut der Berechnung des Statistischen Landesamts bis 2044 von aktuell 41,5 Jahren auf 43,2 Jahre. Und auch die Spanne zwischen Geburten und Sterbefällen, die 2015 schon mal 40 Prozent betrug, verringert sich weiter. „Zum Ende des Vorausberechnungshorizonts wird auch in der Stadt Regensburg die Zahl der Sterbefälle so weit ansteigen, dass sie über der Zahl der Geburten liegt“, erklärt Expertin Dyanne Valerie Leukert. Dennoch hält sie fest: „Die Bevölkerung der Stadt Regensburg wird nach den Ergebnissen der Vorausberechnung auch in Zukunft wachsen und dabei im Durchschnitt relativ jung sein.“

Auf die Stadt warten einige Herausforderungen

Für Thomas Burger gehen damit aber auch Herausforderungen einher, wie „die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, der Ausbau des Betreuungsangebots oder die Weiterentwicklung des ÖPNV“, sagt er der MZ. „Und natürlich ist es gerade in einer wachsenden Stadt umso wichtiger, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern und beim Klimaschutz engagiert dranzubleiben.“ Burger betont: „Unser Ziel ist, das Wachstum weiterhin ökologisch nachhaltig und sozial gerecht zu organisieren, damit Regensburg wirtschaftlich innovativ und demokratisch lebendig bleibt.“