Teure Unterhaltskosten: Kinder sind jungen Regensburgern lieb – und teuer

Wohnen, Betreuung und Verdienstausfall: Bei der Entscheidung für Nachwuchs spielt der Lebensstandard eine große Rolle. Manche Regensburger verzichten wegen des Geldes auf ein zweites Kind. Für andere hat die Familiengründung wenig mit den Finanzen zu tun.
Sara Hammesfahr hebt ihre Tochter (2) aus dem Fahrradsitz. Die 36-Jährige will bei Edeka im Dörnbergviertel einkaufen. Das Ergebnis einer repräsentativen Insa-Umfrage vom Februar kann sie verstehen. Bei dieser haben 55 Prozent der Befragten gesagt, dass man sich in Deutschland keine Kinder mehr leisten kann. Der Großteil nannte hohe Lebenshaltungskosten wie Miete, Lebensmittel und Energie als Hauptgründe. Hammesfahr sagt zwar: „Wir können die zwei Kinder finanzieren.“ Die Familie hat noch eine sechsjährige Tochter. „Aber ich kann mir vorstellen, dass das viele Leute sagen.“ Es sei schwierig, Wohnraum zu finden. Vier Zimmer seien noch zu bekommen, aber fünf „unmöglich“, sagt die Lehrerin.
In der Stadt sind die Geburtenzahlen in den letzten drei Jahren stabil geblieben, aber nur wegen des Zuzugs. 2023 sind laut städtischer Statistik 4470 Kinder auf die Welt gekommen, 2024 waren es 4655 und im Vorjahr 4543. Was sagen junge Regensburger zum Kinderwunsch?
Tagesmutter für das Baby verlangt 600 Euro im Monat
Christina E. schiebt einen Kinderwagen, der vollgepackt ist mit Einkäufen, ihr fünfmonatiges Kind in der Babytrage schaut sich fröhlich um. „Ich verstehe die Leute, das ist finanziell eine enorme Belastung.“ Ausstattung, Betreuung und eine größere Wohnung seien damit verbunden. „Man muss es abwägen“, sagt die Regensburgerin, die vom Homeoffice aus Datenberatung macht. Ihr Mann ist Softwareentwickler. Um in Ruhe arbeiten zu können, braucht das Paar eine Tagesmutter. „Die kostet 600 Euro im Monat.“ Ob sich die 32-Jährige und ihr Partner für ein zweites Kind entscheiden werden, hänge jedoch nicht von den Kosten ab. Beide arbeiten als Selbstständige. „Das ist nicht so einfach.“
Wir haben eine Schicht, für die Geld überhaupt keine Rolle spielt. Aber bei der Hälfte der Familien oder noch mehr ist es knapp oder furchtbar eng.Dr. Simon Meier, Leiter der Beratung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene der Katholischen Jugendfürsorge
Ob Kita-Gebühren oder Sportschuhe, Schultasche oder Frühstücksbrote – die Ausgaben von Eltern für ihre Kinder sind vielfältig. Nach einer Sonderauswertung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) von 2021 (mit Daten von 2018), eine neuere wird erst Ende des Jahres 2026 vorliegen, geben Paare mit einem Kind im Schnitt 763 Euro im Monat für den Nachwuchs aus. Für Jugendliche liegen die Ausgaben bei 953 Euro. Für zwei Kinder gibt ein Haushalt 1276 Euro monatlich aus. Bis zum 18. Geburtstag kostet ein Kind im Schnitt mehr als 170.000 Euro. Verdienstausfälle durch Teilzeit sind nicht berücksichtigt. Die Inflation der letzten Jahre wird erst in die nächste Destatis-Auswertung einfließen.
Tanja M. schiebt den KInderwagen mit ihrer zweieinhalbjährigen Tochter. „Teuer ist es sehr wohl“, kommentiert sie das Ergebnis der Insa-Befragung. Ein Kind wollten die Krankenschwester und ihr Mann, der im IT-Bereich tätig ist, „trotz der Preise“. Auf weiteren Nachwuchs verzichten sie. Das Geld spiele eine Rolle. „Die Mieten sind schon gewaltig“, sagt die 44-Jährige. Für eine 100-Quadratmeter-Wohnung im Stadtwesten überweist die junge Familie eine Warmmiete von 1800 Euro. Das könnten sie sich nur mit zwei Verdiensten leisten. Hauptargument gegen ein weiteres Baby sei aber das Alter.
In der Insa-Befragung nennen jeweils fast 60 Prozent der Menschen die Steuern und Abgaben als wesentliche Belastung und beklagen fehlende Kita- und Betreuungsplätze. Der Staat tut aber einiges: mit Mutterschafts-, Eltern- und Kindergeld, mit Kinderfreibeträgen bei der Steuer. An Familien mit knapper Kasse fließen Wohngeld und Kinderzuschlag. In Regensburg hat sich die Betreuungssituation durch städtische Kita-Neubauten deutlich verbessert. Es bleibt aber abzuwarten, wie viele Familien erneut mit weit von ihrem Viertel entfernten Plätzen vorliebnehmen müssen.
„In der Stadt geht die Schere immer weiter auseinander“
Dr. Simon Meier, Leiter der Beratungsstelle der Katholischen Jugendfürsorge für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, weiß, wie es den Familien geht. In Regensburg falle das Kostenproblem besonders auf, weil die Schere immer weiter auseinandergehe. „Wir haben eine Schicht, für die Geld überhaupt keine Rolle spielt. Aber bei der Hälfte der Familien oder noch mehr ist es knapp oder furchtbar eng.“ Gerade Gutsituierte überlegten, welche Abstriche sie wegen Kindern beim Lebensstandard machen wollten. Bei wirtschaftlich Schwächeren sei Nachwuchs oft „der Versuch, aus der Misere herauszukommen“.
Beim Kinderwunsch dreht sich jedoch nicht alles ums Geld. Maximilian Folger (31), der Soziale Arbeit studiert, möchte die Entscheidung nicht von den Finanzen abhängig machen. Für ihn geht es eher darum, wann er und seine Freundin „an dem Punkt sind, wo wir die Zeit, die Energie und die Liebe aufbringen können“.