Syrische Ärzte aus Regensburg überbrücken Zeit in der Pflege – während es an Fachärzten mangelt

Von Marion Koller · 12. März 2026 um 09:00

Syrische Ärzte aus Regensburg überbrücken die Zeit in der Pflege im Kursana-Domizil in Lappersdorf – während es zugleich an Fachärzten mangelt. Alle Hürden für die Approbationstätigkeit im Krankenhaus haben sie überwunden, doch die Kliniken lehnen die Bewerber ab.

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Im Speisesaal des Kursana-Domizils genießen die Bewohner Schnitzel mit Kartoffelsalat. Sie sitzen gemeinsam an großen Tischen oder zu zweit. Als die Pflegekräfte Jaafar Hassoun und Akhmad Dakhkhan den Raum betreten, werden sie von etlichen Bewohnern freundlich begrüßt. Die Senioren wollen wissen, warum ein Foto gemacht wird.

Hassoun und Dakhkhan, die beide in Regensburg leben, sind syrische Fachärzte. Die deutsche Approbation fehlt ihnen noch. Die Zeit bis zur Zulassung überbrücken sie als Pflegekräfte im Lappersdorfer Kursana. Für die Approbation müssen sie zwei Jahre lang in einem Krankenhaus arbeiten, doch es hagelt Absagen. Akhmad Dakhkhan hat sich nach der obligatorischen Fachsprachprüfung bei Hunderten bayerischen Kliniken beworben, auch in Regensburg, doch kein Glück gehabt.

Die brauchen Erfahrung für die Stelle und ich brauche eine Stelle für die Erfahrung.Akhmad Dakhkhan, Pflegefachkraft, angehender Arzt

Kursana-Direktorin Birgit Inhofer gibt ihnen gerne die Chance. „Die internationale Mischung macht es, dass es bei uns so familiär zugeht“, sagt sie. In dem Seniorenzentrum sind Mitarbeitende aus rund elf Nationen beschäftigt, darunter weitere 14 syrische Ärzte als Pflegehilfskräfte. Birgit Inhofer unterstützt die internationalen Mitarbeiter bei der Wohnungssuche und im Vorfeld bei Behördengängen.

Die Syrer (beide 27) haben in ihrer Heimatstadt Latakia am Mittelmeer studiert und dort als Mediziner im Krankenhaus gearbeitet, Jaafar Hassoun in der Inneren Medizin und Kardiologie, Akhmad Dakhkhan in der Radiologie. „Wir sind neu in Deutschland, aber dank Frau Inhofer haben wir kein Problem“, sagen sie unisono. „Wir sind sehr dankbar.“

20 Euro im Monat für eine Vollzeitstelle mit Nachtdienst

Der Verdienst für ausgebildete Ärzte: damals 20 Euro monatlich für eine Vollzeitstelle mit vier bis fünf Nachtschichten. „Ein Brot kostet 50 Cent“, wirft Jaafar Hassoun ein. Inzwischen seien es 150 Euro, eine Erhöhung auf rund 350 Euro stehe bevor.

Die beiden sind Ende 2024 nicht nur wegen der schlechten Bezahlung nach Deutschland gegangen. Männer müssten Militärdienst leisten, der sich schon mal jahrelang hinziehen könne. „Mein Cousin musste zehn Jahre bleiben“, sagt Jaafar Hassoun. Auch kann im unruhigen Syrien jederzeit eine Bombe fallen. Trotzdem war es für den 27-Jährigen schwer, seine Frau und die Eltern zu verlassen. Die Ehefrau hat am Tag des Interviews das Visum für Deutschland erhalten.

„Unsere Kindheit, unsere Studienjahre, das war alles im Krieg“, sagt Akhmad Dakhkhan. Er war 13, als 2011 der Bürgerkrieg begann. „Während des Studiums konnten wir das Militär vermeiden.“ Heute leben sie in Regensburg, Akhmad Dakhkhan in einer Zweizimmer-Wohnung am Minoritenweg und Jaafar Hassoun in einer WG in der Von-der-Tann-Straße. Im Lappersdorfer Kursana arbeiten sie Schicht.

Start beim Italiener und als Security beim FC Augsburg

Beide haben sofort zugesagt. Akhmad nach zwei Wochen in einem italienischen Lokal in Regensburg und Jaafar nach einiger Zeit als Security-Mitarbeiter beim FC Augsburg.

Sie duschen die Kursana-Bewohner, beobachten den Hautzustand, servieren das Frühstück. „Wir müssen mit unseren Bewohnern reden“, sagt Akhmad Dakhkhan. „Die sind so süß. Ich höre viele Geschichten.“ Die Bewohnerinnen erinnern ihn an seine über 80-jährigen Großmütter. Viele Senioren erzählen vom Krieg. „Aber nicht traurig, sondern lustig“, erlebt Jaafar Hassoun. Er weiß jetzt von der Berliner Mauer: Ein Mann berichtete von einer geliebten Frau, von der ihn die Mauer plötzlich trennte. Bei Kursana lernen die Syrer Dokumentation, das Lesen von Rezepten, erleben, wie die Ärzte hier behandeln und Medikamente einsetzen. Eine schwierige Hürde war der Dialekt. Oft haben die Pflegefachkräfte von den Senioren neue Wörter gehört – und gelernt. Das half bei der Fachsprachprüfung vor der Ärztekammer, bei der ein Prüfer testete, ob die Syrer den bayerischen Dialekt verstehen.

Die älteren Menschen sind wie die bei uns in Syrien. Mensch ist MenschJaafar Hassoun, Pflegefachkraft, angehender Arzt

Akhmad Dakhkhan bewirbt sich laufend, weil er weiterkommen möchte. Wegen des Ärztemangels sind die Syrer dringend benötigte Fachkräfte in Deutschland. „Die Wartezeit ist zu lang“, findet er. Seit Juli hätte er in einer Klinik behandeln können. „Aber die brauchen Erfahrung für die Stelle und ich brauche eine Stelle für die Erfahrung.“ Beide haben ein Visum für drei Jahre. Erst mit Approbation und Krankenhaustätigkeit ist der unbefristete Aufenthalt möglich.

Bayern zieht viele ausländische Ärzte an

Zulassung: Die Zahl der Approbationsanträge von Ärzten mit Drittstaatsausbildung hat sich in den letzten zehn Jahren vervierfacht, sagt ein Sprecher des bayerischen Gesundheitsministeriums. Diese Verfahren, auch für Personen mit syrischer Ausbildung, seien komplex und zeitaufwändig, weil die Ausbildung detailliert geprüft werden muss. Besteht keine Gleichwertigkeit mit der inländischen Ausbildung, muss noch eine Kenntnisprüfung vor einer staatlichen Prüfungskommission absolviert werden.

Gesetzentwurf: Die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf zur Beschleunigung der Anerkennungsverfahren für ausländische Ärzte vorgelegt.

Klinikabsagen: Personalentscheidungen treffen Kliniken eigenständig. Dem bayerischen Gesundheitsministerium lägen keine Informationen über die Einstellungspraxis vor.