Mahle-Arbeiter beginnen unbefristeten Streik in Neustadt

Die Beschäftigten des Autozulieferers Mahle in Neustadt (Landkreis Kelheim) befinden sich in einem unbefristeten Streik. Die Mitarbeiter des Werks reagieren damit auf die Ankündigung des Managements, den Standort schließen zu wollen.
Diesem Streik vorangegangen waren mehrere Warnstreiks. Nachdem die ohne Wirkung blieben, entschlossen sich 98,4 Prozent der in der IG Metall organisierten Arbeitnehmer zu einem unbefristeten Streik. Er begann am Dienstag um 14.15 Uhr mit dem Ende der Frühschicht. In dem Betrieb mit über 400 Beschäftigten wird deshalb vorerst nichts produziert.
Anlässlich des Streikbeginns fand eine Kundgebung vorm Werkstor statt. Horst Ott, Chef des IG Metall-Bezirks Bayern, rief dabei mehreren Hundert Demonstranten zu: „Hier geht nichts mehr, bis wir ein ordentliches Ergebnis haben.“ Damit meinte er wahlweise einen Zukunftstarifvertrag oder einen Sozialtarifvertrag. Letzterer greift dann, wenn der Betrieb tatsächlich geschlossen wird.
„Wir gehen erst wieder ins Werk, wenn es ein ordentliches Ergebnis gibt“, erklärte Ott. „Dieser Streik ist das letzte Mittel, das wir haben.“
Der Bezirksleiter der IG Metall Bayern stellte fest: „Während hier qualifizierte und motivierte Fachkräfte um ihre Zukunft kämpfen, werden Produktionen aus rein kostengetriebenen Motiven verlagert. Das ist wirtschaftlich kurzsichtig und sozial verantwortungslos.“ Er betont die grundsätzliche Bedeutung des Konflikts: „Dieser Streik geht weit über einen einzelnen Standort hinaus. Wenn profitable Werke hierzulande geschlossen werden, ohne ernsthaft nach Alternativen zu suchen, gerät das Vertrauen in unternehmerische Verantwortung in Deutschland insgesamt ins Wanken.

Rico Irmischer, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Regensburg, betonte: „Wir wollten ernsthaft verhandeln.“ Irmischer sprach von einem „historischen Tag für die IG Metall in Neustadt“. Einen unbefristeten Streik hatte es bisher nicht gegeben. Zuletzt hatte die IG Metall dieses Mittel vor zwei Jahren in Berching angewendet.
„Die Beschäftigten werden den Betrieb so lange stilllegen, bis sich das Unternehmen endlich bewegt“, betonte der Erste Bevollmächtigter der IG Metall Regensburg. „Die Verantwortung für diese Eskalation trägt allein das Management, das seit Wochen ernsthafte Verhandlungen über eine Zukunftsperspektive für den Standort ins Leere laufen lässt.“ Die IG Metall stellte bei der Kundgebung am Werkstor fest, sie habe „umfassende und tragfähige Konzepte vorgelegt, um das wirtschaftlich erfolgreiche Werk in Neustadt langfristig wettbewerbsfähig aufzustellen“. Auch die vierte Verhandlungsrunde am vergangenen Freitag – auf Initiative der IG Metall zustande gekommen – blieb ergebnislos. „Damit hat das Unternehmen seine letzte Chance vertan, den Streik noch abzuwenden“, so Irmischer.
Die IG Metall fordert für die über 400 Beschäftigten am Standort Neustadt einen Zukunftstarifvertrag, der Perspektiven sichert, oder einen Sozialtarifvertrag. In einer Urabstimmung hatten sich Ende vergangener Woche 98,4 Prozent der IG Metall-Mitglieder für einen unbefristeten Streik ausgesprochen. Bereits zuvor hatten mehrere Warnstreiks und ein 24-Stunden-Streik gezeigt, wie hoch die Entschlossenheit der Belegschaft ist.
