E-Scooter-Szenen oder Milchschwammerl als Postkarte: Regensburgerin zeichnet ihre Stadt

Antonia Fieber hat einen besonderen Blick für kleine Alltagsmomente und macht daraus Postkarten. Auch offizielle wie inoffizielle Regensburger Wahrzeichen werden bei ihr zu Motiven – von der Steinernen Brücke bis zum Milchschwammerl. Bald sind ihre Werke auch im lokalen Handel erhältlich.
Eine ältere Dame, die mit dem E-Scooter lässig über den Kohlenmarkt fährt, oder ein auffällig gekleidetes Pärchen, das mit Rauhaardackel beim Hutmacher am Dom vorbeispaziert: Kleine Alltagsbeobachtungen in den Straßen Regensburgs macht Antonia Fieber zu Kunst. Mit Fineliner und Aquarellpinsel zeichnet sie die Momente nach und macht daraus Postkarten.
„Kartenmotive zeichne ich eigentlich schon immer“, sagt die 25-Jährige, die ausgebildete Erzieherin ist und an der OTH Regensburg Soziale Arbeit studiert. „Familie oder Freunde sind regelmäßig auf mich zugekommen, wenn zum Beispiel ein Geburtstag oder eine Hochzeit ansteht. Außerdem kooperiere ich mit einer Band, die bei ihren Auftritten immer eine Karte von mir verschenkt.“
Offizielle und inoffizielle Wahrzeichen der Stadt
Immer häufiger habe es dann Nachfragen gegeben, warum sie ihre Karten nicht auch verkaufe. „Ich habe zuerst gedacht, dass das bestimmt wahnsinnig aufwendig wäre“, erzählt sie. Nachdem sie ihre Ausbildung abgeschlossen hatte, ging sie das Projekt aber an. „Bis ich mit einer eigenen Website loslegen konnte, ist tatsächlich ein halbes Jahr vergangen.“
Seit einigen Wochen ist es nun so weit. Antonia Fiebers Karten gibt es in ihrem Online-Shop (www.heyrengschi.com) zu kaufen. Nicht nur die Dame auf dem E-Scooter, auch Regensburger – offizielle wie inoffizielle – Wahrzeichen haben es auf Papier geschafft: Neben einer Karte, die ein Aquarell der Steinernen Brücke zeigt, gibt es auch eine Postkarte vom Milchschwammerl an der Fürst-Anselm-Allee oder vom „What the Kiosk?“ auf dem Neupfarrplatz. „Ich Glückspilz, weil ich dich hab“, heißt es auf der Schwammerl-Karte. Auf der anderen: „Man sieht sich am Kiosk.“

„Die Milchschwammerl-Karte ist eine der meistverkauften“, sagt Antonia Fieber. Wichtig war ihr, nicht nur die altehrwürdige, denkmalgeschützte Seite der Stadt zu verewigen. „Auch Treffpunkte wie der Kiosk oder das Milchschwammerl machen für mich das Regensburg-Flair aus.“
Aus der Foto-Vorlage wird eine gezeichnete Postkarte
Gebürtige Regensburgerin ist Antonia Fieber zwar nicht. Seit sie 2018 aus Oberfranken hergezogen ist, hat sie sich aber in die Domstadt verliebt. „Für mich ist Regensburg die schönste Stadt auf der ganzen Welt. Wenn ich im Sommer durch die kleinen Gassen laufe oder am Bismarckplatz am Brunnen sitze, brauche ich nicht mehr in den Urlaub zu fliegen.“
Für mich ist Regensburg die schönste Stadt auf der ganzen Welt.Antonia Fieber, Postkarten-Malerin
Dass sie dabei einen Blick für die Menschen um sich herum hat, kommt ihr für die Postkarten zugute. „Manchmal fallen mir dann eben kleine Situationen auf – zum Beispiel eine Frau, die total stylisch angezogen war. Da dachte ich mir: Mein Gott, sieht die schön aus. Das muss ich irgendwie festhalten.“
Nicht alle ihrer Motive schaffen es in den Druck und damit in den Online-Shop. Eine größere Auswahl ihrer Zeichnungen zeigt Antonia Fieber aber unter „HeyRengschi“ auf ihrem Instagram-Kanal. Neben den fertigen Motiven auf Papier ist dort immer auch die von ihr aufgenommene Foto-Vorlage zu sehen. „Eine Frau hat mir sogar schon geschrieben, dass sie sich auf dem Bild wiedererkannt hat“, sagt sie. „Ich habe ihr dann die Zeichnung geschickt.“
Bald gibt es die Karten auch in der Regensburger Altstadt zu kaufen
Normalerweise aber würden ihre Modelle anonym bleiben. „Mir ist wichtig, dass man die Menschen auf den Fotos nicht erkennt. Sie wissen ja nicht, dass ich sie male.“ Für die Zukunft könnte sie sich aber vorstellen, Leute direkt zu fragen, ob sie sie fotografieren und zeichnen darf. „Auch wenn mich das ein bisschen Überwindung kosten würde.“
Zusätzlich zeichnet Antonia Fieber auch personalisierte Karten auf Bestellung – wie früher schon für Freunde und Familie. „Das läuft gerade richtig gut, weil es etwas so Individuelles ist.“ Doch auch die Postkarten mit Regensburg-Motiven sind gefragt. Demnächst werden sie in der Papeterie Schau hi in der Wahlenstraße erhältlich sein – und auch auf dem DillyDally Designmarkt im Herbst wird Antonia Fieber ihre Werke verkaufen. „Außerdem befülle ich im August den Kunstautomaten im Degginger. Dort gibt es dann meine Karten in Miniversion.“