Statistik belegt erneut hohe Sicherheit im Städtedreieck – aber es gibt „Baustellen“

Von Thomas Rieke · 20. Mai 2026 um 19:00

Bayern ist das sicherste Bundesland der Republik, die Oberpfalz einer der sichersten Bezirke des Freistaats, der Landkreis Schwandorf darin eine der sichersten Regionen. Doch am sichersten lebt es sich im Städtedreieck. Das ist die Kernbotschaft des diesjährigen Sicherheitsgesprächs der Polizei Burglengenfeld. Trotzdem ist man auch hier noch ein Stück von der heilen Welt entfernt.

Im Rahmen des Gesprächs, das heuer im Teublitzer Rathaus stattfand, legten Polizeichef Franz Wenig, sein Stellvertreter Christian Allgeier sowie der Verkehrsexperte der Dienststelle, Stefan Hannig, umfangreiches Material vor. Demnach ist die Zahl der Straftaten in 2025 erneut leicht gesunken, und zwar von 937 auf 898 Delikte. Das bedeutet ein Minus von 4,2 Prozent und ist im zehn-Jahres-Vergleich nach dem noch von Corona geprägten Jahr 2021 das zweitbeste Ergebnis.

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Ein Blick auf einige ausgewählte Deliktgruppen: Die Zahl der Diebstähle ist allgemein rückläufig, auch die der schweren. Die Zahl der Wohnungseinbrüche hat sich halbiert. Auch im Bereich der Gewaltkriminalität, womit vorwiegend gefährliche und schwere Körperverletzungen gemeint sind, gab es eine Abnahme. Die Aufklärungsquote blieb gleichzeitig auf überdurchschnittlich hohem Niveau. Zum dritten Mal in Folge lag sie bei rund 75 Prozent.

Kluft zwischen Faktenlage und Wahrnehmung

Weshalb sich trotzdem nicht wenige Zeitgenossen auch im Städtedreieck eher unsicher fühlen? Dienststellenleiter Wenig hat dafür mehrere Erklärungen. Dass die „objektiv nachvollziehbare Lage“ und das „subjektive Gefühl“ voneinander abwichen, sei nichts Ungewöhnliches – leider. Außerdem möge man bedenken, welche Fülle von Informationen täglich, rund um die Uhr, von sozialen Medien und Kommunikationsplattformen auf jeden einzelnen einprassle. Oft würden die Mitteilungen in ungefilterter und schlecht recherchierter Form aufgenommen. Das beeinflusse das Denken und auch die Gefühlswelt der Menschen.

Dass es sich im Städtedreieck und darüber hinaus (...) noch sicherer lebt, ist nicht der alleinige Verdienst der Polizei. Unsere Bürger schauen nicht weg, sondern hin und liefern so in vielen Fällen wichtige Ansatzpunkte, ohne die es nicht gelingen würde, den Täter zu ermitteln.Franz Wenig, Erster Polizeihauptkommissar

Eine Rolle könnte auch die Entwicklung auf dem Feld der Kriminalität im Netz spielen. Laut Wenig vergeht kein Tag, ohne dass in seiner Dienststelle zwei, drei Internet-Straftaten zur Anzeige gebracht würden. Zwar liege noch keine belastbare Statistik dafür vor, aber es entspreche der Erfahrung der Polizei, dass es mittlerweile wahrscheinlicher sei, Opfer eines Betrugs im Netz zu werden, als im persönlichen Umgang mit natürlichen Personen.

Ermittlungen im Bereich der Cyberkriminalität sind für die Polizei eine große Herausforderung. Bayern baut deshalb ein Netz zusätzlicher Dienststellen auf. - Foto: Guido Kirchner, dpa

Die Ermittlungen in diesem Bereich seien mit einem hohen Aufwand an Personal und Kosten verbunden, bestätigte Wenig. Doch das Problem sei erkannt, und in Bayern werde dem Phänomen durch eine zentralisierte Abarbeitung bestimmter Fall-Konstellationen begegnet. Dazu würden spezielle Dienststellen geschaffen. Im Bereich des Polizeipräsidiums Oberpfalz sei dies in Schwandorf bereits geschehen. Die Dienststelle habe im Februar ihre Arbeit aufgenommen. Für die PI Burglengenfeld sei schon heute eine Entlastung spürbar.

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Andererseits sieht der Polizeichef auch die Bürger selbst in der Pflicht. Aus der „erschreckenden Entwicklung der Fallzahlen im Bereich der Internetbetrügereien“ zieht Wenig den Schluss, dass dubiose Angebote allzu fahrlässig genutzt werden. Viele Bürger ließen sich leichtsinnig von scheinbar günstigen Schnäppchen locken, sagte er. Dieses Verhalten spiele aber den skrupellosen Tätern voll in die Karten. Wenig mahnte zu besonderer Vorsicht. Gesundes Misstrauen sei gerade bei Geschäften im Internet ein guter Berater.

Immer weniger Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz

Ebenfalls ein Kapitel für sich ist regelmäßig die Rauschgiftkriminalität. In früheren Jahren hatten insbesondere „allgemeine Verstöße“ gegen das Betäubungsmittelgesetz, aber auch illegaler Handel und Schmuggel für Fallzahlen gesorgt, die in der Summe den dreistelligen Bereich knackten. Begründet wurde dies unter anderem mit dem hohen Kontrolldruck durch die Polizei. Wo man genau hinschaue, werde man eben auch häufiger fündig, hieß es.

2024 aber brachen die Zahlen von 140 auf 51 ein, und 2025 gingen sie weiter auf 33 zurück. Zwicken die Ordnungshüter plötzlich alle Augen zu? Oder gibt es tatsächlich deutlich weniger Drogenkonsumenten?

Cannabis: Der Polizei sind oft die Hände gebunden

Mitnichten. Dienststellenleiter Wenig stellte erneut klar, dass die Entwicklung einzig auf die veränderte Gesetzeslage zurückzuführen sei. Durch die Teillegalisierung von Cannabis erschienen viele der von seinen Kollegen festgestellten Sachverhalte nicht mehr in der Kriminalitätsstatistik. In der Folge begründe etwa das Auffinden einer erlaubten Menge Cannabis in den meisten Fällen keinen weiteren Verdacht. Weitere Maßnahmen durch die Polizei blieben somit aus und Verteilerstrukturen unberührt.

Von Anfang an hatte Wenig keinen Hehl daraus gemacht, dass er die Gesetzesänderung für einen Fehler hält. Die Menge Cannabis, die man mit sich führen dürfe, sei zu groß, der Grenzwert für den Wirkstoff THC im Blut zu hoch angesiedelt. Dabei sei Cannabis unbestritten eine klassische Einstiegsdroge.

Für umso wichtiger hält der Beamte Präventionsmaßnahmen. Er und seine Kollegen würden nicht müde, insbesondere Jugendliche über die Folgen von Rauschgiftkonsum aufzuklären. Überhaupt wolle man sich auf den Erfolgen der vergangenen Jahre nicht ausruhen. Wenig wörtlich: „Wir lassen in unseren Anstrengungen nicht nach.“