Neunburger Traditionsmetzgerei macht Schluss – Pension läuft aber weiter

Vor vier Jahren konnten Maria und Nikolaus Baumgärtner noch das 115-jährige Bestehen ihrer Metzgerei in Neunburg (Landkreis Schwandorf) feiern. Nun haben sie ihren Betrieb geschlossen. Aber einen kleinen Teil führen sie fort.
Im Schaufenster der Metzgerei hängt ein DIN-A4-großer Aushang, auf dem die Baumgärtners über die Schließung ihres Ladens informieren. Bei ihren Kunden bedanken sie sich für 39 Jahre Treue. So lange haben sie den traditionsreichen Betrieb geleitet. Die Metzgerei gibt es aber schon deutlich länger.
Der Großvater von Nikolaus Baumgärtner, Franz Baumgärtner, hatte sie 1907 gegründet. Da es seinerzeit mehrere Baumgärtner-Metzgereien gab, wurde der Betrieb zur besseren Unterscheidung kurzerhand Sankt Jakobs Brauerei genannt. Die Wahl des Namens erfolgte aufgrund der in der Nähe gelegenen Jakobskirche. So wussten die Neunburger sofort, um welche Baumgärtner-Metzgerei es sich handelte. Die Bezeichnung St. Jakobs Brauerei passte auch deshalb, weil mit der Metzgerei eine Brauerei mit Schankbetrieb verbunden war.
Als jüngster Sohn übernahm Nikolaus Baumgärtner die Metzgerei in den 1980er Jahren
Franz Baumgärtner Junior führte die Metzgerei samt Gasthaus später fort. Die eigene Brauerei war bereits Ende der 1960er Jahre geschlossen worden. In den späten 1980er Jahren übernahm dann mit Sohn Nikolaus die dritte Generation. Als ihm die Leitung des Familienbetriebes übergeben wurde, war der Neunburger gerade mal Mitte 20. Als jüngster Spross musste er die Metzgerei-Tradition fortführen.

Fast vier Jahrzehnte hat er den Betrieb mit seiner Frau Maria geleitet. Doch nun ist Schluss. „Es wären jetzt größere Investitionen notwendig gewesen“, erklärt Maria Baumgärtner die Entscheidung. In ihrem Alter – Nikolaus Baumgärtner wird bald 64 – wollten sie diese Summen nicht mehr in den Betrieb stecken. Mit den bisherigen Maschinen habe man nicht mehr weiterarbeiten können, deshalb habe man jetzt entscheiden müssen. Und so entschlossen sich die Baumgärtners, den Laden in der Neunburger Vorstadt dicht zu machen.
Einen Nachfolger gab es nicht. „Unsere Kinder haben alle andere Berufe“, sagt Maria Baumgärtner. Feste Mitarbeiter, die den Betrieb vielleicht hätten weiterführen können, gab es auch nicht. Und so endete nach 119 Jahren die Metzgerei-Tradition. 2022 hatten die Baumgärtners noch das Goldene Ehrenblatt der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz erhalten. Die Räumlichkeiten werden nun leerstehen – Familie Baumgärtner hat bislang keine Pläne für eine andere Nutzung.

Eine ältere Neunburgerin meinte am Montag beim Vorbeigehen verwundert: „Das habe ich gar nicht gewusst, dass sie geschlossen haben.“ Vor allem Senioren haben das Mittagstisch-Angebot gern genutzt. An der heißen Theke gab es beispielsweise Hähnchenkeulen oder Rippchen oder einen großen Leberkäse.
Pension läuft uneingeschränkt weiter
So ganz verschwindet das Angebot nicht. Das Gasthaus wird künftig noch jeden Freitag von 8 bis 18 Uhr öffnen, ab 10.30 Uhr wird dann auch immer ein Mittagstisch angeboten. Wie gewohnt soll es Fischfilet mit Beilagen und Apfelstrudel geben. An den anderen Wochentagen können auswärtige Gäste auf Vorbestellung in der Gastwirtschaft St. Jakobs Brauerei frühstücken.
Ganz ohne Einschränkungen wollen die Baumgärtners ihre kleine Pension mit den zwei Doppel- und zwei Einzelzimmern weiterbetreiben – auch wegen der zahlreichen Stammgäste, die gern bei ihnen übernachten. Für die Übernachtungsgäste werde es natürlich auch weiterhin eine tägliche Verpflegung geben, erklärt Maria Baumgärtner.
Ebenfalls erhalten bleiben soll die Jakobi-Kirchweih, die stets im Juli im Anschluss an das Patrozinium in der Jakobskirche in der St. Jakobs Brauerei stattfindet.
Vor sechs Jahren – Ende September 2020 – wurde auch schon die traditionsreiche Metzgerei von Armin Baumgärtner in der Neunburger Hauptstraße geschlossen. Von den ehemals zahlreichen Baumgärtner-Metzgereien in Neunburg ist damit nun keine einzige mehr übrig.