Farben, Fahnen und Blasmusik: Klingendes Cham verwandelt Stadt in große Festmeile

Von kleinen Momenten, in denen man spürt, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, spricht Bürgermeister Martin Stoiber in seinem Grußwort zum Volksfest. Als solche Höhepunkte erwiesen sich wieder einmal die musikalischen Darbietungen am Festsonntag im Zuge des 58. Internationalen Musikfestes „Klingendes Cham“, das auf bewährte Weise von Reinhard Lesinski organisiert wurde.
So gestalteten fünf verschiedene Blasmusikkapellen die Gottesdienste in St. Jakob, St. Josef, in der Klosterkirche, in Chammünster und in Windischbergerdorf. Ab 13 Uhr stand dann bei sonnigem Wetter der traditionelle Festzug auf dem Programm, der sich dieses Jahr etwas verkürzt durch die von etlichen Tausenden Zuschauern gesäumte Stadt bewegte: die Lebensfreude spüren, den Augenblick genießen, Begegnung erleben.
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Über 40 Gruppen nahmen in der Ludwigstraße Aufstellung, um dann über den Steinmarkt, die Hafnerstraße, den Spitalplatz, Brunnendorf und die Further Straße mit den Fahnen auf den Festplatz zu marschieren, wo sich Ehrengast Hubert Aiwanger, bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, dem Zug anschloss und nach der Begrüßung seine Festrede hielt, ehe alle Musikgruppen als gemeinsame Melodie den Marsch „In Harmonie vereint“ anstimmten.
Kolpingmusik führt traditionell Festzug an
Wie jedes Jahr eröffnete die Kolpingmusik Cham unter Leitung von Anton Lautenschlager den Festumzug. Ihr folgten heuer fröhlich mit Fähnchen „Servus in Cham“ winkende Kinder der Chamer Grundschule mit ihren Lehrkräften und auf dem Akkordeon begleiteten Liedern. „Klingendes Cham“ vereint Blasmusik und Spielmannszüge, Trachten- und Schützenvereine in einem großen Umzug.

Bunte Kleidung, Dirndln und Janker, Uniformen und Trachten prägten das Bild der Teilnehmer. Das Musikfest ist der feierliche Abschluss des Volksfestes. Zum einen sorgten die neun Spielmannszüge und Fanfarencorps aus den Landkreisen Cham (Grenzfähnlein Furth im Wald in Uniformen des 17. Jahrhunderts und der Trenck-Fanfarenzug Waldmünchen), Neustadt a. d. Waldnaab (Kolping-Fanfarengruppe Tännesberg), Regen (Zellertalspielmannszug Arnbruck, Spielmannszug Teisnach und Stadtspielmannszug Viechtach mit seinen Fahnenwerfern), Rottal-Inn (Spielmannszug Eggenfelden), Schwandorf (Kolpingspielmannszug Oberviechtach) und das Freie Fanfarencorps Straubing mit ihren Trommeln und Flöten für flotte Marschmusik. Zum anderen lockerten die Blaskapellen Kolpingmusik Cham, Musikverein Dachelhofen, Blasorchester Furth im Wald und die Stamsrieder Blasmusik das Geschehen mit volkstümlichen Weisen auf.
Die Bezeichnung „international“ gebührt dem Festzug durch das wiederholte beeindruckende Mitgestalten von Musikgruppen aus dem Nachbarland Tschechien mit den Blaskapellen Hájenka aus Mrakov, Soloracky aus Sušice sowie Horalka und den Feierabendmusikanten aus Domažlice in ihren chotischen Trachten.

Gleich drei Jubelvereine wiesen mit ihrer Teilnahme auf ihre Feste hin. Vom 29. bis 31. Mai feiert der Schützenverein Edelweiß Radling sein Fest zum 100-jährigen Bestehen, unterstützt vom Patenverein D'Hofmarkschützen Loifling. Die FFW Traitsching begeht mit ihren Patenvereinen aus Loifling und Sattelpeilnstein vom 2. bis 6. Juli ihr 150. Jubiläum. Zu einem solchen lädt auch die FFW Hof (zusammen mit dem Patenverein Haderstadl und dem Ehrenpatenverein Chameregg) vom 16. bis 20. Juli ein. Unter die Festzugsteilnehmer mischte sich eine Reihe von Ehrengästen, darunter Bürgermeister Stoiber, Landrat Schindler mit Frau Laura und MdL Dr. Hopp.
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Schützenvereine leben die kulturelle Tradition seit Jahrhunderten. Mit ihrer Beteiligung zeigen sie Gemeinschaft und repräsentieren sich in der Öffentlichkeit. Neben den Radlingern und Loiflingern wirkten der Schützenverein Cham-West, die Haidbachschützen Janahof, die Talschützen Katzbach, die Bergschützen Katzberg, die Fröhlichen Bergschützen Kolmberg, die Höllbachtaler Rettenbach, die Schloßschützen Waffenbrunn und die Adler Willmering mit.
Vereine zeigen Identität und Tradition
Ebenso waren Trachtenvereine dabei, auch um Identität und Tradition zu zeigen und zu bewahren: jene aus Blaibach, D'Grenzlandbuam Cham, die Chambtaler aus Runding, die Buchbergler aus Windischbergerdorf und Bayerwald Waffenbrunn mit einer Kutsche. Traditionell macht auch der Kulturverein Waldschmidthaus Eschlkam mit, diesmal mit einer Zweispänner-Pferdekutsche. Weitere Besonderheiten waren der ASV Cham, stark vertreten mit dem Präsidium, Abteilungsleitern und einer Jugendgruppe, deren Sportler Handstand und Rad vorführten, eine große Abordnung des SV Obertrübenbach, dessen Formationen Rock Banditos und die Girlsgruppe Let's do it im November 2025 Deutsche Meister im Rock'n'Roll geworden waren, und die Mittelalterfreunde Wilder Hauffen Furth im Wald in historischen Gewändern.

Gut zu wissen: Schon in den 1950ern begleiteten lokale Blaskapellen das 1949 wiederbelebte Chamer Volksfest. In den 1960ern begann man, die musikalischen Beiträge mit Kapellen aus Cham und dem Landkreis zu bündeln und als Musikfest zu bezeichnen. Ab den 1970ern kamen auch Kapellen aus Tschechien und Österreich hinzu. Der Festzug durch die Innenstadt wurde zum Markenzeichen, das Musikfest zum offiziellen Abschluss des Volksfestes. Daraus entwickelte sich eine feste Programmstruktur.



