Wasserrohrbrüche in Burglengenfeld: Eine Folge des härteren Winters?

In welchem Zustand befindet sich das Wassernetz der Stadt Burglengenfeld (Landkreis Schwandorf)? Zu dieser Frage gibt es seit Jahren unterschiedliche Meinungen. Während die Stadtwerke (SWB) regelmäßig betonen, sie kämen ihrer Unterhaltspflicht sehr wohl nach, wird Hans-Edmund Glatzl, Bürgerforum (BFB), nicht müde, das Gegenteil zu behaupten. So auch jetzt wieder.
Der BFB-Stadtrat hat in den zurückliegenden Wochen mehrfach beobachtet, dass Straßen ganz oder teilweise gesperrt werden mussten, weil Rohrbrüche aufgetreten waren. So auch kürzlich im Bereich zwischen Maxhütter und Regensburger Straße. Konkret in Augenschein nahmen Glatzl und seine künftige Mitstreiterin im Stadtrat, Christine Kammerl, die Baustelle im Buchenweg.
Schon Wochen zuvor hatte der BFB-Rat bei der Verwaltung nachgebohrt, wie es um das Wassernetz allgemein bestellt sei. Die Antworten, die SWB-Vorstand Johannes Ortner im April lieferte, sind nach Auffassung des Fragestellers „besorgniserregend und ökonomisch bestürzend“.
Wie kommt Glatzl zu dieser Einschätzung? Ortner teilte mit, dass der Wasserverlust im vergangenen Jahr auf 19 Prozent gestiegen sei; das entspreche rund 177 000 Kubikmetern. Zum Vergleich: 2021 war der Verlust auf sechs Prozent gesunken. Landesweit liegt die Quote nach Angaben der zuständigen Behörde bei etwas über zehn Prozent.
Ortner sieht keinen Trend, sondern eine „Schwankung“
Ortner hatte die erfreuliche Entwicklung in Burglengenfeld bis 2021 auf Investitionen zurückgeführt, die noch sein Vorgänger, Friedrich Gluth, in die Wege geleitet hatte. Dass die neuesten Zahlen eine besorgniserregende Trendumkehr belegen würden, bestreitet er. Von einem „Trend“ könne man nicht sprechen, teilte er mit. Dazu sei der ins Auge gefasste Zeitrahmen zu klein. Noch habe man es mit einer nie ganz auszuschließenden Schwankung zu tun.
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Was der SWB-Vorstand aber bestätigte, ist eine Häufung der Rohrbrüche. Diese ist seinen Worten zufolge auf den vergangenen Winter zurückzuführen, in dem es längere Frostperioden gegeben habe. Alarmierend sei die Lage aber, anders als von Glatzl dargestellt, trotzdem nicht, betonte Ortner gegenüber der Redaktion. Bei den meisten Maßnahmen, die die SWB-Arbeiter in den zurückliegenden Monaten durchgeführt hätten, habe es sich um Schieber-Wechsel oder geplante Reparaturen gehandelt; „echte“ Rohrbrüche seien seit September 2025 „nur“ sechs aufgetreten.
Das gesamte Netz ist rund 100 Kilometer lang
Im Übrigen verweist der Stadtwerke-Vorstand auf die Tatsache, dass das Netz, für das das Kommunalunternehmen zuständig sei, rund 100 Kilometer lang sei. Das mache kontinuierliche Sanierungen und Instandsetzungen erforderlich. Um gezielt vorgehen zu können, habe man sich zuletzt verstärkt um Leckortungen bemüht. Als positives Beispiel hebt Ortner die Kallmünzer Straße hervor, wo die Überprüfung aufgrund der Verkehrsbelastung besonders schwierig gewesen sei. Trotzdem sei es gelungen, ein größeres Leck ausfindig zu machen – und zu beheben.
Doch welche Kosten entstehen durch die Reparaturen – und wer trägt sie? Laut Ortner beliefen sich die Ausgaben 2024 auf rund 290 000 Euro. Die vorläufigen Zahlen für 2025 bezifferte er auf rund 337 000 Euro, und für heuer seien Ausgaben in Höhe von rund 104 000 Euro angefallen. Die Gegenmaßnahmen machten sich bereits bemerkbar.
2027 wird der Wasserpreis neu „angepasst“
Bezüglich der Kostenverteilung verwies Ortner erneut auf die Mustersatzung für bayerische Städte und Gemeinden. Demnach werden Reparaturen im öffentlichen Straßengrund von den SWB getragen, fließen aber am Ende in die Gebührenkalkulation und Grundstücks-Anschlusskosten ein. Letztere sowie Reparaturen auf Privatgrund trägt der Grundstückseigentümer direkt.
Bezüglich der Gebühren kündigte Ortner eine Neuberechnung an. Der aktuelle Zyklus ende nämlich im Dezember. Es sei absehbar, dass 2027 eine „Anpassung“ erfolgen müsse; diese sei aber nicht auf die Rohrbrüche zurückzuführen, sondern auf „allgemeine Kostensteigerungen“ im Tiefbau.

Somit sehen sich Glatzl und Kammerl unterm Strich doch bestätigt, dass am Ende die Straßenanlieger zur Kasse gebeten werden. Kritik übt Glatzl in diesem Zusammenhang auch an seinen Ratskollegen, zumindest jenen, die bis Ende Mai aktiv waren. Sie hätten auch in ihrer letzten Sitzung zwei Satzungsänderungen der SWB einfach „durchgewunken“ und damit „ökologische wie ökonomische Gleichgültigkeit bewiesen“.
Glatzl hält die Ratskollegen für zu unkritisch
Damit dürfte sich die BFB-Fraktion wenig Freunde gemacht haben, denn die erwähnten Änderungen hatten mit dem Thema Wasserverluste nichts zu tun. Laut Verwaltung waren sie vielmehr eine Reaktion auf zwei Urteile des Verwaltungsgerichtshofs und sollen im Ergebnis für Eigentümer größerer Grundstücke sogar Vorteile bringen. In unbeplanten Gebieten wurde die beitragspflichtige Grundstücksfläche nämlich begrenzt.
Ich hoffe, dass unter Bürgermeister Martin Antretter das vorhandene Sanierungskonzept konsequent umgesetzt wird.Hans-Edmund Glatzl
Für Glatzl sind die in Aussicht gestellten positiven Effekte indes nicht erwiesen. Zu einer Klärung des Sachverhalts sei es mangels Diskussion gar nicht erst gekommen. Wie auch immer: Zusammen mit der neu gewählten Ratskollegin Kammerl hofft der BFB-Sprecher, dass das Stadtratsgremium künftig über Parteigrenzen hinweg „offen und konstruktiv“ zusammenarbeitet, um die Probleme rund um das Wassernetz zu lösen. Vom neuen Rathauschef Martin Antretter (SPD) wünscht er sich eine „konsequente Umsetzung“ des bereits 2014 beschlossenen Sanierungskonzepts.
Laut Ortner ist der Plan der Stadt eng mit den SWB abgestimmt. Werde aber besonderer Handlungsbedarf erkannt, würden die Stadtwerke unabhängig davon aktiv. Die erwähnte Eichenstraße sei ein gutes Beispiel dafür. Ansonsten sehe die Agenda heuer Maßnahmen in der Max-Schulze-Straße, im oberen Teil der Pestalozzistraße und in der Dr. Schott-Straße vor. Die Ausschreibungen dafür würden gerade vorbereitet oder seien bereits im Gange.