Wassernetz Burglengenfeld: Sprudelnde Antworten auf drängende Fragen

Von Thomas Rieke · 17. März 2023 um 05:00

Zweimal binnen weniger Wochen, so berichtet Hans-Edmund Glatzl, musste der Bautrupp der Stadtwerke (SWB) anrücken, um im Wohngebiet Am Neubruch Rohrbrüche zu beheben. Für den BFB-Stadtrat war dies erneut Anlass, die Verwaltung mit Fragen zum Leitungsnetz zu löchern, das er persönlich für marode hält.

Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) und seine engsten Mitarbeiter in der Verwaltung wussten in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses spontan keine Antwort und verwiesen auf die Zuständigkeit der SWB.

Stadtwerke-Vorstand Johannes Ortner hattezuletzt im Januar 2022, ebenfalls aus aktuellem Anlass, ausführlich zu dem Themenkomplex Stellung bezogen.Sein Urteil zum rund 100 Kilometer langen Leitungssystem: Der Zustand sei besser als sein Ruf. Die Investitionen, die 2017, also noch unter der Regie von Friedrich Gluth, in die Wege geleitet worden seien, machten sich bezahlt.

Stadtwerke-Boss spricht von „üblichem“ Unterhalt

2021 war der Wasserverlust, der sechs Jahre zuvor auf fast 20 Prozent angeschwollen war, auf sechs Prozent gesunken, berichtete Ortner. Dieses vergleichsweise erfreuliche Niveau sei auch 2022 gehalten worden. Bei einer Fördermenge von knapp 808.000 Kubikmetern seien „nur“ 48.425 verloren gegangen. Allgemein würden bis zu 14 Prozent Verlust als gerade noch hinnehmbar gelten.

Von einer Häufung von Schadensfällen, wie von Glatzl vermutet, könne auf jeden Fall keine Rede sein, betonte Ortner. Der Umfang der Unterhaltsmaßnahmen halte sich im „üblichen Rahmen“. Tendenziell müssten ältere Leitungen logischerweise häufiger repariert werden als jüngere. Das Netz sei in Zonen unterteilt und werde ständig überwacht.

„Wir sind auf einem guten Stand“, resümierte Ortner. Zahlen seien aber nicht Alles. Die Erneuerung des Netzes sei eine ständige und in Burglengenfeld verstetigte Aufgabe, die es fortzusetzen gelte. Die vorgelegten Daten würden beweisen, „dass die Herangehensweise die Richtige war und ist“.

Was rein theoretisch möglich wäre

Hielte der Trend der vergangenen Jahre an, dürfte es in 2028 gar keine Rohrbrüche mehr geben, was in der Folge kostenfreies Trinkwasser bedeuten würde. Ortner weiß, dass dies reine Theorie ist. In der Praxis müssten die SWB ständig am Ball bleiben, um das aktuelle Level halten zu können, räumte er ein.

Im vergangenen Jahr seien vorsorglich vermehrt Wasserschieber gewechselt worden. Im Wesentlichen orientierten sich die Stadtwerke bei ihrem Vorgehen am Straßensanierungsplan der Stadt. Denn: Sei es nötig, eine Straße zu erneuern, gebe es in der Regel auch Handlungsbedarf bei den Leitungen. Falls nötig, würden die Stadtwerke auch früher aktiv.

Was die Kosten angeht, so verwies Ortner auf die Mustersatzung für bayerische Städte und Gemeinden: Reparaturkosten im öffentlichen Straßengrund werden demnach von den SWB getragen, fließen aber am Ende in die Gebührenkalkulation und Grundstücksanschlusskosten ein. Letztere sowie Reparaturen auf Privatgrund trägt der Grundstückseigentümer direkt.

Was brachte der Farbstofftest im Karstgebiet?

Mit seinen Fragen zum Wassernetz ließ es BFB-Rat Glatzl freilich nicht bewenden.Er erinnerte auch an den sogenannten Tracerversuch, mit dem nachgewiesen werden sollte, ob im Schutzgebiet nahe dem neuen Baumarkt ein erhöhtes Risiko für das Trinkwasser besteht. Im Sommer 2020 war bei Arbeiten an der Umgehungsstraßeeine Höhle (Zwicknagelschacht) entdeckt worden.Für Fachleute war das keine Sensation, denn das Gestein im Jurakarst ist häufig stark zerklüftet. Was sich aber als Aufgabe aufdrängte, war zu ergründen, wie schnell sich eindringendes Wasser seinen Weg bahnen würde. Niederschläge könnten ja auch unerwünschte Stoffe wie Pflanzenschutzmittel transportieren. Hydrogeologen wollten Klarheit schaffen, indem sie 2021 Wasser einbrachten, das sie mit Farbstoff versetzt hatten.

Sachverständige nehmen weitere Messungen vor

Doch auf ein Ergebnis warten die Bürger bis heute, reklamierte nun Hans-Edmund Glatzl. Ortner erklärte dazu, das Sachverständigen-Büro, mit dem die SWB in diesem Fall zusammenarbeiteten, habe sich veranlasst gesehen, weitere Messungen durchzuführen. Diese dauerten noch an. Die Ergebnisse gäben die Experten erst an die Stadtwerke weiter, wenn eine abschließende Auswertung und Interpretation erfolgt sei. Die Bürger müssten sich aber keine großen Sorgen machen, versicherte Ortner. Nach derzeitigem Stand existiere „kein unmittelbarer Handlungsbedarf“.