Mitarbeiter geben nicht klein bei – Urabstimmung über unbefristeten Streik bei Mahle in Neustadt

Von Jochen Dannenberg · 13. Mai 2026 um 16:30

Der Autozulieferer Mahle will sein Werk in Neustadt im Landkreis Kelheim schließen. 350 fest angestellte Mitarbeiter werden damit ihren Arbeitsplatz verlieren. Eine Reaktion ist ihr 24-Stunden-Streik.

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Auf dem Werksgelände von Mahle in Neustadt herrscht an diesem Mittwochvormittag eine fast schon gespenstische Ruhe. Keine Mitarbeiter sind zu sehen, keine Lkw oder Gabelstapler fahren umher. Die Werkstore sind geschlossen. Stattdessen haben sich Mitarbeiter an allen Eingängen zum Werksgelände positioniert. Seit Dienstagnachmittag passen sie auf, dass niemand ins Werk gelangt oder Waren abgeholt werden. Mehrere Lastzüge parken derweil vorm Werk. Sie werden nicht abgefertigt.

„Die Nacht ist ruhig gewesen. Es gab keine Vorfälle“, sagt Rico Irmischer, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Regensburg, am nächsten Morgen. „Alle unsere Streikposten waren besetzt. Alle vier Stunden wurden die Posten ausgewechselt.“ Jeweils mehrere Dutzend Mitarbeiter waren im Einsatz.

Die Nacht war kalt. Gegen die Kälte gab es Lagerfeuer und Kaffee. Außerdem wurde gegrillt und am gewerkschaftseigenen Imbisswagen waren sogar Semmeln mit heißen Würstchen vorrätig. Sogar mitten in der Nacht, um 1.30 Uhr, sagt Irmischer, wurde gegrillt. „Die Kollegen und Kolleginnen sind in Anbetracht der Nachricht von der Schließung des Werks gut drauf. Sie sind kämpferisch.“

Immer wieder Warnstreiks im Neustädter Werk

Das haben die Mitarbeiter des Neustädter Autozulieferers auch in der Vergangenheit bewiesen. Immer wieder kam es bei Tarifauseinandersetzungen zu Warnstreiks. Die Nachricht von der Schließung hat sich in Windeseile in der Region verbreitet. Etliche Lkw- und Autofahrer, die auf der B299 am Werk vorbeifahren, hupen und winken den Streikenden zu.

Möglicherweise hat das auch damit zu tun, dass ein 24-Stunden-Streik selbst für die große IG Metall kein beliebiger Streik ist. Normalerweise greift die Gewerkschaft nur bei Flächentarifauseinandersetzungen zu diesem Mittel. Bei Auseinandersetzungen mit einem einzelnen Betrieb ist es selten. Zuletzt wurde es im Bereich der IG Metall-Geschäftsstelle Regensburg 2024 beim Elektromotorbauer Schabmüller in Berching angewendet. Aus Sicht der Gewerkschaft war der Streik in Berching ein Erfolg. Jetzt setzt die IG Metall auf dieses Mittel in Neustadt.

Die Streikposten waren rund ums Werk verteilt, alle Eingänge und Zufahrten wurden bewacht. - Foto: Jochen Dannenberg

Ob sie damit erfolgreich sein wird, ist nicht klar. Rico Irmischer meint, eventuell werde es schon bald eine Lösung für das Mahle-Werk geben. „In der Informationsversammlung am Dienstag wurde eine schnelle Lösung versprochen. Der Ball liegt jetzt beim Management“, sagte Irmischer und forderte das Management auf, die Schließungsentscheidung zurückzunehmen.

In einer ersten Reaktion auf den Streik teilte eine Mahle-Unternehmenssprecherin mit: „Wir wissen, dass die Entscheidung, das Werk zu schließen, für die Beschäftigten und den Standort mit großen Belastungen verbunden ist. Mahle ist sich dieser Verantwortung bewusst und wird nun die notwendigen Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern zum Interessenausgleich und Sozialplan kurzfristig aufnehmen.“

„Der Betrieb kann nicht für lau geschlossen werden“

Zur Entwicklung bei Mahle im Werk Neustadt teilte Bürgermermeister Thomas Memmel mit: „Ich habe großen Respekt vor dem Rückgrat, das die Mitarbeiter gerade in dieser Situation beweisen. Das finde ich bemerkenswert, wie die Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze kämpfen – und das nach all den Monaten der Unsicherheit.“ Der Neustädter Betriebsratsvorsitzende Christian Neumeier stellte fest, er sei „absolut stolz“ auf das, was die Mitarbeiter mit ihrem Streik geleistet hätten.

Olga Redda, 2. Bevollmächtigte der IG Metall Regensburg, kündigte bei der Abschlusskundgebung des Streiks am Mittwochmittag harte Verhandlungen an. „Wir müssen dem Management beibringen, dass der Betrieb nicht für lau geschlossen werden kann“, rief sie den Streikenden zu. „Wir wollen, dass es eine faire Abfindung gibt.“

Der Streik ging am Mittwoch pünktlich zu Ende. Die Auseinandersetzung geht weiter. Für nächste Woche kündigte die Gewerkschaft eine Urabstimmung über einen unbefristeten Streik an. Die Urabstimmung soll am Mittwoch und Donnerstag stattfinden. Der Streik könnte nach Auszählung der Stimmen beginnen.

Sie mussten warten: Auch die Abfertigung der Lkw wurde durch den Streik unterbrochen. - Foto: Jochen Dannenberg