„Regensburgs Bäume haben Stress“: Wie hält man eigentlich alle 89.000 von ihnen am Leben?

Von Johannes Krenner · 12. Mai 2026 um 11:00

Das Jahr der Stadtgärtnerei in Regensburg ist durchgetaktet, jeden Monat stehen andere Maßnahmen auf dem Plan: die Blumen-Aussaat, die Neupflanzung von jährlich bis zu 400 Bäumen und natürlich die Pflege von all dem Grün. Doch worauf achten die Experten? Und kann man dabei Rücksicht auf Allergiker nehmen? Ein Einblick in die Arbeit der Schützer der Regensburger Natur.

Gelbe Stiefmütterchen, rot-violette Tausendschön, rosa Tulpen: Das Blumenmeer im Westenviertel, nahe der Ostdeutschen Galerie, ist aktuell ein beliebtes Fotomotiv. Beinahe im Minutentakt bleiben Spaziergänger stehen und fotografieren die Farbenpracht. Alles ist aufeinander abgestimmt, alles strahlt – es ist ein Sinnbild für den so lang ersehnten und nun angekommenen Frühling.

Von der Vorkultur über Aussaat bis zur Pflege

Was man auf den Fotos nicht sieht: Hinter solchen Wohlfühl-Flecken steckt monatelange Arbeit. Die Stadtgärtnerei mit Leiter Manuel Kramer hat die Zierpflanzen über den Winter herangezogen und alles vorbereitet, damit die Stadt zur richtigen Zeit aufblüht. Die Freude der Regensburger darüber ist der Lohn für den 46-jährigen Gartenmeister: „Es ist schön zu sehen, dass die Leute Fotos machen und unsere Arbeit offensichtlich wertschätzen.“

So wie der Frühling muss aber auch jede andere Jahreszeit vorbereitet werden. Das Jahr der Stadtgärtnerei ist deshalb durchgetaktet, jeden Monat stehen andere Maßnahmen auf dem Plan – von der Vorkultur über die Aussaat bis hin zur Pflege. Doch worauf achten die Experten? Wie viel pflanzen sie neu? Und kann man dabei Rücksicht auf Allergiker nehmen? Ein Einblick in die Pflege der Regensburger Natur.

Jedes Jahr werden in Regensburg bis zu 400 Bäume gepflanzt

Die Natur in der Stadt, das bedeutet vor allem rund 89.000 Bäume, die das Amt für Stadtgrün derzeit betreut, wie das Rathaus auf MZ-Anfrage mitteilt. „Der Aufwand, diesen wertvollen Baumbestand auszubauen sowie zu erhalten, ist groß“, schreibt Sprecherin Verena Bengler.

„Die Haupttätigkeiten bestehen in der Baumkontrolle sowie der Baumpflege.“ Dazu werden laut Bengler pro Jahr etwa 250 bis 400 Bäume im gesamten Stadtgebiet neu gepflanzt, um „Lücken möglichst klein zu halten und eine gleichmäßige Durchgrünung des gesamten Stadtgebiets aufrecht zu erhalten“.

Denn die Bäume in der Stadt haben Stress und müssen viele Anforderungen erfüllen.Anton Köstlmeier, Abteilungsleiter für Grünflächenunterhalt

Der Hauptkoordinator dieser Maßnahmen ist Anton Köstlmeier, Abteilungsleiter für Grünflächenunterhalt, Baumschulen und Gärtnerei. Das Schwierigste dabei sei laut seiner Aussage die Standortwahl. Eine Wissenschaft für sich, sagt der 48-Jährige. „Denn die Bäume in der Stadt haben Stress und müssen viele Anforderungen erfüllen.“

Oberste Prämisse sei zunächst mal die Klimaresistenz: In Zeiten ausbleibender Niederschläge teils über Wochen müssten die Bäume trockenheitsverträglich, hitzeresistent und winterhart sein. Aber auch das Salzstreuen im Winter sollte ihnen nichts anhaben – ebenso wenig wie der geringe Wurzelraum, den sie teilweise nur zur Verfügung haben. Zum Beispiel im Bankett zwischen zwei Fahrbahnen oder in vielen Altstadtbereichen wegen der vielen Leitungen dort, erklärt Köstlmeier. „Da kann es sein, dass sie nach 25 bis 30 Jahren absterben.“

Allergiepotential kann kaum beachtet werden

Das wollen die Experten verhindern. Deshalb arbeite das Amt stetig an Standortverbesserungen: „Bei jeder Maßnahme des Tiefbauamts prüfen wir, ob Bäume dort gepflanzt werden können, und setzen Baumsubstrat ein“, sagt der Abteilungsleiter. Aktuelle Beispiele für die Planungen in der Altstadt seien der Weinmarkt und die Grasgasse. „Unser oberstes Ziel ist dabei immer, dass wir den Baum einmal einsetzen und danach nie wieder anfassen müssen.“

Alles blüht zu einer anderen Zeit und jeder reagiert anders darauf. Deshalb können wir das kaum berücksichtigen.Gärtnereileiter Manuel Kramer

Aufgrund dieser vielfältigen Anforderungen an einen Stadtbaum könne man auch keine Rücksicht auf dessen Allergiepotenzial nehmen, meint Anton Köstlmeier. „Hauptsächlich pflanzen wir aber Linden und Ahorn, die tendenziell ohnehin ein geringeres Allergiepotenzial gegenüber Birken oder Hasel haben.“

Ähnlich sieht es bei den Pflanzen aus, wie Gärtnereileiter Manuel Kramer ergänzt. „Alles blüht zu einer anderen Zeit und jeder reagiert anders darauf. Deshalb können wir das kaum berücksichtigen.“ Vielmehr liege der Fokus der Stadtgärtnerei auf der Insektenfreundlichkeit der Pflanzen.

Regelmäßig gebe es dazu in Kooperation mit der Universität entsprechende Pflanzaktionen zur Steigerung der Biodiversität. „In den vergangenen Jahren ist dadurch insgesamt die Anzahl der Neupflanzungen gestiegen“, sagt Kramer. „Dafür sind wir aber personell gut aufgestellt.“

Der stressige Wechsel auf die Sommerblumen

Insgesamt bepflanzen die Mitarbeiter der Stadtgärtnerei laut dem Leiter etwa 100 mobile Töpfe insbesondere im Altstadtbereich sowie etliche kleinere und zwölf größere Blumenflächen, wie zum Beispiel jene im Westenviertel. Diese Wohlfühl-Flecken werden nun auf Sommer umgerüstet.

„In den nächsten Wochen müssen wir die Frühjahrsblüher gegen Sommerblumen tauschen“, sagt Gartenmeister Manuel Kramer. „Für uns heißt das: Vollgas geben. Wenn man dann aber die schönen Reaktionen darauf sieht, lohnt sich das in jedem Fall.“