Warum blühen die Straßenränder in Regensburg heuer so schön?

Wilder, bunter, bienenfreundlicher – viele Regensburger fragen sich heuer sicherlich: Waren die Straßenränder in der Stadt eigentlich schon immer so mit Wildblumen, Klee und hohen Gräsern bewachsen? Die Antwort: Nein, waren sie nicht. Das Gartenamt testet 2024 zum ersten Mal ein neues Mäh-Konzept.
Hauptgrund: der Umweltschutz. „Früher hat man versucht, den Arbeitsaufwand bei der Pflege so klein wie möglich zu halten“, sagt Michael Daschner, Chef des Regensburger Gartenamts. Man ließ Pflanzen gar nicht erst groß wachsen und erleichterte sich so das Mähen. „Der Artenschutz ist dabei hinten angestanden. Das haben wir jetzt geändert.“ Statt vier bis sechsmal jährlich wird nur noch zweimal gemäht. Die erste Mahd ist zudem später und beginnt erst, wenn der erste Blührhythmus Mitte/Ende Mai schon vorbei ist.
Bund: „Tolle Entwicklung“
„Aus meiner Sicht ist das eine tolle Entwicklung“, kommentiert Raimund Schoberer, Vorsitzender des Bundes Naturschutz Regensburg. „Straßenbegleitbereiche, auch an stark befahrenen Straßen, sind durchaus wertvoll“, sagt er. Man sehe ja, wie viel mehr Bienen, Hummeln und andere Insekten zu sehen und zu hören seien. Der Tierwelt kommt auch eine weitere Neuerung zugute: Wenn die Straßenränder oder auch Wiesen im Aberdeen Park dann doch gemäht werden, wird nicht mehr alles bis auf drei Zentimeter abgesäbelt. Das bestehende Mähwerk sei auf sieben Zentimeter hochgestellt, sagt Michael Daschner, und zusätzlich wurden neue Balkenmäher angeschafft, die zehn bis 15 Zentimeter stehen lassen.
„Eine Schnitthöhe schützt nicht nur Insekten, sondern auch Eidechsen und Kleinsäuger“, lobt Schoberer, der ein Überdenken des Mäh-Konzepts seit langem fordert und das Thema auch schon zweimal auf die Tagesordnung des Naturschutzbeirats gebracht hatte. Die neuen Mäher waren nicht günstig, sagt Michael Daschner, auch wenn Regensburg 80 Prozent Förderung der KfW erhielt.
Ein Kostenpunkt sei zudem, dass man das geschnittene Grün nun immer öfter nicht kleingehäckselt liegenlasse, sondern wegräume. „Dadurch werden die Böden abgemagert, was artenreiche Blumenwiesen begünstigt.“ Alles in allem komme das neue Mähkonzept der Stadt und damit dem Steuerzahler aber deutlich günstiger. Denn man spare durch selteneres Mähen enorm Personalkosten. „Man erwartet von uns ja auch, dass wir sparen“, sagt Daschner.
„Es gibt immer Kritiker“
Die Verkehrssicherheit steht übrigens über dem Mäh-Konzept. Verdeckt das Grün Kreuzungen oder Radfahrer, wird auch außerplanmäßig gemäht. „Ich sehe keinen Nachteil. Es gibt aber auch Bürger, die finden das ungepflegt. Ich find’s wunderschön“, sagt Daschner. Zwar leitet er das Gartenamt erst seit 2023, doch so viele Zuschriften habe er noch nie erlebt, wie jetzt rund um das Mähen. Darunter war Lob ebenso wie Kritik.
„Es gibt immer Kritiker. Manche Leute stören sich ja daran, wenn nicht alles überall geordnet ist“, sagt auch Naturschützer Raimund Schoberer. „Aber wenn ich alles abmähe und keinen Platz für Wildleben lasse, dann hilft auch das schönste Insektenhotel im Garten nix. Dann ist das alles ziemlich tot.“



