Ärger über Baumfällungen in Regensburg: „Die Lebensqualität sinkt schleichend“

21 schutzwürdige Bäume sollen im Inneren Westen Regensburgs zugunsten eines Bauprojekts gefällt werden. Das sorgt weiter für Kritik.
Große Illusionen macht sich Erwin Aschenbrenner nicht. „Es müsste wohl ein Wunder beim Bauordnungsamt oder ein großes Wunder beim Bauträger geschehen, wenn die geplante Tiefgarage verkleinert gebaut würde und so von den 21 geschützten Bäumen noch ein paar gerettet werden könnten“, sagt er im Hinblick auf ein Bauvorhaben auf seinem Nachbargrundstück in der Dechbettener Straße. Aufgrund des Echos, das sowohl seine am Gartenzaun angebrachte Protestnote als auch die entsprechende Berichterstattung in der MZ ausgelöst haben, meint er aber auch: „Ich will noch nicht ganz aufgeben.“
Unterstützung bekommen Aschenbrenner und seine Miteigentümer beispielsweise von der ganz in der Nähe wohnenden Gerda Maria Schröter. „Diese Bäume müssen bleiben!“, fordert sie und berichtet passend dazu von ihrer einschlägigen Kampferfahrung: „Vor vielen Jahren habe ich bereits in Augsburg eine Nacht-und Nebel-Fällaktion von wunderschönen Kastanien zum Stillstand gebracht und alles mobil gemacht, was nur ging.“
Nur ein Baum bleibt übrig
Damals wie heute in Regensburg holte sie den Bund Naturschutz (BN) mit ins Boot. Der hiesige Kreisvorsitzende Raimund Schoberer gibt jedoch zu bedenken, dass seine Organisation vor einem grundsätzlichen Problem stehe: Sie wird bei solchen Einzelbauvorhaben nicht beteiligt und ist folglich auf Hinweise von Nachbarn und Presse angewiesen, um überhaupt etwas davon mitzubekommen. Oft sei es dann aufgrund des fortgeschrittenen Verfahrens schon zu spät.
In den konkreten Fall in der Dechbettener Straße hat sich Schoberer mittlerweile eingearbeitet. „Die eine kapitale Eiche am westlichen Grundstückseck scheint nicht gefällt werden zu dürfen“, nennt er erst einen scheinbar positiven Punkt, der aber nicht unbedingt positiv bleiben muss. Ungewiss sei nämlich, „ob dem Baum genügend Wurzelraum zugestanden wird, damit er auch langfristig überleben und seine wichtigen ökologischen Funktionen erfüllen kann“. Die restlichen 21 von der Fällung bedrohten Bäume fielen zwar allesamt unter die Baumschutzverordnung – doch hier stelle sich die Frage, ob diese in der Praxis mehr Gewicht habe als die Stellplatzverordnung.
Und schon ist Schoberer mittendrin in einer Fundamentalkritik an der Stadt und ihrem Credo von der Nachverdichtung: „Neuer Wohnraum steht in Regensburg nahezu über allem, seit Jahrzehnten. Und man merkt es: Die Lebensqualität in Regensburg sinkt schleichend, auch wenn es viele nicht wahrhaben wollen.“
Als bereits heute spürbaren Beleg für dieses düstere Zukunftsszenario führt der BN-Kreisvorsitzende „unerträglich werdende sommerliche Hitzeperioden“ an. „Muss Regensburg erst signifikant unattraktiv werden, bevor man innehält?“, fragt Schoberer und gibt die Antwort mit dem Verweis auf von Bebauung bedrohte Grünareale wie in der Lilienthalstraße oder am Ostbahnhof umgehend selbst: „Der BN redet da seit Jahren vielfach gegen eine Wand. Im Zweifel müssen stets die Bäume weichen.“
Zweierlei Maß bei der Stadt?
In der Dechbettener Straße wird es nicht anders laufen, befürchtet er mit einem gehörigen Schuss Fatalismus: „Wenn schon ein Baubescheid da ist, dann helfen wohl nur noch hohe Zinsen, damit sich ein Bau nicht rentiert.“
Bei Nachbar Erwin Aschenbrenner hingegen ist der Kampfgeist neu entflammt. Um dem eingangs erwähnten „Wunder“ eine Chance zu geben, hat er nochmals an die Oberbürgermeisterin geschrieben. Er stellt dabei die „anachronistisch-widersprüchliche Stellplatzverordnung“ der „traurig-zahnlosen Baumschutzverordnung“ gegenüber. Aufgrund dieser Vorschriften werde folgender „Albtraum“ möglich: „Der letzte große Garten der Dechbettener Straße stadtauswärts darf so einfach weggefällt werden, um dann als letztes Bild der Wohnbebauung stadtauswärts vierstöckige Einheitsarchitektur auf überdimensionierter Tiefgarage zu fixieren.“
Ganz zum Schluss hält Aschenbrenner dem Stadtoberhaupt noch vor, dass die Stadt gleich um die Ecke ihr Ideal von der Nachverdichtung völlig ignoriert habe. Denn hier sei „die traumhaft-riesige Fläche des ehemaligen Jahnstadions ganz feudal ein- und zweistöckig mit einer einzigen Schule“ belegt worden.
