Flauschiger Besuch im Landkreis Regensburg: Eulen fliegen Neutraubling an

Junge Waldohreulen in der Keplerstraße in Neutraubling (Landkreis Regensburg) gesichtet: Hobby-Fotografen aus Neutraubling beobachteten über mehrere Wochen die Eulen-Babys. Diese tierischen Schnappschüsse von Joachim und Kerstin Schaller können sich sehen lassen.
Mehrere Wochen hat Hobbyfotograf Joachim Schaller in Neutraubling eine Eulenfamilie beobachtet und abgelichtet. „Von unserem Balkon aus hatten wir einen tollen Blick auf die Tiere“, sagt der Fotograf. Die Waldohreulen machten es sich mitten in der Stadt in der Nähe der Keplerstraße gemütlich.
Mit einem grauen Punkt in den Ästen fing alles an: Es war Kerstin Schaller, die ihre ungewöhnlichen Gäste Mitte Mai zum ersten Mal entdeckte. Auch sie steuerte zahlreiche sehenswerte Bilder bei.
Eulen in Neutraubling: Schnappschuss vom Balkon
Aus dem siebten Stock hatten die Fotografen einen guten Blick auf das Nest der Vögel. „Von der Straße aus hat man vor lauter Ästen kaum etwas gesehen“, sagt Joachim Schaller. Er beobachtete die Vögel beim gegenseitigen Putzen und bei den ersten Flugversuchen. „Sie flatterten anfangs von Ast zu Ast, später von Baum zu Baum. Schließlich verteilten sie sich in der Parkanlage “, sagt der Hobby-Fotograf.
Weil der Eulenbesuch genau in seinen Urlaub fiel, hatte er genug Zeit, den Tagesablauf des Vogelnachwuchses zu studieren. „Um die Mittagszeit haben sich die Jungtiere meistens versteckt. Gegen Abend wurden sie dann aktiver und flogen von Baum zu Baum“, sagt Joachim Schaller. Nachts war das Fiepen der hungrigen Jungtiere bei offenem Fenster deutlich zu hören.
Eulen-Bilder aus Neutraubling gehen in den sozialen Medien viral
Das richtige Kamera-Equipment, die nötige Erfahrung und ein ruhiges Händchen ermöglichten ihm die besonderen Schnappschüsse. Schon seit seiner Jugend fotografiert Joachim Schaller für sein Leben gern. In den 70er Jahren kaufte er sich seine eigene Kamera. Seine Bilder teilt er heute zum Beispiel in der Facebook-Gruppe der Fotofreunde Neutraubling. Hier tauschen sich engagierte Hobby-Fotografen aus und veranstalten monatliche Treffen. Auch die Eulen-Bilder landeten dort.
Nicht das erste Mal: Eulen fühlen sich in Neutraubling wohl
Das Feedback auf die Fotos war durchwegs positiv, das Interesse an den flauschigen Federbällen riesig. „Viele Leute wollten wissen, wo genau die Eulen sich aufhalten“, sagte der Neutraublinger. Doch den Standort verriet er nicht. „Ich wollte übermäßigen Foto-Tourismus verhindern. Die jungen Käuzchen brauchen ja schließlich ihre Ruhe.“
Es ist nicht die erste Entdeckung dieser Art: Bereits im vergangenen Jahr wurden Eulen im Neutraublinger Stadtgebiet gesichtet, erinnert sich Joachim Schaller. Doch damals bekam er sie nicht vor die Linse. Die Vögel sind nachtaktiv, tagsüber ruhen sie – gut getarnt in den Bäumen. Waldohreulen brüten laut Informationen des Landesbunds für Vogelschutz vor allem an Waldrändern oder in großen Parks. Bei kleinen Baumbeständen werden dichte Nadelbäume bevorzugt.
Auch bei der Regensburger Kreisgruppe des LBV ist man bereits auf die Neutraublinger Eulen aufmerksam geworden. „Ich finde es schön, dass sich diese Vögel, die immer seltener werden, den urbanen Lebensraum erschließen“, sagt Vorsitzender Tom Aumer. Solch eine Beobachtung sei etwas besonderes. „Wir hoffen, dass die Vögel in Neutraubling groß werden und Sichtungen in Städten in Zukunft häufiger werden“, sagt er.
Seltene Beobachtung der Eulen-Babys im Landkreis Regensburg
Für eine Ansiedelung im urbanen Raum sei vor allem ein Altbaum-Bestand wichtig. Im Regensburger Stadtpark lebt laut Aumer ein Waldkauz. In Illkofen seien immer wieder Eulen gesichtet worden – bis der alte Baum, in dem sie nisteten, gefällt wurde. Eine Gefahr für Eulen auf Futtersuche können vergiftete Mäuse werden. „Deshalb sollte man auf das Auslegen von Giftködern für Mäuse verzichten“, appelliert Aumer.
Mittlerweile sind die Eulen aus der Keplerstraße weitergezogen, berichtet Joachim Schaller. Nachts ist es bei ihm jetzt wieder ruhiger, die Kameras sind von seinem Balkon verschwunden. „Wir vermissen die Eulen jetzt schon“, sagt der Neutraublinger – und hofft auf ein Wiedersehen im nächsten Frühjahr.







