30.000 Euro für Gamer: FYRO zieht in das Jugendzentrum in Bad Kötzting ein

Von Stefan Weber · 12. Mai 2026 um 05:00

Viele verschiedene Aktionen wurden in den vergangenen Jahren gestartet, um das Jugendzentrum der Stadt Bad Kötzting (Landkreis Cham) dauerhaft zu beleben. Gebracht hat das alles wenig, nun sollen es Gamer mit E-Sport richtigen: Dafür zieht der Verein For Your Rise Only mit 1200 Mitgliedern und sieben Setups ein.

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Vielleicht war die Bayerische Meisterschaft im E-Sport im Dezember vergangenen Jahres auch eine wegweisende Veranstaltung für das Jugendzentrum Juz im Begegnungszentrum Alte Kaserne: Zumindest wäre das der Wunsch von Bürgermeister Markus Hofmann und dem Landtagsabgeordneten Julian Preidl. Wie? Durch den Kontakt zum Bad Kötztinger Manuel Reimer. Der belegt fürs Erste ab Juli einen Raum mit Gaming-Equipment, hat einen Verein mit rund 1200 Mitgliedern hinter sich und viele Ideen, wie Jugendliche ab 14 so zur nachhaltigen Wiederbelebung des Juz sorgen könnten.

Für Julian Preidl ist die Sache klar: Elektronischer Sport und alles, was zum Digitalstandort Bayern dazugehört, das ist „nichts zum Belächeln“. Im vergangenen Jahr sei die Branche in Bayern um 27 Prozent gewachsen, „das ist ein Milliarden-Markt“, sagt der Abgeordnete. Um wenigstens Teile dieses Marktes nicht nur in den Ballungsräumen, sondern auch im ländlichen Raum stattfinden zu lassen, habe es im vergangenen Jahr die E-Sports-Meisterschaft an der Realschule der Pfingstrittstadt gegeben.

1200 Mitglieder in gerade einmal einem halben Jahr

Ein Event, bei dem er auch Manuel Reimer kennengelernt hat. Der Bad Kötztinger ist im Hauptberuf Pflasterer, nebenbei aber seit Jahren in der Gaming-Szene nicht nur aktiv, sondern auch bekannt. In der Vergangenheit sei er in mehreren Vereinen aktiv gewesen, sagt er beim Treffen mit Bürgermeister und Landtagsabgeordnetem in dem rund 30 Quadratmeter großen Raum im Haus der Begegnung auf dem BZ. Im Herbst vergangenen Jahres habe er gemeinsam mit anderen einen eigenen Verein, For Your Rise Only (FYRO), gegründet. Rund 1200 Mitglieder habe der mittlerweile, mit einer steigenden Tendenz von 20 bis 30 neuen Mitgliedern – pro Tag.

Zahlen, von denen andere Vereine nur träumen können, und doch gibt es zum FYRO zwei entscheidende Unterschiede: Zum einen sind die Mitglieder im E-Sport-Verein nicht lokal begrenzt, sondern kommen sogar nicht nur aus Bayern oder Deutschland, sondern auch auch dem Ausland. Zum anderen fehlte es bislang auch noch an so einer Art Vereinsheim. Nicht, dass das für einen digitalen Verein zwingend notwendig wäre. Allerdings, so könnten es sich Hofmann, Preidl und Reimer vorstellen, würde das nicht nur dem Verein, sondern auch dem Juz nützen.

„Wir haben es jetzt gemeinsam mit dem Jugendrat viele Jahre lang versucht, aber wenn wir ehrlich sind, dann sind klassische Jugendzentren in Bayern oft ein Auslaufmodell“, sagt Preidl, der auch Stadtrat in Bad Kötzting ist. Besser sei es, „die Jugend mit einem Angebot im Juz da abzuholen, wo sie ist, und das sei eben auch und im steigenden Maße beim Gaming.

Es soll aber nicht nur gezockt werden

Bürgermeister Markus Hofmann als Hausherr erinnert an die vielen Aktionen, die gemeinsam mit dem Jugendrat in den vergangenen Jahren gestartet worden seien, und bilanziert: „Leider wurde nichts so richtig und dauerhaft angenommen, mit der Corona-Pandemie hat sich vieles dann zusätzlich noch verändert“. Darum stelle die Stadt gerne – fürs Erste einmal nur diesen einen Raum – für den FYRO zur Verfügung.

„Der Trend geht zu sogenannten ,dritten öffentlichen Räumen‘“, sagt er. Das sei auch der Grund, weshalb die Stadt auf dem neuen Parkhaus auch eine Bibliothek mit Gastronomie errichtet, wo sich Menschen treffen könnten – der für Gamer genutzte Raum im Juz solle ähnliche Aufgaben erfüllen. „Das Angebot muss nur ansprechend sein.“

Ansprechend für Jugendliche ab 14 Jahren will Manuel Reimer werden, indem erst einmal sieben bestens ausgestattete Plätze für Gamer entstehen sollen. So genannte Setups, die sich Jugendliche üblicherweise in dieser Qualität gar nicht leisten könnten. Aber natürlich soll im Jugendzentrum nicht einfach (nur) gezockt werden: Unter den Mitgliedern befänden sich mehr als genug mit Fachwissen wie etwa Sozialpädagogen, die im Verein auch Themen wie Cybermobbing oder natürlich, wie viel Zocken ist überhaupt empfehlenswert, aufgreifen könnten.

Alle drei setzen große Hoffnung in die Belegung und planen schon, wie es weitergehen könnte: Denn wenn in einem Jahr die städtische Bücherei in das neue Gebäude am Parkhaus umzieht, wird eine noch viel größere Fläche frei.