Historischer Fund: Pfingstbrautkleider-Schau in Bad Kötzting zeigt Stück aus 1940

Wundervolle Gewänder, wohin das Auge reicht: Am Freitagabend ist die Ausstellung der Pfingsbrautkleider in Bad Kötzting (Landkreis Cham) eröffnet worden.
Die Fanfarenbläser würdigten am Freitagabend auf der Bühne des Hotels „Zur Post“ einen feierlichen Anlass, zu dem sich viele ehemalige Pfingstbräute, Pfingstakteure, Helfer, Sponsoren, Ehrengäste und das Pfingstbrautpaar von 2026 im Saal versammelt hatten: die Eröffnung der Ausstellung der Pfingstbrautkleider. Die beiden Organisatorinnen Anna Kybelksties und Carola Traurig freuten sich über den Zuspruch.

Die beiden wissen aus eigener Erfahrung, dass das Kleid der Pfingstbraut vergleichbar viel bedeutet wie dem Pfingstbräutigam das Tugendkränzchen. Jedoch geht ein Brautzug viel zu schnell vorbei, so dass die Zuschauer das Kleid oft nur oberflächlich zu sehen bekommen. Gemessen an den langen, geheimen Vorbereitungen, sei die relativ kurze Inaugenscheinnahme eigentlich schade.
Seit dem Start 2012 sind viele Exemplare dazugekommen
Diese Gedanken motivierten die Initiatorinnen, eine Ausstellung ins Leben zu rufen. Im Nachgang haben alle interessierten Betrachter die nötige Zeit, sich mit den Details ihrer Favoriten vertraut zu machen. Dabei wird bewusst, welche Arbeit hinter den maßgeschneiderten Exemplaren steckt. „Wir haben die Ausstellung 2012 als Premiere gestartet, seither ist viel Zeit vergangen“, begründete Anna Kybelksties den Wunsch einer Wiederholung. Einerseits kamen seitdem viele Kleider hinzu, andererseits gerieten manche Details in Vergessenheit. Gerade die jüngere Generation konnte eventuell die Feuertaufe noch nicht miterleben.

Auf der Bühne haben die Organisatorinnen die ältesten Kleider positioniert. In der Mitte stach das 1961 von Pfingstbraut Ulrike Kollmaier getragene farbige Modell heraus, das man bisher als das älteste wähnte. Ein Glücksgriff war die Ankündigung von Sepp Barth vor ein paar Wochen, dass ein Unikat in Weiß aus 1940 aufgetaucht war, das Maria Oexler am Pfingstmontag getragen hatte. Am Ende der Reihe von Roben hängt das jüngste Kleid aus 2024 von Eva-Maria Schreiner.
Neben der Präsentation der farbigen Pfingstbrautkleider gibt es wieder eine Neuerscheinung der Broschüre. Bei der Feuertaufe stellte sich eine so große Resonanz ein, dass dieses Beiwerk ausverkauft war, noch bevor die Ausstellung beendet war. Das motivierte dazu, ein komplett neues und erweitertes Magazin aufzulegen. „Es ist eine einzigartige Sammlung mit Bildern und Daten von 1961 bis 2025 entstanden. Wir haben es geschafft, alle Pfingstbrautpaare bis zurück ins Jahr 1917 abzubilden“, waren die Ideengeberinnen selbst „happy“.
„Im Handumdrehen so viele Unterstützer im Boot“
Die Frage, warum sie sich den Wust an Vorbereitungen aufgebürdet haben, beantworteten beide unisono: „Erstens sind die Pfingstbräute schon ein Stück weit stolz, ihr Kleid präsentieren zu dürfen, und zweitens saßen im Handumdrehen so viele Unterstützer im Boot, dass wir davon regelrecht angestachelt wurden.“ Der Wille allein reichte jedoch nicht aus, ausschlaggebend war das Team. Allen voran dankte das Duo am Freitag seinen Familien, auf die sie sich hundertprozentig verlassen konnten, sämtlichen Freiwilligen und Sponsoren für den finanziellen Obolus. „Eigentlich funktionierte das Ganze nur aufgrund unserer Freundschaft“, beschrieb Carola Traurig dieselbe Wellenlänge der Ausrichterinnen.

Anna Kybelksties konnte diesem Statement nur beipflichten. Sie zollte den ehemaligen Pfingstbräuten und ihren Angehörigen Anerkennung, weil sie wieder ihre Kleider ausgeliehen hatten. Dies wurde mit einem großen Applaus bedacht. Markus Hofmann war ebenso die Freude über die besondere Veranstaltung mit den historischen Pfingstbrautkleidern ins Gesicht geschrieben. Sein Dank galt an dieser Stelle den beiden Organisatorinnen. „Es steckt viel Leidenschaft, Engagement und Liebe zum Detail dahinter, dass das Vorhaben so gelungen ist. Wir sehen mehr als eine Sammlung von rund 60 Pfingstkleidern aus vergangenen Jahrzehnten, dahinter stecken auch Geschichten von jungen Frauen mit ihren Familien“, so der Rathauschef. Um Pfingsten herum werde immer ganz viel gerätselt, welche Farbe das Kleid der Pfingstbraut am Dienstag hat.
Zwischen Zeitgeist und Pflege des Brauchtums
An den einzelnen Prunkstücken hängen viele Emotionen, die unauslöschlich seien, zum Beispiel die Rückbesinnung auf die Suche, die Vorfreude und die Aufregung. „Und vielleicht auch an die vielen bewundernden Blicke, wenn sie durch die Innenstadt gezogen sind“, mutmaßte der Bürgermeister. Die Wahrung der Tradition über Generationen hinweg müsse mit Leben erfüllt bleiben. „Genau das wird in dieser Ausstellung sichtbar!“ Darum zeigte sich der Rathauschef dankbar, dass die Idee wieder aufgegriffen wurde. „Die Kleider spiegeln nicht nur den jeweiligen Zeitgeist wider, sie zeigen auch, wie das Brauchtum über Jahrzehnte hinweg gepflegt wurde“, so der Redner. Dabei erhalten auch die jüngeren Generationen einen Einblick in die Geschichte der Pfingsttradition. Hofmann wünschte der Ausstellung viele interessierte Besucher, schöne Begegnungen und gute Gespräche. Dazu gab es bereits beim Stehempfang im Innenhof Gelegenheit.
Öffnungszeiten: Besucher können die Ausstellung täglich von 14 bis 19 Uhr, an Wochenenden und an Christi Himmelfahrt von 10 bis 17 Uhr besuchen. Der letzte Tag der Ausstellung ist der Sonntag, 17. Mai.
Preise: Der Eintritt ist frei, nur für die Broschüre zur Ausstellung wird ein Betrag von acht Euro fällig.