Gefakte Ortsschilder in Mainburg: Lokalpolitische Parole prangt von den Tafeln

Am Morgen des 1. Mai staunten Verkehrsteilnehmer, die nach Mainburg (Landkreis Kelheim) fuhren, nicht schlecht: Statt des Stadtnamens prangten auf sechs Ortsschildern Plakate mit Texten politischen Inhalts. Mehr wollte die Polizei zu den Aufschriften zunächst nicht sagen. Nun geben Ermittler preis, um was es in den Parolen ging.
Es war offenkundig eine geplante Aktion in der Nacht auf den Tag der Arbeit. „Auf insgesamt sechs Ortsschildern der Stadt Mainburg wurden Plakate angebracht, welche die gleiche Größe und dieselbe Ausgestaltung hatten wie die originalen Ortsschilder“, so Kathrin Hiller, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Niederbayern. Die PI Mainburg sprach in einer ersten Meldung vom 1. Mai von „politisch motivierten“ Texten, deren Inhalt „nicht bekanntgegeben werden“ kann.
Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt Polizeioberkommissarin Hiller nun zumindest, in welche Richtung die Texte gingen. „Alle sechs Plakate trugen die gleiche Aufschrift. Diese bezog sich auf eine aktuelle, lokalpolitische Debatte in Mainburg in Zusammenhang mit dem Erhalt des örtlichen Krankenhauses und des Neubaus eines Hallenbades.“
Polizei will Texten „keine Plattform verschaffen“
Bekanntlich werden beide Themen in der Stadt und darüber hinaus heftig diskutiert. Den genauen Text will die Polizei nicht öffentlich machen. „Wir wollen solchen Aktionen keine Plattform verschaffen, schließlich handelt es sich um eine Straftat“, sagt Hiller. Entsprechend würden auch keine Fotos veröffentlicht. Der Inhalt der Tafeln sei eine „Meinungsäußerung“. Aus der Aufschrift gehe nicht hervor, ob sie für oder oder gegen den Erhalt der Klinik bzw. den Neubau des Hallenbads zu deuten sei.
In Sozialen Medien kursiert nach Recherchen unserer Zeitung ein Schnappschuss einer gefälschten Ortstafel, auf der zu lesen ist, dass in der „HochSCHULDstadt“ Mainburg beide Einrichtungen (Klinik und Hallenbad) nicht mehr existieren.
Die Plakate wurden teilweise mittels Kabelbinder, Klebeband und Magneten festgemacht.Kathrin Hiller, Polizeipräsidium Niederbayern
Dass hinter der Aktion genaue Planung steckt, zeigen die identische Größe und Farbgebung wie die Ortsschilder und auch die aufwändige Anbringung der Tafeln. „Die Plakate wurden teilweise mittels Kabelbinder, Klebeband und Magneten festgemacht.“ Zudem wurden die Schilder laut Polizei Mainburg „gedruckt“, was auf eine gezielte Vorbereitung schließen lässt.
„Da die Ortsschilder teilweise sehr hoch sind, sollte eine Leiter oder eine Kanzel eines Traktors verwendet worden sein“, mutmaßte die PI überdies. Der Tatzeitraum wurde inzwischen auf 30. April, 21 Uhr, bis 1. Mai, 5.45 Uhr, eingegrenzt.
Mögliches Delikt: Gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr
Die Kriminalpolizeiinspektion Landshut hat die Ermittlungen übernommen. Sie geht dem Anfangsverdacht der gemeinschädlichen Sachbeschädigung sowie des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr nach. „Die Ermittlungen insbesondere zum Tatablauf sowie den Hintergründen der Tat dauern an“, erklärt die Sprecherin. Hinweise zu einem oder mehreren Verursachern gibt es derzeit nicht. Zeugen hätten sich bislang nicht gemeldet.
Die angebrachten Plakate wurden von einer Polizeistreife der PI Mainburg abgehängt. Der Bauhof der Stadt wurde ebenso verständigt, um verbliebene Reste von den Originalschildern zu entfernen. „Ob und in welcher Höhe Sachschaden entstanden ist, kann derzeit noch nicht angegeben werden“, erklärt Hiller. Hinweise nimmt die Polizei Mainburg, Telefon 08751/8633-0, entgegen.