„Plötzlich Heißhunger“: Regensburger Spezialität geht nach ungewöhnlichem Aufruf auf große Reise

Er selbst bezeichnet es als „Schnapsidee“ – und trotzdem versucht Thailand-Auswanderer Willy sein Glück. Getrieben vom „plötzlichen Heißhunger“ stellt der gebürtige Regensburger ein ungewöhnliches Gesuch online. Das Objekt seiner Begierde: Nussbeugerl vom Ebner.
Ob irgendjemand aus dem Raum Regensburg bald nach Thailand fliege, fragt Willy Ende März die rund 35.000 Mitglieder der Facebook-Gruppe „Mitbringsel Weltweit“. Sollte sich ein Beugerl-Lieferant finden, würde er auch die 220 Kilometer zum Flughafen nach Bangkok fahren und sich an den Transportkosten beteiligen, versichert der Auswanderer. Doch einen Monat lang passiert nichts.
Dann postet eine Frau Willys Gesuch auch in einer Straubinger Facebook-Gruppe, schließlich hat die Gäubodenbäckerei Hahn aus Geiselhöring 2017 die Bäckerei Ebner übernommen. Zwei Stunden nach dem Post meldet sich ein Mann aus Straubing bei Willy. Die frohe Kunde: Anfang August werden er und die Nussbeugerl auf Reisen gehen.
„Sofort verliebt“: Auswanderer aus Regensburg schwärmt von Thailand
Vor sechs Jahren ist Willy, ein gebürtiger Regensburger, nach Thailand ausgewandert. Er lebt in Hua Hin direkt am Meer. „Erst seitdem ich hier bin, weiß ich, was Leben ist“, schwärmt der 66-Jährige, der knapp 40 Jahre lang eine Tankstelle in Amberg geführt und vor 20 Jahren das erste Mal in Thailand Urlaub gemacht hat. Er habe sich sofort in Land und Leute verliebt, sagt er im Telefonat mit der MZ. „Ich vermisse nichts. Wirklich nichts.“ Echt? „Ab und zu“, da habe er eben Verlangen nach etwas Besonderem, räumt er ein.
„Es ist immer schön, wenn jemand aus Deutschland kommt und etwas mitbringt“, sagt Willy. Vor allem, weil Thailand zu Jahresbeginn die langjährige Zollbefreiung für Waren von geringem Wert abgeschafft hat. „Seitdem geht jedes Paket über den Zoll. Ich muss drei Stunden fahren, um sie abzuholen.“ Sich von Fremden etwas mitbringen zu lassen, hat Willy noch nie versucht. „Vielleicht klappt’s ja“, dachte er sich.

Die Bäckerei Hahn hat von dem Aufruf zunächst nichts mitbekommen. Darauf angesprochen, sagt Johanna Wellenhofer, Assistentin der Geschäftsführung: „Wir freuen uns sehr, dass die Community hier helfen konnte und der Auswanderer die Köstlichkeiten in Empfang nehmen darf.“ Die Beugerl, deren Rezept die Bäckerei seit dem Ebner-Kauf ihr Eigen nennen darf, würden in traditioneller Handarbeit hergestellt und seien aus dem Sortiment nicht wegzudenken.
Süße Fracht aus Regensburg: Willy will die Nussbeugerl einfrieren
Auch einen Tipp hat Wellenhofer parat: Am besten könne man die Nussbeugerl in einem geschlossenen Behälter frisch halten. Sie seien auch nach mehreren Tagen noch bedenkenlos essbar.
Auswanderer Willy will die süße Fracht gleich einfrieren. „Das funktioniert wunderbar. Letztes Jahr hat mir mein Sohn 20 Kilo Lebkuchen und Stollen geschickt“, weiß er zu berichten. Was er nicht weiß: wie viele Nussbeugerl er bekommt. „Das überlasse ich dem Platz im Koffer des Mannes.“