Tonnenweise Kupferkabel in Schwandorf geklaut: Sitzt der Falsche auf der Anklagebank?

In Goldbach bei Aschaffenburg brannte im Frühjahr 2025 ein Lastwagen lichterloh. Die Ladung machte die Einsatzkräfte stutzig, die Polizei ermittelte und sicherte Spuren. Diese führten zum Umspannwerk im Schwandorfer Ortsteil Büchelkühn – und zu einem Rumänen, der sich am Donnerstag vor dem Amtsgericht Amberg allerdings keiner Schuld bewusst war.
Es war eine Diebestour, die gehörig schief ging. Zwischen dem 7. und dem 10. März 2025 schlugen vermutlich mehrere Täter auf dem Bayernwerk-Gelände im Schwandorfer Ortsteil Büchelkühn zu. Laut Anklage brachen die Gauner ein Eingangstor auf, um auf den Lagerplatz im nördlichen Teil des Areals zu kommen. Zum Zeitpunkt des Einbruchs hatten sich die Mitarbeiter längst ins Wochenende verabschiedet. Überwachungskameras gab es damals noch keine.
Die Bande hatte es vor allem auf drei Kabeltrommeln abgesehen, auf denen jeweils 500 Meter Baueinsatzkabel mit Kupferkern aufgewickelt waren. Deren Wert? Auf jeden Fall sechsstellig, wie ein Mitarbeiter der hauptgeschädigten Firma Tennet am Donnerstag vor Gericht sagte. Das Unternehmen betreibt zusammen mit der Bayernwerk Netz GmbH das Umspannwerk in Büchelkühn – ein überregional bedeutender Energieknotenpunkt.

Die Täter schnitten die Kabel stückweise ab und verluden diese in einen Lastwagen. Außerdem ließen sie eine Erdungsgarnitur mitgehen. Die Kabeltrommeln blieben leer an Ort und Stelle zurück. Mit dem Lastwagen ging es dann auf die Autobahn in Richtung Aschaffenburg. Das eigentlich angestrebte Ziel? Vermutlich die Niederlande. Denn da bekomme man für die Kabel einen guten Preis – auch ohne Nachweis, wie ein Beamter der Kriminalpolizei Amberg vor Gericht schilderte.
Kupferkabel waren für den Lastwagen zu schwer
Doch die Täter hatten bei ihrem Beutezug offenbar das Gewicht der Kabel deutlich unterschätzt. 15 Tonnen dürfte das Diebesgut etwa gewogen haben, der Lastwagen war aber nur für eine Last von 2,5 Tonnen ausgelegt. So kam es letztlich am frühen Morgen des 10. März 2025 dazu, dass auf der A3 kurz vor Aschaffenburg ein Reifen platzte und durch die Reibung in Flammen aufging. Der Fahrer fuhr laut Polizei daraufhin wohl von der Autobahn ab und parkte den Lastwagen vor einem Autohaus im Örtchen Goldbach. Dort griffen die Flammen auf das Fahrzeug über. Der Laster brannte vollständig aus.
Als die Rettungskräfte ankamen, fehlte von den Fahrzeuginsassen jede Spur. Und was besonders verdächtig war: Die Nummernschilder waren abgeschraubt. Nachdem der Brand gelöscht war, sicherte die Polizei vor Ort Spuren und setzte die Ermittlungen in Gang. Diese führten letztlich zum Umspannwerk Büchelkühn und zu einem Rumänen, der sich nun wegen schweren Bandendiebstahls und Sachbeschädigung vor dem Amtsgericht Amberg verantworten musste.
Doch der 38-Jährige, der derzeit in der JVA Amberg in Untersuchungshaft sitzt, ließ über seinen Anwalt Christian Ciurea aus Augsburg verlauten, dass er an dem Diebstahl nicht beteiligt gewesen sei. Er habe lediglich zwei Bekannte aus seiner Heimat dabei unterstützt, den besagten Lastwagen zu kaufen. Sie hätten ihn um Hilfe gebeten, weil er eine Ausbildung als Kfz-Mechaniker abgeschlossen habe. Dass der Laster ein paar Tage später für einen Diebeszug verwendet wurde, habe er zu keiner Zeit gewusst.
Richterin Kathrin Rieger ordnete Nachermittlungen an
Er und seine Bekannten hätten das Fahrzeug vor dem Kauf Probe gefahren. So erklärte der Angeklagte auf Nachfrage von Staatsanwalt Fabian Poxleitner, warum seine DNA-Spuren an dem später ausgebrannten Lastwagen sichergestellt wurden. Er nannte sodann die beiden Namen seiner Kollegen. Und zumindest einer von beiden scheint strafrechtlich kein unbeschriebenes Blatt zu sein. Wo sich diese gerade aufhielten, wusste er allerdings nicht.
Richterin Kathrin Rieger war nach der Einlassung klar, dass man am heutigen Tag wohl nicht mehr zu einem Urteil komme. Denn bislang würden keine Beweise vorliegen, die für bzw. gegen die Version des Angeklagten sprechen. Rieger ordnete deshalb Nachermittlungen an. Vor allem die beiden Männer, die der 38-Jährige angeblich nur beim Kauf des Lastwagens unterstützt haben soll, dürften nun in den Fokus der Polizei geraten.
Dass die Verdächtigen zügig ausfindig gemacht werden können, scheint relativ sicher. Denn laut dem Angeklagten seien er und seine beiden Kollegen wenige Wochen nach dem Lastwagen-Deal bei Mannheim in eine Polizeikontrolle geraten. Sie hatten zuvor einen Audi A4 gekauft, auch hier soll der 38-Jährige wieder lediglich als Berater dabei gewesen sein. Das Fahrzeug hatte offenbar keine Versicherung, weshalb der Wagen angeblich konfisziert und die Personalien der drei Männer aufgenommen wurden.
Der Prozess am Amtsgericht Amberg soll am 28. Mai fortgesetzt werden. Dort soll unter anderem der Verkäufer des besagten Lastwagens aussagen.