Mehrere Fahrzeuge in Neunburg und Schwarzhofen geklaut: Dieb kommt mit blauem Auge davon

Sie schlugen im Schutz der Dunkelheit zu: Ein 33-jähriger Tscheche und mindestens ein Komplize drangen in der Nacht von 24. auf 25. April 2024 in mehrere Garagen in Neunburg und Schwarzhofen (Landkreis Schwandorf) ein. Dort klauten sie Fahrräder, Autos und ein Motorrad. Der mutmaßliche Haupttäter musste sich am Montag vor dem Amberger Amtsgericht verantworten. Er wurde aus der U-Haft vorgeführt, konnte das Gericht aber trotz Verurteilung als freier Mann verlassen.
Für mehrere Hausbesitzer war der Morgen des 25. April 2024 einer zum Vergessen. Sie kamen entweder von der Nachtschicht heim, wollten gerade los in die Arbeit oder die Zeitung reinholen. Dann bemerkten sie, dass ihre Garagen jeweils offen standen. Es fehlten Fahrzeuge, in einem Fall zwei E-Bikes, in einem anderen waren beide Autos verschwunden. Ein Dritter vermisste sein Motorrad der Marke Dubai, das er sich erst kürzlich gekauft hatte.
Teil der Beute tauchte schnell in der Nähe wieder auf
Die Diebe schlugen zweimal in Neunburg und einmal in Schwarzhofen zu. Das Kuriose: Ein Teil der Beute tauchte wenige Zeit später in unmittelbarer Nähe der Tatorte wieder auf. Die beiden E-Bikes, die in jener Nacht aus einem Schuppen im Neunburger Ortsteil Mitteraschau geklaut wurden, lagen ein paar Hundert Meter weiter am Wegesrand. Die beiden Täter hatten diese offenbar nur ausgeborgt, um zum nächsten Haus zu radeln.
Eines der geklauten Autos, ein Audi A1, parkte am Berg der Wiflingstraße in Neunburg. Die Fahrzeughalterin konnte ihren Wagen mit einem Ersatzschlüssel wieder nach Hause transportieren. Vom zweiten Auto, einem BMW-Cabrio, fehlte aber ebenso jede Spur wie von der Ducati, die aus einer Garage in Schwarzhofen gestohlen wurde.
Die Täter, das wurde später bekannt, hatten beide Fahrzeuge nach Tschechien transportiert. Dort wurden sie aber Wochen später von der Polizei beschlagnahmt und wieder nach Deutschland zu ihren Besitzern gebracht. Ärgerlich: Sowohl der BMW, der zwischenzeitlich im Nachbarland weiterverkauft worden war, als auch die Ducati waren erheblich beschädigt.
Diebe hatten in allen Fällen leichtes Spiel
Die Diebe hatten in allen drei Fällen offenbar leichtes Spiel. Denn die am Montag jeweils als Zeugen geladenen Geschädigten mussten allesamt einräumen, das sie es in jener Nacht in Sachen Diebstahlsicherheit nicht so genau nahmen. So gab der Neunburger, dem die beiden E-Bikes abhanden gekommen waren, zu, dass sein Schuppen nicht versperrt gewesen sei.
Das Ehepaar, dessen Autos geklaut wurden, hatte die Kellertür zwar zugezogen, aber nicht zusätzlich verschlossen. Über diese, so stellte die Polizei am Tatort fest, gelangten die Täter letztlich in die Garage, betätigten die Notentriegelung, und konnten so das Garagentor aufschieben. Dann mussten sie sich nur noch in die beiden Autos setzen und losfahren, denn die Schlüssel steckten noch in den Zündschlössern.
Und auch beim dritten Diebstahl in Schwarzhofen gab der Geschädigte zu, dass die Tür zu seiner Garage doch mit einem eher billigen Schloss versehen war. Mittlerweile habe er daraus gelernt und ein Sicherheitsschloss einbauen lassen.
Doch auch die Täter stellten sich nicht gerade klug an, denn unter anderem an den Lenkern der jeweiligen Fahrzeuge hinterließen sie einen bunten Blumenstrauß an DNA-Spuren. Außerdem wurden sie mit dem BMW an einer tschechischen Tankstelle gefilmt.
Angeklagter zeigte sich geständig
Die Spuren führten letztlich unter anderem zu einem heute 33-Jährigen, der sich nun vor dem Amtsgericht Amberg verantworten musste. Bis zu seinem Prozess saß er drei Monate in U-Haft. Einer seiner Komplizen wird anderweitig verfolgt.
Die Staatsanwaltschaft warf dem Angeklagten am Montag zunächst vor, sich bewusst mit mindestens drei Mitstreitern in Tschechien verabredet zu haben, um dann nach Deutschland einzureisen und dort gezielt Straftaten zu begehen. Der Gesetzgeber nennt das Bandendiebstahl. Zudem musste sich der Tscheche auch noch wegen Sachbeschädigung verantworten.
Der Angeklagte räumte über seinen Anwalt Jürgen Mühl ein, die Diebstähle begangen zu haben. Er gab ebenfalls zu, dass er bei den Taten nicht allein gewesen sei. Doch es habe sich zu keiner Zeit um eine organisierte Bande gehandelt. Viel mehr habe er seine Bekannten spontan gebeten, ihm zu helfen.
Dem widersprach ein Beamter der Kriminalpolizei im Zeugenstand. Er hielt es angesichts der Ermittlungsergebnisse für wesentlich wahrscheinlicher, dass die Tat von langer Hand geplant gewesen sein muss. „Da muss noch jemand mit Ortskenntnis dabei gewesen sein“, mutmaßte der Polizist angesichts der abgeschiedenen Tatorte. Doch das „fehlende Puzzleteil“ habe man bisher nicht ermitteln können.
Für einen Bandendiebstahl fehlten die Beweise
So kam es schließlich dazu, dass der Bandendiebstahl zum einfachen Diebstahl herabgestuft wurde. Denn wie Richterin Kathrin Rieger erklärte, brauche es für einen Bandendiebstahl mindestens drei Personen, die sich nach vorangegangenen Absprachen zusammenschließen, um Diebstähle oder Raube zu begehen. Das habe man in diesem Verfahren nicht beweisen können.
Auch deswegen, und weil der Angeklagte geständig war, reichte es gerade noch für eine bewährungsfähige Strafe. Der Angeklagte wurde letztlich zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Die Bewährungszeit beträgt vier Jahre. Der Haftbefehl wurde folglich aufgehoben.
Weil sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung auf Rechtsmittel verzichteten, ist das Urteil bereits rechtskräftig.