Räuberpistole um Entführung und Millionen-Deal bringt 45-Jährigen länger in Haft

Ein geplatztes Geschäft um fast drei Millionen Euro in bar soll im Sommer 2025 in Neutraubling in einer Entführung geendet haben. Polizisten finden den Mann gefesselt auf einem Feldweg an der Autobahn – doch nichts von seiner Geschichte ist wahr. Vor Gericht packte er nun aus und gestand.
Vor neun Monaten wählt ein Mann den Notruf und meldet der Polizei, er wäre um fast drei Millionen Euro gebracht und im Auto entführt worden. Streifenbeamte finden ihn wenig später gefesselt nahe der Autobahn A 3 bei Neutraubling. Statt des Entführers saß nun das vermeintliche Opfer vor Gericht – denn die Story des 45-Jährigen war erstunken und erlogen. Und: Es war nur die Spitze des Eisbergs. Der Mann ist vielfach vorbestraft und leistete sich erneut Betrügereien. Dafür bleibt er nun länger in Haft.
Mit Kabelbindern war der Angeklagte am 28. Juli 2025 am Scharnier eines Mobilfunkmastes „gefesselt“, kniend und das Handy vor ihm liegend. So zeigt ihn ein Foto der Polizei, das an jenem Montag gemacht wurde. Die Räuberpistole, die er den Ermittlern dazu präsentierte, hatte es in sich: Mit einem Unternehmer aus Sachsen wollte er einen Deal um Gasturbinen für zig Millionen Euro am Laufen haben. Der habe bei der Übergabe einer Anzahlung plötzlich sein Geld zurückgewollt und ihm mit dem Tod bedroht.
Falsch Beschuldigter war auf Geschäftsreise
In Teilen sei das stimmig gewesen, was der Angeklagte erzählte, „aber trotz alledem unglaubwürdig“, resümierte der Hauptermittler der Regensburger Kripo. Was der 45-Jährige an Details präsentierte – beispielsweise einen Halt an einer Tankstelle – habe sich bald widerlegen lassen. Auf Überwachungskameras war gar keine Spur von dem Auto und die Zeiten von Anrufen auf dem Handy und auch die Fahrtstrecken passten nicht, berichtete der Polizist weiter. Später habe sich gezeigt: Der falsch beschuldigte Unternehmer war zur vermeintlichen Tatzeit auf einer Geschäftsreise im Ausland.
Das alles landete als versuchte Freiheitsberaubung, falsche Verdächtigung und Missbrauch von Notrufen vor dem Schöffengericht. Doch es war nur ein Teil der Anklage gegen den 45-Jährigen. Drei Fälle des Betrugs, Urkundenfälschung sowie die Fälschung beweiserheblicher Daten waren zudem angeklagt. Er orderte Maschinen, zahlte jedoch nie oder bot welche an und lieferte nie. Als Chef von Western Union unterzeichnete er Überweisungen und nutzte zur Glaubhaftmachung seiner Betrügereien sogar die E-Mail-Signatur des Ermittlers, der ihn wegen seiner wirren Millionen-Räuberpistole im Visier hatte.
Volles Geständnis hinter verschlossenen Türen
Im November kam der Mann schließlich in U-Haft, wo er auf den Prozess wartete. Erfahrung mit Gefängnissen hat der Angeklagte ausgiebig: Viermal saß er wegen früherer Taten ein bis auf eine immer sogenannte Vermögensdelikte. Das dürfte womöglich auch der Grund gewesen sein, weshalb Strafverteidiger Shervin Ameri nach einem ersten Rechtsgespräch ein volles Geständnis ankündigt. Das aber legte der 45-Jährige hinter verschlossenen Türen ab – was gestern mehr als eineinhalb Stunden in Anspruch nahm.
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Richter Killinger und die beiden Schöffen beließen es nicht bei einer Bewährungsstrafe, wie der Verteidiger sie forderte. Der Angeklagte wurde zu zwei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Denn: Am Ende des Tages sei es Zufall gewesen, dass kein SEK bei dem falsch Beschuldigten anrückte oder eine Autobahn nach ihm per Polizeihubschrauber abgesucht wurde. Die Räuberpistole, die der Mann allen aufgetischt habe, sei „kein Kavaliersdelikt“. Schwerer aber wiege sein Vorleben und neue Straftaten, obwohl er unter Bewährung gestanden habe.