Mann (30) aus Kallmünz vor Gericht: 47 Gigabyte Kinderpornos für unter 150 Euro

Ein Fall in der Oberpfalz gewährt tiefen Einblick in Pädophilen-Netzwerke. Ein Mann aus dem Landkreis Regensburg kauft Tausende Videos und Bilder wie bei Amazon – und teilt das Material auch in Chats. Vor Gericht gibt er sich schmallippig, gesteht aber. Weil er bereits in Theapie ist, muss er nichts ins Gefängnis.
Tausende Kinderpornos der übelsten Sorte hortet ein 30-Jähriger auf seinem Smartphone. Was Ermittler auf dem Gerät des Kallmünzer finden, gewährt tiefe Einblicke in die dunkle Welt des skrupellosen Geschäfts mit dem Leid von Kindern. Per Telegram-Chat ordert der Angeklagte die Bilder und Videos, zahlt in Dollar per Paypal und bekommt die Links zu „Mega.nz“, einer einschlägig bekannten Plattform für Datenaustausch – der Mann, der sich als „Xtreame“ in der vermeintlich Anonymität des Internets versteckte, bekam nun die Quittung vom Schöffengericht.
Knapp zwei Jahre lang, sind sich Ermittler sicher, war der Mann in pädophilen Kreisen aktiv. Ende 2023, innerhalb von gerade elf Tagen, deckte er sich mit neuem Material ein, das abartiger kaum sein könnte. Die Videos und Bilder zeigen sexuelle Handlungen an „sehr jungen Mädchen mit sechs Jahren und noch darunter“, so Staatsanwältin Dr. Blankenhorn. Der Weg, wie der 30-Jährige an diese Daten kommt, ist fast so simpel wie eine Order bei Amazon. Fast 4500 Dateien bestellte er im Chat, bezahlte und erhielt dann Links zum Herunterladen.
Antworten gab es unter Ausschluss der Öffentlichkeit
Was Ermittler der Regensburger Kriminalpolizei letztlich bei ihm finden, ist vermutlich nur ein Teil. Bis 2021 datiert das Material zurück. Nicht alles, was er einst nachweislich lud, war auf Geräten zu finden. Was die Anklage gegen den 30-Jährigen umfasste, reichte aber auch so. Die Daten belegten zudem, dass er auch selbst Kinderpornos in Chats verbreitete. Vor Gericht ließ er Strafverteidiger Andreas Kaiser alle Vorwürfe vollumfänglich einräumen. Fragen jedoch würden von ihm selbst nur hinter verschlossenen Türen beantwortet. So kam es: Die Einlassung erfolgte unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Aufgeflogen war der Kallmünzer, weil ein Chat-Anbieter seine IP-Adresse an die Behörden weitergab. Diese individuelle Nummer führte zum Vater des Mannes, der sich am Freitag vorm Schöffengericht in Regensburg verantworten musste. Auf Fragen von Richter Charitopoulos antwortete der 30-Jährige nur knapp mit Ja oder Nein; weitere Worte kamen kaum aus ihm heraus. Den neuen Arbeitsvertrag und Bescheinigungen der psychiatrischen Ambulanz „Kein Täter werden“, wo er sich unmittelbar nach dem Zugriff der Kripo anmeldete, legte sein Anwalt vor und erläuterte sie. Mehr als 50 Sitzungen gab es bisher und sie laufen weiter.
Geldauflage von 5000 Euro für vierjährige Bewährung
Das nämlich machte ihm das Gericht zur Auflage – obgleich die Anklage keine Zweifel hatte, warum er die Therapie begann: „Weil er hofft, dass am Ende des Tages hier keine Haft steht.“ Das ging auf: Richter Charitopoulos verhängte ein Jahr und zehn Monaten auf Bewährung gegen den Kallmünzer. Er muss je 2500 Euro an THEO und den Kinderschutzbund bezahlen. Die hohe Zahl inkriminierter Inhalte, „zum Teil knallharte Kinderpornografie“ wertete man zu seinen Lasten.
Das könnte Sie ebenfalls interessieren: Kollegen von angeklagtem Pfleger in Regensburg von Fotos „extrem schockiert“
Das Urteil wurde noch im Sitzungssaal rechtskräftig. Staatsanwaltschaft und Verteidigung verzichteten auf die Einlegung von Rechtsmitteln. Damit steht der Mann ab sofort unter Bewährung.