Endlich rollen die Bagger: Das Kreativareal am Regensburger Hafen wird die ganze Stadt inspirieren

Von Marion Koller · 7. Mai 2026 um 09:00

Zwei mächtige Getreidehallen des Stadtwerks Regensburg verwandeln sich in Ateliers und Werkstätten für die Kreativwirtschaft. Der Kulturwissenschaftler Sebastian Knopp von der Stadt zieht die Fäden im Kreativquartier. 2027 kommen die ersten Mieter, vom Industriedesigner bis zur Bloggerin. Später soll auch das denkmalgeschützte Stadtlagerhaus einbezogen werden.

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In seinem Containerbüro bei den Auweg-Hallen streicht Sebastian Knopp mit der Hand über eine minimalistische, schwarze Kaffeemaschine. „Die Regensburger Industriedesigner von Formate/S haben sie für den Hersteller Nivona entworfen“, sagt er. Die junge Firma will wachsen und deshalb von der Innenstadt ins künftige Kreativareal am Hafen ziehen. Formate/S ist einer von rund 100 Interessenten. Seit Mittwoch rollen die Baumaschinen auf dem Grundstück am Auweg. Sebastian Knopp, Chef der Regensburger Kreativbehörde, lenkt das Projekt mit seinem Team.

Herr Knopp, warum braucht Regensburg ein Kreativareal?

Sebastian Knopp: Die Stadt ist überzeugt, dass sie die Kreativen als Partner für die Zukunft und als Innovationsbranche braucht. Aktuell verlieren wir die Kreativen, zum Beispiel an der OTH ausgebildet, zu oft an andere Städte. Wir wollen, dass die jungen Leute hier gründen und wachsen. Und dass sich Etablierte weiterentwickeln können.

Deshalb brauchen wir bezahlbare Arbeitsräume, die inspirieren, in denen vernetzt gedacht und produziert wird. Und, schauen Sie sich nur um, Räume, die inspirieren (Knopp deutet auf den alten Dachstuhl und beschreibt mit einer ausladenden Armbewegung die Weite der Halle). Wir schaffen die Rahmenbedingungen, damit innovative Produkte hergestellt werden.

Die zwei Hallen des Stadtwerks bieten 6000 Quadratmeter für Arbeit, Produktion und Veranstaltungen. Welche Berufe werden einziehen und welche Veranstaltungen schweben Ihnen vor?

Die Reihe beschäftigt sich mit spannenden Menschen aus der Region Regensburg - Foto: MZ-Infografik

Knopp: Beispielsweise Mode- und Industriedesign, Werbeagenturen, der Games-Bereich, Filmschaffende, die Musikwirtschaft mit Tonstudios, aber auch die Presse mit selbstständigen Bloggern. Zu den Veranstaltungen: Wir haben Formate im Degginger wie Konferenzen zu Künstlicher Intelligenz (KI) oder Stadtentwicklung, die dort den Rahmen sprengen. Das können wir künftig hier abdecken. Spannend wird es, Veranstaltungsformate mit den Mieterinnen und Mietern zu entwickeln.

Wie viele neue Jobs könnten langfristig herausspringen?

Knopp: Das ist schwer zu beziffern. Es ist klar, dass sich die Firmen hier entwickeln werden. Dann schaffen sie Arbeitsplätze. Übrigens sind heute schon mehr als 500 Unternehmen aus dem Kreativbereich in Regensburg tätig.

In den Hallen waren einst Getreidelager. Nach dem Stadtratsbeschluss vom Sommer 2025 werden sie nun für 12,36 Millionen Euro umgebaut. Die Pläne an der Wand des Containerbüros zeigen eine sehr ansprechende Planung.

Knopp: Eine der Hallen wird unterteilt, die zweite geöffnet. Gewisse Wandöffnungen sind nötig – ebenso Unterteilungen für den Brand- und Schallschutz. Industrierolltore werden viel Licht reinlassen. Die Atmosphäre wird von gemütlich bis industriell reichen. Eine Halle wird den Ankunftsort des Areals markieren – mit Infopoint, Gastronomie, Ausstellungsflächen und Aufenthaltsbereichen. Auch sind Werkstätten, Ateliers, Büros und Workshopräume geplant. Im zweiten Quartal 2027 werden die ersten Mieter einziehen.

Eine Gastronomie wird eröffnen, zunächst nur für die vor Ort Arbeitenden.

Knopp: Es haben mehrere Röstereien Interesse bekundet. Anfangs könnten Kaffee und Sandwiches aus einem Container serviert werden. Es ist ein bewusster Prozess: Das Areal darf entstehen. Schritt für Schritt. Natürlich ist langfristig das Wohnviertel herzlich willkommen.

Die Hallen sind beschlossene Sache. Schön wäre in einem nächsten Schritt die Aktivierung des alten Stadtlagerhauses, das das Stadtwerk im Erbbaurecht hat, aber dem Hafen gehört. Ist der Erbpachtvertrag inzwischen über 2035 hinaus verlängert worden? Vorgesehen wäre ja eine Brücke zu dem Industriedenkmal.

Knopp: Noch nicht, aber die Verhandlungen sind laut Gesamtprokurist Mathis Broelmann vom Stadtwerk weit fortgeschritten. Für die Nutzung des Stadtlagerhauses müssen noch weitere Voraussetzungen geschaffen werden. Das Stadtwerk braucht einen Planungsauftrag vom Stadtrat. Wenn wir dann wissen, was es kostet, muss die Politik beschließen. Parallel zur Mittel-Entscheidung muss der Erbbaurechtsvertrag verlängert werden. Wir sind zuversichtlich. Wenn das alles kommt, ist die Brücke die Verbindung.

Es haben sich viel mehr Kreative beworben, als Sie aufnehmen können. Wie wählen Sie aus?

Knopp: Das Areal ist ein Ökosystem – in der Verknüpfung liegt die Kunst: Du brauchst die Rebellin, die im Kopf in neue Welten vordringt, den Handwerker, der Maschinen und Material einbringt, aber auch etablierte Unternehmen wie das Architekturbüro oder einen Verlag. Und natürlich liegen uns junge Gründende, die wachsen wollen, besonders am Herzen.

Der Firma Formate/S etwa fehlen Werkstätten, wo Modelle der Produkte vor Ort gebaut werden können. Alle, die diese Vielfalt an Kompetenzen und Expertisen suchen, sind perfekt für uns, damit wieder Neues entsteht. Wir haben die Aufgabe, die richtigen Menschen zusammenzuführen. Bei uns kann man sich jederzeit melden.

Am Auweg treffen Gewerbe, Bordelle, Hafen und Kreative zusammen. Warum ist das auch ein Stadtentwicklungsprojekt?

Knopp: Kreative stellen sich die Fragen, die sich auch Städte stellen: Wie gehen wir mit dem Fachkräftemangel um, wie sieht die Mobilität von morgen aus? Wie bringen wir Nachhaltigkeit in die Massenproduktion? Und wie wollen wir künftig unsere Quartiere bauen und gestalten? Das Areal wird Impulse in das Quartier und die Gesamtstadt entsenden.

Was treibt Sie an?

Knopp: Ich will Visionen entwickeln und Menschen begeistern, mitzugehen. Je unmöglicher etwas erscheint, desto mehr beiße ich mich fest. Ich denke, die neue Konstellation im Rathaus ist offen für vieles – man spürt Tatendrang. Wir stehen vor großen Herausforderungen. Einen Vorsprung werden die haben, die KI mit Kreativität verbinden

Wann können die Regensburger das Areal kennenlernen?

Knopp: Wir machen regelmäßig Führungen. Die Termine sind auf kreativbehoerde.de zu finden. Ab Juni werden wir dort zusammen mit dem Stadtwerk laufend über den Baufortschritt informieren.

Kind und Hund

Macher: Sebastian Knopp ist Kulturwissenschaftler und Soziologe. Der 42-jährige Regensburger ist verheiratet, hat einen Sohn – und geht gern mit Promenadenmischung Nala spazieren.

Experten: Mit ihrem Fachwissen haben Mathis Broelmann, Kaufmännischer Leiter des Stadtwerks, und Eva-Maria Morel, Projektleitung Kreativareal, zum Gespräch beigetragen. Broelmann hat gezeigt, dass nachhaltig gebaut wird, auch mit Fensterglas aus der Prinz-Leopold-Kaserne. Zusammen haben sie die Hallen vorgestellt.

Das Interview führte Marion Koller