Hochburg der Kreativität: Coworking-Space „die Vurte“ eröffnet am Further Stadtplatz

Von Mittelbayerische Zeitung · 6. Mai 2026 um 19:00

Der Coworking-Space „die Vurte“ in Furth im Wald im Landkreis Cham soll ab Ende Mai ein Ort für jeden sein, der zusammenkommen und -schaffen möchte. Inhaberin Lisa Schinabeck aus Döbersing wagt mit ihrem Projekt den Schritt in die Selbstständigkeit und lädt kreative Köpfe zu sich ein.

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„Selbstständige oder die, die es noch werden wollen. Menschen mit Geschäftsideen und eigenen Projekten, Studierende, Kreative. Einfach Leute, die was machen und starten wollen und dafür gerne eine Plattform hätten“ – so definiert Lisa Schinabeck ihre Zielgruppe. Ihr Projekt „die Vurte“ am Stadtplatz in Furth im Wald ist mehr als eine Coworking-Fläche.

„Vurte“ hat mit der Geschichte der Stadt zu tun. Unter diesem Begriff kannte man Furth früher als Handelsziel auf dem Weg zwischen Prag und Nürnberg. Es war ein Ort für Zusammenkunft, Bewegung und Austausch. Passend also für das, was die Döbersingerin auf die Beine stellt. Das Projekt ist in der Aufbauphase, doch Ende des Monats steht die Eröffnung an. Am 29. Mai lädt sie zum „Freundeskreis – Spieleabend“ ein. „Herein, herein und macht euch breit“, heißt es.

Ein Anfang, die Leerstände zu verringern

„Die Vurte“ durfte Mitte März offiziell in die ehemalige Apotheke einziehen. Seitdem ist die Selbstständige am Renovieren und Einrichten. „Ich kenne das Gebäude noch aus meiner Kindheit“, erzählt Schinabeck, während sie in ihrem mit Farbe bekleckerten Outfit auf einem Sessel zwischen Heimwerker-Equipment thront und ihr Werk betrachtet, das sich über zwei Stockwerke erstreckt. Die gelernte Wellnesskosmetikerin hat ihre Kindheit und Jugend im Landkreis verbracht und gerne ihre Oma in Furth besucht, bevor sie in die Welt hinausgezogen ist. „Ich mache das auch ein wenig für mein jüngeres Ich“, sagt sie. „Ich war hochkreativ und hab immer anders gedacht. Als Kind hätte ich gerne einen Platz dafür gehabt. Den schaffe ich nun eben selber. Damit möchte ich auch den Grundbaustein für vieles außenrum legen. Vielleicht werden immer mehr leerstehende Gebäude hier wieder bezogen und genutzt“, hofft Schinabeck.

Im Coworking-Space sollen Arbeitsflächen entstehen, an denen gelernt und geschaffen werden kann. Neben Teeküche und Gemeinschaftsbereich entstehen Privatbüros und Behandlungsräume. Das Besondere an der Vurte? „Man kann sich ausprobieren“, so Schinabeck. „Viele, die sich beispielsweise mit Massagen oder anderen Praktiken selbstständig machen wollen, können sich nicht direkt eine eigene Praxis leisten. Hier können sie für ein paar Stunden im Monat einen Behandlungsraum mieten und dort einfach mal machen.“

Einrichtung im südostasiatischen Stil: Der große Praxisraum ist fast fertig - Foto: Hannah Hötzl

Einen Teil der Vurte nehme ein kleiner Shop ein. Dort sei Platz für den Verkauf von handgemachter Keramik, Deko, lokalen Produkte, Kräutern und vielem mehr. Regalplätze könne man auf unterschiedlichste Zeit anmieten. „Es soll außerdem als Anlaufstelle dienen“, erklärt die Döbersingerin. „Zum Beispiel für Menschen, die sich selbstständig machen wollen.“

Lisa Schinabeck ist es wichtig hervorzuheben, dass die Vurte für alle zugänglich sei: „Jeder ist willkommen. Zum Probieren, sowohl für Praktizierende als auch Konsumierende.“

Der bunte Anbau im Hintergarten - Foto: Hannah Hötzl
Alte Schulstühle wieder in Gebrauch - Foto: Hannah Hötzl
"Bauleitung Bärbel" wie Schinabeck die Schaufensterpuppe liebevoll nennt - Foto: Hannah Hötzl
Eine ehemalige Bühnenlampe darf noch einmal Licht spenden - diesmal in der Vurte - Foto: Hannah Hötzl

Sie könne sich gut vorstellen, Lern-Events für Schüler und Studenten zu planen. „Vielleicht könnten Ferienprogramme für Kinder angeboten werden“, denkt Schinabeck. „Auch Musikabende wie Vinyl-Sessions kann ich mir gut vorstellen. Oder Theater und Kabarett.“

Außerdem kämen einige Kurse, Workshops und Vortragsreihen auf die Further und alle Interessierten zu. Wichtig seien der Inhaberin vor allem Projekte im Bereich der Körperkunde und Frauengesundheit. Sie habe jahrelang Erfahrung in einer Tanzcompany gesammelt und biete beispielsweise Mobilitätskurse an. Vor kurzem habe sie ihr erstes „Babyblessing“ für Schwangere durchgeführt. Das Angebot reicht von Massagen bis zu Energiearbeit. Sie betont, dass dies jedoch nichts Spirituelles sei, sondern es um die Harmonie im Körper ginge. „Ich möchte den Frauen einen Raum für sich geben, in dem sie sich fallen lassen zu können. Es gibt auch zeremonielle Praktiken wie eine Fußwaschung oder was mir besonders am Herzen liegt: Räucherungen“, so Schinabeck.

Aber wie startet man in die Selbstständigkeit? „Natürlich war es eine Herausforderung.“, sagt die Döbersingerin. „Aber für mich war es damals ein sehr natürlicher Schritt.“

Die Vurte war für Lisa Schinabeck eine Möglichkeit zur beruflichen Neuorientierung. Zuvor war sie unter anderem im Office-Management der Landesgartenschau tätig. Nach zwölf Jahren in der Gastronomie und fünf Jahren in München wollte sie etwas Eigenes kreieren. „Ich bin gerne wieder auf dem Land und möchte die Vielfalt, die ich in der Welt kennenlernen durfte, mitbringen.“

„Wie genau möchte ich das machen?“ war also die Frage, denn die Grundmotivation für die Selbstständigkeit sei schon lange dagewesen. „Mir hat nur noch der Mutschubser gefehlt. Da ist mir im Sommer die ehemalige Apotheke ins Auge gefallen“, erklärt sie. Im August 2025 habe sie den Beschluss gefasst. Danach habe sie auch Krisenmomente gehabt.

Am 22. März hielt Lisa Schinabeck ihr erstes Event ab: Den Frühlings-Popup-Flohmarkt. „Es hat unglaublich viel Spaß gemacht“, sagt sie. Auch für den kommenden Spieleabend könne man sich anmelden. Informationen gibt es über den Instagram-Account @dievurtecoworking.

Altes wird genutzt: ein Zeichen für Nachhaltigkeit

Der Flohmarkt stand im Zeichen der Nachhaltigkeit, das zeichnet sich auch bei einem Blick in die Vurte ab. Alte Lampen in bunten Farben, rote Kinosessel und selbst gebaute Sitzeinheiten schmücken zwei Stockwerke aus. Auch der Garten im Hinterhof könne genutzt werden. Die Vurte sei „ein buntes Potpourri“, sagt die Selbstständige. „Sie spiegelt so ein bisschen meinen Lebenslauf wieder. Viel von mir selbst ist in dieses Projekt geflossen.“

Wissenswertes zur Vurte

■ Öffnungszeiten: Montag bis Samstag von 8 bis 18 Uhr, jedoch – je nach Veranstaltung – abends mit flexiblem Ende. Sonntag optional. Es soll eine automatische Schließanlage geben, wodurch man die Vurte nach Absprache mit einem Code betreten kann.

■ Veranstaltung: Am 29. Mai findet der Spieleabend für acht Euro pro Person statt.