Ein Urgestein der Kommunalpolitik im Kreis Schwandorf: Hans Prechtl bleibt aktiv

Von Vanessa Ebert · 7. Mai 2026 um 11:00

Der Beginn der neuen Wahlperiode brachte für den Stullner Kommunalpolitiker Hans Prechtl (CSU) große Veränderungen mit sich – in vertrautem Fahrwasser bleibt er aber dennoch. Nach 24 Jahren als Bürgermeister trat er bei der Kommunalwahl im März in seiner Heimatgemeinde Stulln nicht mehr an. Als Kreisrat bleibt er der Kommunalpolitik aber weiterhin treu. Zudem will ihn die CSU als Stellvertreter des Landrats vorschlagen. Auch beruflich steht für den 64-Jährigen kurz vor der Pensionierung ein Wechsel an. Im MZ-Interview blickt Prechtl auf mehrere Jahrzehnte zurück.

Mit 40 Jahren wurden Sie im Jahr 2002 zum Stullner Bürgermeister gewählt und blieben es über vier Wahlperioden hinweg. Nach Maximilian Beer aus Schwarzhofen belegen Sie im Landkreis den Platz zwei, was das Dienstalter eines Bürgermeisters angeht. Doch wie fing alles an – warum wollten Sie Bürgermeister werden?

Hans Prechtl: Sicherlich spielt auch der familiäre Hintergrund eine Rolle. Mein Großvater Franz war nach Kriegsende der erste demokratisch gewählte Bürgermeister in Stulln. Seit ich mit 20 Jahren JU-Ortsvorsitzender wurde, nahm ich regelmäßig als Zuhörer an Gemeinderatssitzungen teil, das hat mich interessiert. Dazu kommt meine berufliche Prägung. Als Diplom-Verwaltungswirt (FH) war ich rund 20 Jahre im Gemeindereferat am Landratsamt Regensburg tätig, bevor ich ans Landratsamt Schwandorf wechselte. Außerdem war ich schon immer gern ehrenamtlich im Ort und seinen Vereinen engagiert.

Welche Eigenschaften muss ein Bürgermeister aus Ihrer Sicht mitbringen?

Prechtl: Verantwortungsbewusstsein, Augenmaß und Leidenschaft. Erfahrung und Sachkompetenz schaden auch nicht (er schmunzelt). Darüber hinaus muss man auch dicke Bretter bohren können, um einen Weg auch gegen Widerstände zu beschreiten, wenn man ihn für richtig hält.

Fällt Ihnen der Abschied aus diesem Amt schwer?

Prechtl: Etwas Wehmut schwingt dabei schon mit. Doch ich habe 24 Jahre lang nur nach dem Terminkalender gelebt. In vielen Wochen waren sechs und manchmal auch sieben Abende dem Bürgermeisteramt gewidmet. Durch meine Frau und unsere Enkel erkenne ich: Es gibt auch ein Leben außerhalb von Beruf und Politik. Ich bin jetzt 64 Jahre alt und es war an der Zeit, das Amt in jüngere Hände abzugeben. Mit Stefan Wittmann hat es auch einen geeigneten Bürgermeisterkandidaten aus den Reihen der CSU gegeben, der dann aber knapp unterlag. Das Bürgermeisteramt habe ich bis zum letzten Tag ausgefüllt, habe Termine absolviert, die mir am Herzen lagen.

Welche Termine waren das genau?

Prechtl: Als Bürgermeister habe ich auch Trauungen vollzogen. Das waren immer auch besondere Termine. Die letzte war am 25. April, meine 68. Trauung. Auch die öffentliche, wöchentliche Bürgersprechstunde in Stulln habe ich an meinem letzten Tag, am 30. April, noch angeboten. Diesen Termin habe ich auch immer als eine Facette der Bürgernähe verstanden, neben dem Besuch von Vereinsversammlungen und Terminen auf Baustellen. Im Rathaus Schwarzenfeld war ich drei bis viermal pro Woche präsent.

Was waren die größten Meilensteine in Ihrer Zeit als Bürgermeister?

Prechtl: In Straßennetz, Krippe und Schule wurde während meiner gesamten Amtszeit massiv investiert. Aber wenn ich etwas herausgreifen soll, war das beispielsweise die Bahnunterführung in Brensdorf, schon kurz nach meiner Amtseinführung 2002. Ursprünglich wollte die Bahn 17 Brücken zwischen Regensburg und Hof bauen, am Ende wurden die Gelder – nach den Schäden durch das Elbehochwasser – aber umgeschichtet. Der Brückenbau war schon eine Meisterleistung, weil das Zeitfenster dafür sehr eng war. Daran habe ich auch eine besonders schöne Erinnerung: Als die Pfeiler eingehoben wurden, hatte sich die Dorfgemeinschaft dort versammelt und gemeinsam ein schönes Fest gefeiert.

Gab es auch negative Aspekte in Ihrer Amtszeit?

Prechtl: Ich habe auch erlebt, massiv angefeindet und beleidigt worden zu sein. Gerade auch von Menschen, denen ich vorher geholfen habe. Ich hatte aber keine schlaflosen Nächte und habe das an mir abprallen lassen. Im Übrigen habe ich mich in schwierigen Phasen immer an Franz Josef Strauß erinnert, der einmal sagte „Everybody's Darling is everybody's Depp“.

Zum 1. Mai sind sie zur Regierung der Oberpfalz gewechselt. Am Landratsamt Schwandorf hatten Sie zuvor viele Aufgaben. Als Pressesprecher waren Sie zum Beispiel Teil der Führungsgruppe Katastrophenschutz während der Corona-Pandemie. War das eine besondere Herausforderung?

Prechtl: Corona war sicherlich eine Zeit lang das beherrschende Thema. Täglich mussten sämtliche Medien mit Corona-Updates beliefert werden. Aber wenn Sie meine Aufgaben als Pressesprecher ansprechen, gab es da Zeiten, die noch herausfordernder waren. Etwa, als die Keulung der Tiere in Höllohe veranlasst werden musste. Das sind stark emotional aufgeladene Themen.

In dieser Wahlperiode vertreten Sie den Landkreis Schwandorf als Kreisrat und wurden zudem von der CSU als stellvertretender Landrat vorgeschlagen. Welche Themen liegen Ihnen bei Ihrer Arbeit am Herzen?

Prechtl: Ich hoffe sehr, dass der neue Sitzungssaal gebaut wird. Denn aus dem Alltag im Landratsamt kann ich berichten, dass mehr Besprechungsräume gebraucht werden, diese sind ebenfalls Teil des Gesamtkonzepts. NNatürlich sind das Kreisstraßennetz mit der Entschärfung von Unfallschwerpunkten und die Ertüchtigung unserer Schulen wichtig. Auch dem Seniorenprogramm messe ich große Bedeutung bei.

Zur Person: Hans Prechtl

• Stulln: Geboren wurde Hans Prechtl 1962. In seiner Heimatgemeinde Stulln war er von 2002 bis 2026 Bürgermeister. Zuvor hatte er sich dort bereits im Gemeinderat sowie als zweiter Bürgermeister engagiert.

• Kreistag: 2014 wurde Prechtl schon einmal in den Kreistag Schwandorf gewählt, den er nach einigen Monaten aber verlassen musste, als er Büroleiter des Schwandorfer Landrats Thomas Ebeling wurde. Zuvor hat er 30 Jahre lang am Landratsamt Regensburg unter drei amtierenden Landräten gearbeitet.

• BEMO: Seit ihrer Gründung im Jahr 2011 ist Hans Prechtl auch in der BEMO aktiv. Von 1991 bis 2015 war er zudem Geschäftsführer des Regionalen Planungsverbands Regensburg.