Über acht Kilo Drogen verkauft: Mann aus Kreis Kelheim steht fünf Jahre später vor Gericht

Von Jochen Dannenberg · 6. Mai 2026 um 11:00

Es geht um viel vor dem Landgericht Regensburg. Wegen Drogenhandels im Landkreis Kelheim musste sich ein Dutzend Personen in mehreren Verfahren verantworten. Im vermutlich letzten Verfahren dieser Serie muss sich ein junger Mann aus dem südlichen Landkreis Kelheim verantworten. Mehr als acht Kilogramm Marihuana und Amphetamin soll er verkauft haben.

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Fünf Fälle hat die Staatsanwaltschaft aufgelistet. Vor allem Marihuana hatte der 27-Jährige den Ermittlungsbehörden zufolge verkauft – innerhalb von drei Monaten. Alle Fälle haben sich im Frühjahr 2021 zugetragen. Erst an diesem Montag begann der Prozess vor der 9. Strafkammer am Landgericht Regensburg.

Strippenzieher ist wieder auf freiem Fuß

Dort musste sich vor drei Monaten der Strippenzieher, ein 26-Jähriger, der ebenfalls aus dem Landkreis Kelheim stammt, verantworten. Auch er war im Frühjahr 2021 als Dealer aktiv gewesen. Im April 2021 soll er 20 Kilogramm Rauschgift für 94.000 Euro gekauft haben. Die Drogen dürften einen Straßenwert von etwa 200.000 Euro gehabt haben.

Mitte Mai 2021 verhaftete die Polizei den Mann, er kam kurzzeitig in Untersuchungshaft. Insgesamt soll er rund 180.000 Euro mit seinen Drogengeschäften verdient haben. Ebenfalls im Mai 2021 flog der jetzt angeklagte 27-Jährige auf.

Die Polizei holte ihn im Haus seiner Eltern aus dem Bett. Stundenlang hatten die Polizisten das Haus observiert, dann waren sie sich sicher, dass im Haus Ruhe herrschte und kein Widerstand zu erwarten war. Ein Schlüsseldienst öffnete geräuschlos die Haustür, dann wurde der junge Mann festgenommen. Auf seinem Handy fanden die Beamten weitere Hinweise zu möglichen Deals. Wer und was gehandelt worden war, blieb jedoch unklar.

Ermittler fanden Notizbuch beim mutmaßlichen Strippenzieher

Das war auch gar nicht mehr nötig, denn den Ermittlern war bei dem mutmaßlichen Strippenzieher ein Notizbuch in die Hände gefallen. Darin hatte der 26-Jährige eingetragen, wer welche Mengen bekommen hatte, wer bei ihm noch Schulden hatte und wie die Klarnamen, der meist nur mit Alias-Namen bezeichneten Kunden lauteten.

Trotzdem wollte der Angeklagte im Verfahren am Montag sich nicht zu den Tatvorwürfen äußern. „Vorerst“, wie sein Verteidiger, Rechtsanwalt Santosh E. Gupta aus München, betonte. Zu seinen persönlichen Verhältnissen äußerte er sich dagegen freimütig. Danach haben sich die Lebensumstände des 27-Jährigen deutlich geändert. Er ist „seriös“ geworden, arbeitet in einer Automobilfabrik, hat eine Familie und stottert gerade einen Kredit ab, mit der er die neue Wohnungseinrichtung bezahlt hat. Die Kinder seines Sohnes, sagte der Vater gegenüber dem Reporter dieser Zeitung, „sind unsere Prinzen“.

Der Angeklagte mit seinem Verteidiger bei einer Verhandlungspause im Gerichtssaal - Foto: Jochen Dannenberg

Und Drogen, erfuhr das Gericht, nehme er nur noch in medizinisch verordneten Dosen, beteuerte der 27-Jährige vor den 9. Strafkammer. Er leide unter Rückenschmerzen, erklärte der. Deshalb habe er zunächst Ibuprofen gegen die Schmerzen eingenommen. Sein Arzt habe ihm jedoch medizinisches Cannabis per Rezept verordnet.

Wäre da nur nicht das leidige Gerichtsverfahren wegen mehr als acht Kilo Drogen. Versuche, das Verfahren durch ein umfängliches Geständnis abzukürzen, sind bisher gescheitert. Im Fall des zu Jahresbeginn verteilten Komplizen führten die Rechtsgespräche auch dazu, dass der 26-Jährige längst wieder auf freiem Fuß ist. Er soll seinen Lebensunterhalt jetzt in einem sehr handwerklichen Gewerbe verdienen.

Rechtsgespräche blieben bisher ohne Ergebnis

Möglicherweise ist das auch ein Weg, der sich im vorerst letzten Verfahren der Serie, dem Prozess gegen den jetzt angeklagten 27-Jährigen, eröffnet. Da hatte es nämlich noch am ersten Verhandlungstag den Versuch zu einem Rechtsgespräch gegeben, das allerdings ohne Ergebnis blieb. Wobei das möglicherweise nicht der letzte Versuch war.

Unter Umständen profitiert der Angeklagte auch von dem langen Zeitraum, der seit den Taten vergangen ist. In dem Verfahren gegen den „Boss“ hieß es dazu, dass das Verfahren verschoben wurde, weil andere Prozesse vorgezogen werden mussten. Möglicherweise kommt die Rechtsstaatlichkeit aber auch nach fünf Jahren an Grenzen. Bei der Befragung von Zeugen am Montag zeigte sich, dass die Beamten zum Teil noch sehr präzise Kenntnisse an die Ereignisse im Frühjahr 2021 hatten, sie zum Teil aber längst in anderen Abteilungen beschäftigt oder gar schon in Rente sind, und damit kaum noch Details zu erwarten sein dürften. – Das Verfahren am Landgericht Regensburg wird fortgesetzt.