Goldanlage in Krisenzeiten ist auch im Landkreis Schwandorf immer beliebter

Der Goldpreis hat in den vergangenen Jahren einen Höhenflug hingelegt und immer neue Rekordhöhen erreicht. In den vergangenen Wochen sind die Preise für Edelmetalle dagegen wieder abgerutscht. Die MZ hat nachgefragt, wie Anleger im Landkreis Schwandorf reagieren und welche Rolle diese Anlageform in der Region spielt.
Der Goldpreis erreichte im Frühjahr 2026 neue Höchststände, lag zeitweise bei bei rund 4.500 Euro pro Feinunze. Aktuell notiert der Goldpreis bei rund 3.895 Euro, bleibt damit aber immer noch auf hohem Niveau. Die Ursachen für den Höhenflug der Goldpreise in den vergangenen zwei Jahren macht Bernhard Werner, Vorstandssprecher der VR Bank Mittlere Oberpfalz (MiO), unter anderem an „außerordentlichen Faktoren“ fest. „Große Notenbanken, allen voran China und Türkei, haben das Vertrauen in die Stabilität der Leitwährung Dollar verloren und ihre Dollarbestände abgebaut. Enorm aufgestockt wurden dagegen die Goldbestände“, skizziert der Fachmann die aus seiner Sicht größte Ursache. „Gold ist außerdem immer auch eine Krisenwährung“, erklärt Werner. Im Hinblick auf die Kriege in der Ukraine und seit kurzem auch in Nahost sei Gold für viele Anleger eine sichere Alternative.
Maximilan Meixner ist Wertpapierspezialist bei der Sparkasse Schwandorf und erklärt, warum der Goldpreis nach einem Allzeithoch dann im März spürbar unter Druck geriet: Ausschlaggebend seien hier insbesondere die steigenden Renditen für US-Staatsanleihen, infolge des Einpreisens von energiepreisbedingt höheren Inflationsrisiken, gewesen. „Die Perspektiven für die eigentlich erwartete geldpolitische Lockerung trübten sich spürbar ein“, sagt Meixner. „Die daraus resultierenden höheren Realzinsen belasteten die Goldnachfrage und sorgen für schwankende Edelmetallkurse“, erklärt der Experte.
Globale Faktoren sorgen für Schwankungen
Auch Matthias Schmidl, Teamleiter Private Banking bei der VR-Bank Regensburg-Schwandorf, spricht ein Zusammenspiel von globalen Faktoren an, die zu den Schwankungen bei Gold und Silber führen. „Geopolitische Unsicherheiten, Inflationssorgen und Währungsschwankungen – insbesondere beim US-Dollar – sind hier maßgeblich“, sagt er. Hinzu kämen kurzfristige Einflüsse durch Aktivitäten an den Terminmärkten.
Vanessa Galos, Teamleiterin Privatkunden Schwandorf, ebenfalls bei der VR-Bank Schwandorf-Regensburg, nennt auch Gründe für die Schwankungen bei Silber. „Während Gold vor allem als sicherer Hafen gefragt ist, reagiert Silber stärker auf konjunkturelle Entwicklungen, da es industriell breit eingesetzt wird“, so Galos.
Edelmetalle sind laut den Finanzexperten auf jeden Fall eine Option bei den Anlegern in der Region. Der Beratungsbedarf zur Goldanlage habe in den vergangenen Jahren spürbar zugenommen, berichtet Bernhard Werner. Er rät Anlegern grundsätzlich bei der Geldanlage nicht dazu, allein auf ein Pferd zu setzen, sondern das anzulegende Vermögen in verschiedene Kategorien zu splitten. Neben einer Liquidität sollte der Vermögensmix aus Zinsprodukten, Aktien- beziehungsweise Aktienfonds und Sachwerten wie Immobilienfonds sowie Rohstoffen, wie eben Edelmetalle, bestehen.
„Ein Edelmetallbestand von fünf bis zehn Prozent des Vermögens sind ein angemessener Richtwert.Bernhard Werner, VR-Bank Mittlere Oberpfalz
„Ein Edelmetallbestand von fünf bis zehn Prozent des Vermögens sind ein angemessener Richtwert“, rät Werner. Maximilian Meixner von der Sparkasse meint, die Frage nach der geeigneten Gewichtung müsse individuell, entsprechend der persönlichen Risikotragfähigkeit und der Kurserwartungen beantwortet werden.
Auf die derzeitigen Entwicklungen würden die Kunden der Sparkasse zum großen Teil gelassen reagieren, beobachtet Meixner. Was man nicht vergessen dürfe, Gold habe seit Beginn des Jahres bis zum April noch bei plus zehn Prozent notiert und stehe seit einem Jahr bei plus 45 Prozent. „Die Anleger im Landkreis handeln überwiegend konservativ und langfristig orientiert“, sagt der Experte.
Langfristige Anlage statt Spekulation
Dass sich mehr Menschen beraten lassen, spürt auch Vanessa Galos: „Bei unseren Privatkunden haben wir in den vergangenen Jahren eine erhöhte Nachfrage nach Edelmetallen beobachtet, die sich aktuell etwas normalisiert“, sagt sie. Auch sie hat die Erfahrung gemacht: Die meisten Kunden würden Gold und Silber als langfristige Anlage und weniger als kurzfristige Spekulation sehen.
Die Frage, wie sich der Goldpreis entwickeln wird, treibt die Anleger derzeit dennoch um. Matthias Schmidl meint dazu: „Eine belastbare Prognose ist aktuell schwierig. Strukturelle Faktoren wie geopolitische Risiken und die Nachfrage nach sicheren Anlageformen sprechen zwar für stabile bis steigende Preise. Allerdings können steigende Zinsen oder ein stärkerer US-Dollar kurzfristig zu Rücksetzern führen.“
Wir gehen davon aus, dass sich die Entwicklung von Gold auch an den globalen Inflationserwartungen von drei Prozent jährlich orientieren wirdMaximilian Meixner, Sparkasse Schwandorf
Wie Maximilian Meixner erklärt, wird Gold die Eigenschaft des Inflationsschutzes zugeschrieben. „Entsprechend gehen wir davon aus, dass sich die Entwicklung von Gold auch an den globalen Inflationserwartungen von drei Prozent jährlich orientieren wird“, sagt er.
Eine „Versicherung“ für Krisenzeiten
Maximilian Schreiner, Inhaber von Juwelier Schreiner in Schwandorf, bietet außer Uhren und Schmuck auch Edelmetalle zu Investmentzwecken an. Er stellt seit einigen Jahren eine gestiegene Nachfrage fest: „Seit der Corona-Krise sind Anlageprodukte wie Goldbarren und Goldmünzen verstärkt ins Interesse gerückt“, erklärt der Unternehmer.
Sorgen über die aktuellen Kriege und eine hohe Staatsverschuldung seien auch bei den Schwandorfern spürbar, so die Erfahrung des Juweliers. Der überwiegend größte Teil seiner Kunden würde Edelmetalle als Versicherung für Krisenzeiten erwerben, erzählt er. Aber auch Spekulanten, die auf kurzfristig gesunkene Goldpreise reagieren, gäbe es mitunter. Schreiner rät jedoch zur langfristigen Anlageperspektive. „Dann sind Edelmetalle als Beimengung im Anlagemix sinnvoll“, sagt auch er. „Der ideale Anteil ist dabei aber individuell, denn jeder hat ein anderes Sicherheitsbedürfnis“, meint der Juwelier.
Auch bei der „Stückelung“ des Goldes komme es auf die Pläne des Anlegers an. „Bei mehreren kleineren Barren fallen Herstellungskosten und Spesen im Verhältnis zu großen Barren stärker ins Gewicht“, so Schreiner. Es gibt jedoch eine Vielzahl an Gründen, warum auch kleinere Stückelungen Sinn ergeben können. Wie sich der Goldpreis entwickeln werde, könne aufgrund der komplexen Mechanismen schwer vorausgesagt werden, meint der Unternehmer. Doch solange weltweite Krisen und die Staatsverschuldung nicht gelöst seien, würde diese Form der Anlage nicht an Attraktivität einbüßen, ist er überzeugt.