Ein Bürgermeister und sechs Stadträte scheiden aus dem Stadtrat Waldmünchen aus

Zur „letzen Sitzung“ der Periode 2020 bis 2026 begrüßte Bürgermeister Markus Ackermann am Mittwoch. Für ihn sei es die „allerletzte Stadtratssitzung“. Denn neben wichtigen Beschlüssen wie zur Sanierung der Jugendbildungsstätte, bestimmte die Verabschiedung langjähriger Stadträte und des Bürgermeisters den Sitzungsverlauf.
Zunächst gratulierte Ackermann seinen Räten für die Ausübung ihres Ehrenamtes in den vergangenen sechs Jahren. Sie hätten „bedeutende Weichenstellungen“ zum Wohle der Stadt getroffen. So ein Ehrenamt sei nicht leicht, weil „Verantwortung nie leicht ist“, sagte Ackermann. Deswegen werde es immer schwieriger, Kandidaten für den Stadtrat zu finden. Deswegen habe er großen Respekt vor der Arbeit der Stadträte, die auch durch Anfeindungen belastend sein könne.
Der Start in die Sitzungsperiode sei 2020 durch Corona schwierig gewesen. Man müsse sich nur an die Sitzungen in der Dreifach-Turnhalle auf Abstand erinnern. Trotzdem habe man dies gut gemeistert. Anschließend erinnerte Ackermann an die Projekte, die man n sechs Jahren abgeschlossen habe. Er zählte auf: Kläranlagen, Breitbandausbau, die Ortsdurchfahrt Geigant, der Kauf diverser Feuerwehrfahrzeuge, die Sanierung der Schulen und der Bau der Ganztagesbetreuungen sowie die Einrichtung von Kindergärten wie dem Haus der kleinen Wunder. Dies alles sei gemeinsam und ohne „den Ansatz einer Diskussion“ geschehen.

Der Stadtrat habe auch mit der Schaffung von öffentlichen Plätzen zum Beispiel beim Spital oder künftig am Saubrunnenplatz das Stadtbild verändert und „Waldmünchen ein neues Gesicht gegeben“. Man habe gemeinsam Straßen saniert, den Perlsee zeitgemäß umgestaltet und mit dem Johannisbühl ein Baugebiet für die Zukunft geschaffen. Der Bauhof sei modernisiert und mit neuen Fahrzeugen ausgestattet worden. Ackermann sagte, dass man auch Grundlagen für die zukünftige Entwicklung gelegt habe. Er erinnerte an die Festlegungen zur Photovoltaik und zur Entwicklung der Feuerwehren.Drei Ortssprecher, sechs Stadträte, darunter zwei langjährige, und eigentlich noch sich selbst hatte Bürgermeister Markus Ackermann am Mittwoch zu verabschieden. Er fand für alle lobende und persönliche Worte. Er selbst wurde danach von anderen gelobt und verabschiedet. Jeder der Ausscheider erhielt eben dem Dankschreiben einen Scherenschnitt mit einer Stadtansicht, den Ingrid Balk-Lintl entworfen und Christoph Bulla gefertigt hatte.
„Unglaublich“: Karl-Heinz Hendl 30 Jahre im Stadtrat
„Unglaubliche 30 Jahre“ immer an vorderster Front sei Karl-Heinz Hendl gestanden, sagte Ackermann zum dienstältesten der Stadträte. Als 3. Bürgermeister (18 Jahre lang) sei er auch ihm zur Seite gestand. „Es hat kein Handtuch zwischen uns gepasst“, sagte Ackermann, der die persönliche Freundschaft mit Hendl hervorhob. Hendl dankte, erinnerte daran, dass „unsere Freundschaft nicht gern gesehen war“ und bat den neuen Stadtrat auch auf das zu hören, „was die Leute sagen“.
Das zweite „Urgestein“, wie ihn Ackermann nannte, war Anton Ruhland. Er war zwölf Jahre lang Ortssprecher und 18 Jahre Stadtrat, zudem 30 Jahre im Zweckverband der Jugendbildungsstätte. Ackermann beschrieb ihn als „zuverlässig, besonnen und bestens in der Feuerwehr vernetzt“. Er habe keine Konflikte verscheut, sei dabei aber immer lösungsorientiert und sachlich geblieben. In seinem Schlusswort dankte Ruhland der „guten und kollegialen Zusammenarbeit“ im Stadtrat. Claudia Brückl war sechs Jahre Stadträtin. In seiner Rede ging Ackermann darauf ein, dass er Brückl schon als Schülerin gekannt und sie schon damals viel bewegt habe.
Sebastian Karl habe in seinen sechs Jahren als erster Stadtrat der Grünen Stadtgeschichte geschrieben, sagte Ackermann. Er sei immer „konstruktiv und besonnen“ und „einer von uns“ gewesen.
Als erfolgreichen Unternehmer, der Katzbach im Griff und eine „Bilderbuchfamilie“ habe, apostrophierte Ackermann den nach sechs Jahren aus dem Stadtrat ausscheidenden Stefan Zisler. Ackermann lobte dessen analytische Beiträge.
Klaus Roßmann war sechs Jahre Ortssprecher und sechs Jahre Stadtrat. Roßmann wirke „ruhig und besonnen“, aber „wenn er was im Kopf hat, ist er beharrlich, bleibt aber konstruktiv und argumentiert“, beschrieb ihn Ackermann.
Vogl und Kirsten fast 24 Jahre Ortssprecher
Verabschiedet wurden auch die Ortssprecher Dirk Kirsten und Willibald Vogl. Beide waren 23,5 Jahre Ortssprecher, Kirsten in Höll und Vogl in Ulrichgrün. Jasmin Greil war 5,5 Jahre Ortssprecherin in Herzogau.

Ein „gutes Team“ zu haben, sei für ihn „wahnsinnig beruhigend“ gewesen, sagte Ackermann zu seinem eigenen Abschied aus dem Stadtrat. Er habe sich „100-prozentig unterstützt“ und „nie als Einzelkämpfer gefühlt“. Das „blinde Vertrauen“ habe er „sehr, sehr genossen“. Er danke auch der Verwaltung für den „Rückhalt und die Sicherheit“, die sie ihm als Bürgermeister vermittelt habe.
Die Abschiedsrede auf Ackermann hielt der stellvertretende Bürgermeister Martin Frank. Zunächst wies Frank darauf hin, wie sehr sich Ackermanns Leben beim Wechsel vom Schulleiter zum Bürgermeister geändert habe. Ein Bürgermeister sei 24/7 Ansprechpartner der Bürger. Danach zählte Frank etliche Projekte auf, die in Ackermanns Amtszeit entstanden seien. Sein schwierigstes Projekt habe er aber gleich zu Beginn mit der umstrittenen Verkleinerung des AquaFits umsetzen müssen. Ackermann werde als der Bürgermeister in die Geschichte eingehen, der trotz vieler Bauprojekte die allermeisten Schulden abgebaut habe, nämlich von acht Millionen auf unter 300 000 Euro. Dabei habe er stets auf „überdurchschnittliche Förderungen“ geachtet. Dieses zeige auch ein überproportionaler Anstieg der städtischen Investitionen.
Ackermann sei dabei „stets freundlich“ gewesen, was der zielorientierten Zusammenarbeit im Stadtrat gedient habe. Diese Leistung werde auch noch bei einer Festveranstaltung im Mai gewürdigt werden.
„Echt freundschaftlich“ und mit Menschlichkeit und Ruhe in den Gremien habe Ackermann gewirkt, lobte Wolfgang Kürzinger als dritter Bürgermeister und übergab zusammen mit Frank den Scherenschnitt an Ackermann.
Mit Rührung in der Stimme sagte Ackermann Dank. Er habe die Aufgabe als Bürgermeister als „ehrenvoll empfunden“.