Am 30. gibt Ackermann den Waldmünchner Rathausschlüssel zurück

Von Martin Hladik · 24. April 2026 um 16:30

Die Begegnung auf der Türschwelle des Bürgermeisterzimmers hat Symbolcharakter. Bürgermeister Markus Ackermann kommt gerade zu seinem Interview zum Amtsende – und der Neue, Wolfgang Kürzinger, will das Amtszimmer verlassen, in dem er gerade noch gearbeitet hat. Eine schon beinahe klassische Wechselsituation.

Ziemlich symbolisch ist auch das, was Markus Ackermann als seine vermutlich letzte Amtshandlung beschreibt. Er werde wohl den Schlüssel vom Rathaus von seiner Schlüsselkette nehmen und zurückgeben, genauso wie die Schlüssel zu seinem Dienstwagen.

Und dann? „Jedenfalls nicht die große Freiheit“, sagt Ackermann und zählt ein dickes Bündel an Aufgaben eines Pensionisten auf. Erst einmal sei er mit den Umzügen von allen vier Kindern beschäftigt. „Ich werde Möbelpacker!“ amüsiert sich Ackermann. Im Sommer seien die Franzosen zu Gast, im August kommen die Amerikaner und im September „die Verwandtschaft aus Japan“. Die großen Pläne für Motorradtouren in anderen Teilen der Erde seien aber nur aufgeschoben, beantwortet Ackermann weitere Reporterfragen.

„Für mich war das ein Sprung ins kalte Wasser“

Dass er jetzt nach 16 Jahren als Bürgermeister gehe, erfülle ihn schon mit „ambivalenten Gefühlen“ und mit „Wehmut“. Schließlich sei ihm das Rathausteam „ans Herz gewachsen“. Für seinen beruflichen Werdegang sei er dankbar. Er sei ja ein politischer Seiteneinsteiger und als vorheriger Lehrer und Schulleiter kommunalpolitisch vorher nicht tätig gewesen. Als Bürgermeister habe er für manches einen „ganz anderen Blick und ein anderes Verständnis bekommen“. „Für mich war das ein Sprung ins kalte Wasser.“ Zudem sei er ja ein „Zugereister“, der nicht über die Netzwerke eines Einheimischen verfügt habe.

Sich so viele Netzwerke wie möglich zu schaffen, das sei die Empfehlung, die er allen neuen Bürgermeistern geben könne. Bei seinem Einstieg ins Amt sei er vom Stadtrat und von der Verwaltung „bestens aufgenommen“ worden. Der damalige Neuling sei von der Verwaltung „gebrieft und vorbereitet“ worden. Seitdem habe er „100 Prozent Vertrauen in die Verwaltung“. Und der Stadtrat sei mit ihm „offen und ohne Vorbehalte umgegangen. Dafür bin ich dankbar.“

Ziemlich am Anfang von Ackermanns Amtszeit stand eine seiner schwierigsten Aufgaben: Zusammen mit dem Stadtrat eine Entscheidung für das AquaFit zu finden. Der musste eine Lösung für das damalige Hallenbad finden zwischen Zusperren und alles so lassen. Für Ackermann eine „Sternstunde des Stadtrats“, der trotz vieler Widerstände bis hin zu einem Bürgerentscheid, „geschlossen und solidarisch“ geblieben sei. Aus der heutigen Sicht habe sich die damalige Entscheidung fürs AquaFit in seiner heutigen Form bewährt. Man habe den Deutschen Bäderpreis gewonnen, und Gäste aus der gesamten Region „sind voll des Lobes“.

„Das waren schlaflose Nächte“, sagt Ackermann und entgegnet auf die Frage, ob ihn solche Krisen verändert haben: „Als unerschütterlicher Optimist bin ich auf dem harten Boden der Realität gelandet.“ Die sachliche Entscheidung habe man durchaus gut verteidigen können, aber trotzdem hätten die „Anfeindungen belastet“.

Es habe auch andere schwierige Entscheidungen gegeben, wie den Neuaufbau der Wasserversorgung. „Wenn der Bürger etwas bezahlen muss, dann macht man sich keine Freunde“, sagt Ackermann. Sehr geholfen habe da ein Telefonanruf des Landtagsabgeordneten Dr. Gerhard Hopp. Der habe auf demnächst entstehende Fördermöglichkeiten der RzWas hingewiesen, und Waldmünchen habe sich als Pilotgemeinde bewerben können, was den Bürgern durchaus Geld gespart habe.

Auch die Entscheidung zum Dirrmaler Wirt sei nicht einfach gewesen. Hier müsse er das Engagement des Denkmalamtes hervorheben. Eine schwierige Entscheidung sei auch die jetzige um die Veranstaltungshalle. „Ich hätte das gern abgeschlossen. Aber das ist kein Thema für eine Entscheidung mit der Brechstange. Das muss im Einverständnis geschehen.“

Und damit taucht wieder ein Lieblingsdiktum Ackermanns auf: Das an einem Strang ziehen. Im Stadtrat habe man „partnerschaftlich und kollegial, jenseits aller Parteigrenzen“ gearbeitet. Dieses Miteinander und diesen Teamgeist erlebe er beispielsweise auch beim TV oder bei der Feuerwehr. Er bewundere dieses Engagement für die Allgemeinheit. Seine Sorge sei allerdings, dass diese Solidarität verloren gehen könnte, wenn noch mehr Menschen ihren „Frust und Grant“ ablassen, ohne zu sehen, dass sie selbst Teil dieser Gesellschaft seien. Bei aller Klage über die Bürokratie müssten Bürger ihr eigenes Anspruchsdenken senken. Es werde nötig sein, Eigenverantwortung zu zeigen.

Speziell in Waldmünchen gebe es eine „paradoxe Situation“. Während Fremde oft das Angebot in einer kleinen Stadt bewunderten, „neigt der Waldmünchner dazu , diese Qualität nicht zu sehen“. Dafür gebe es sicher Gründe. Man sei nicht mehr Kreisstadt, man habe kein eigenes Krankenhaus mehr, und es gebe viele weitere Veränderungen, die auch anderswo geschehen seien. Neben der Frage, ob heute so kleine Landkrankenhäuser überhaupt noch sinnvoll seien, „im Vergleich mit anderen Grenzstädten von Hof bis Passau hat sich Waldmünchen tapfer gehalten“, sagt Ackermann

Seinen Teil dazu hat er selbst beigetragen. Glücklich gemacht habe ihn, dass es ihm gelungen sei, „den Bildungsstandort zu optimieren“. Die Schulen seien alle auf einem guten Stand. Es sei ihm mit dem Stadtrat und dank der staatlichen Stabi (Hilfe für finanzschwache Kommunen) auch gelungen, den Schuldenstand der Stadt massiv auf einen Minimalstand zu reduzieren und trotzdem viele Projekte dank guter Förderungen zu realisieren. Dass dieser Spagat geglückt sei, dafür danke er der Regierung, dem Landratsamt und der Verwaltung, die „sehr geholfen haben“.

Die gemeinsame Heimat gemeinsam in Wert setzen

Neben den schon genannten Projekten sei es für ihn wichtig, dass er das Stadtbild „moderner und kommunikativer“ gestalten konnte. Wichtig sei auch die Sanierung der Trencktribüne gewesen. Eigentlich ein Schubladenprojekt, habe sich plötzlich eine Fördermöglichkeit ergeben. Er könne sich noch gut erinnern, wie er bei dem entscheidenden Fördertermin auf Kohlen gesessen sei. Der Zuschlag war ein Glücksmoment, genauso wie der lange Kampf um das Gewerbegebiet, das sich schnell gefüllt habe.

Glücksmomente für ihn sei aber auch die interkommunale und grenzüberschreitende Zusammenarbeit vom Tourismus bis hin zum Aktionsbündnis Cerchov gewesen. Jenseits des Kirchturmdenkens sei das „ein in Wert setzen der gemeinsamen Heimat“ gewesen.