Wolf bei Michelsneukirchen gesichtet – Für Jagdpächter ist er zahm, für Tierpark-Leiterin nicht

Von Marius Göhl · 30. April 2026 um 16:21

„Ganz zahm“ soll er gewesen sein, der Wolf. So lautet zumindest die Einschätzung Jagdpächters des Reviers Sankt Quirin. Auf Feldern im Gemeindegebiet verweilte das Wildtier fast zwei Stunden – „ohne Scheu vor Menschen“. Seitdem wurde das Tier nicht mehr gesehen. Wo sich der Wolf jetzt rumtreibt, ist unklar.

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Auf den ersten Blick habe man erkannt, dass es sich bei dem Tier um einen Wolf gehandelt habe, sagt der Jagdpächter des Reviers Sankt Quirin, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. Doch das Verhalten des Wildtieres warf bei ihm Fragen auf. Er sei am Freitagabend von Jagdgenossen benachrichtigt worden, die den Wolf entdeckt haben.

„Der war total zahm. Am Anfang dachte ich, dass er krank ist und Hilfe braucht. Dann ist er aber wieder näher hergelaufen und wieder weggegangen“, sagt der Jagdpächter. Nicht normal sei das Verhalten gewesen. „Das war keine Neugier, der war zahm.“

Claudia Schuh ist anderer Meinung

Auch Claudia Schuh, die Leiterin des Bayerwald-Tierparks in Lohberg, hat von der Wolfssichtung gehört. Aus ihrer Sicht dürfe man nicht generalisieren. „Nur weil der Wolf mal auf 50 oder 100 Meter an den Menschen herankommt und ein bisschen schaut, ist er nicht gleich zahm“, sagt Schuh. Es hinge viel von der Persönlichkeit und dem Erlernten des Tieres ab. „Jedes Tier ist individuell.“

Der Jagdpächter ist anderer Meinung. Für ihn könnte die Spur sogar in den Tierpark in Lohberg führen. „Das Tier war so an den Menschen gewöhnt“, sagt er. Dieser These schiebt Claudia Schuh allerdings einen Riegel vor. Die Leiterin des Bayerwald-Tierparks versichert, dass alle ihrer Wölfe da sind. „Das müssen wir strikt von uns weisen“, sagt Schuh.

Der aktuelle Aufenthaltsort des Tieres ist unklar. Matthias Alt von der Polizeiinspektion Roding ist keine weitere Sichtung des Tieres seit vergangenem Freitag bekannt. Auch den Jagdpächter des Reviers St. Quirin haben keine erneuten Sichtungen erreicht.

Michelsneukirchens Bürgermeister, Christian Raab, glaubt nicht daran, dass das Tier noch in der unmittelbaren Region ist. „So ein Wolf legt normalerweise zwischen 20 und 40 Kilometer pro Tag zurück. Der Wald bei uns ist jetzt auch nicht so durchgängig. Ich gehe davon aus, dass er eher auf der Durchreise gewesen ist“, sagt Raab.

Autofahrer halten an und filmen

Anziehungskraft bewies das seltene Wildtier in Michelsneukirchen zweifelsfrei. Zwischenzeitlich hielten zahlreiche Autofahrer – aufgrund der unmittelbaren Nähe – und fotografierten und filmten. Den Wolf störte das nicht. „Es ist eine viel befahrene Straße. Jeder Blinde hat gesehen, dass das kein Hund ist. Dann sind die Leute stehengeblieben“, erklärt der Jagdpächter.

Laut ihm haben die Menschen vor Ort nun Respekt und auch Angst. „Ich habe mit Waldarbeitern und Jungjägern geredet. Die haben gesagt, dass die da allein nicht mehr rausgehen“, sagt der Jagdpächter. Bürgermeister Raab sind nach eigenem Bekunden hingegen keine Bedenken der Michelsneukirchener entgegengebracht worden, auch wenn auch bei ihm ein mulmiges Gefühl bleibt.

Es sei natürlich bedenklich, wenn ein Fluchttier zwei Stunden in einem Umkreis von 100 Metern ein bisschen links und rechts läuft und sich nicht am Menschen stört. „Man weiß nicht, ob es schon mal an den Menschen gewöhnt war oder ein Jungtier ist. Es ist einfach komisch, auch weil wir in den letzten zehn Jahren keine Berührungspunkte mit Wölfen hatten“, sagt Raab.

Konkrete Maßnahmen habe man in Michelsneukirchen allerdings nicht ergriffen. Einzig der wöchentliche Waldausflug des Kindergartens der Gemeinde wird vorerst ausfallen. An einen ähnlichen Vorfall kann sich weder der Jagdpächter noch der Bürgermeister erinnern.