Widerstand gegen Carimarkt-Aus in Kelheim – Mutter und Tochter sammeln Unterschriften

Von Beate Weigert · 30. April 2026 um 19:00

Ende 2026 soll der letzte Supermarkt in der Altstadt zusperren. Nach einer gekündigten Teilfläche will die Caritas als Betreiber einen Schlussstrich ziehen. Zwei Kelheimerinnen wollen das nicht so einfach hinnehmen. Sie starteten eine Unterschriften-Aktion. Ist am Entschluss der Caritas noch etwas zu ändern? Wir sprachen auch mit Vermietern und Caritas.

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Erst waberten Gerüchte durch die Stadt, Ende März vermeldete die Caritas, dass der Carimarkt in der Altstadt Ende 2026 schließen werde. Als Grund wurde die Beendigung des Mietvertrags für eine wichtige Teilfläche genannt. Manch Kunde will die Nachricht nicht einfach hinnehmen. Ein Mutter-Tochter-Gespann startete vor knapp zwei Wochen eine Unterschriften-Aktion. Mehr als 800 Leute haben bereits unterschrieben.

Brigitte Rothe und Tochter Victoria wollen das angekündigte Aus nicht so stehen lassen. „Wenn man nichts macht, ist klar, dass zugesperrt wird“, sagt die 61-Jährige. Mitte Mai will das Duo die Unterschriften an Caritas-Führung und neuen Bürgermeister übergeben. Dass allein durch Mund-zu-Mund-Propaganda bereits so viele unterschrieben haben, lässt sie hoffen.

Wichtig für Nahversorgung in der Altstadt

Für sie ist der Markt nicht nur wichtiger Bestandteil der Nahversorgung, er habe auch einen wichtigen sozialen Aspekt, vor allem für Ältere. Brigitte Rothe wohnt nicht weit entfernt. Bis auf Getränke kaufe sie alles im Carimarkt, sagt sie. Zudem schätze sie das Inklusionsprojekt. Wie in Kleiderladen, Holzwerkstatt oder Wäscherei bietet die gemeinnützige Carida GmbH der Caritas Menschen mit Handicap hier Arbeitsplätze. Neben Marktleiterin Ludmilla Weber gibt es vier Mitarbeiter, einen Azubi und eine Zuverdienst-Beschäftigte. Demnächst würden die Kündigungen vorbereitet, schildert Caritas-Vorständin Tina Rosenhammer einen der nächsten Schritte.

Die Gemengelage ist komplex: Mit der MZ trafen sich Caritas-Vorständin Tina Rosenhammer (li.), Marktleiterin Ludmilla Weber sowie die beiden Carida-Betriebs- und Teamleiter Annika Möhring und Stefan Oßner (re.) am Carimarkt in der Altstadt. - Foto: Beate Weigert

Ein Teil der Mitarbeiter – die meisten sind mehr als 15 Jahre dabei – könne noch gar nicht über die Situation reden, so Carida-Teamleiterin Annika Möhring. Auch Ludmilla Weber, die seit 2021 den Markt leitet, fällt der Blick in die Zukunft schwer. Sie wechselte vom klassischen Einzelhandel zur Carida. „Ich habe mich verliebt, ich wusste, wofür ich das hier mache“, sagt die 53-Jährige.

Dass man sich in Kelheim erzähle, die Caritas habe keine Lust mehr auf den Laden, weil er sich eh nicht lohne, trifft die Caritas-Vertreter. „Solche Aussagen tun weh“, sagt Teamleiter Stefan Oßner.

Der hintere Teil des Carimarkts wäre bei einer Verkleinerung weggefallen. Hier hätten alternativ Lager und Kühlung eingezogen werden müssen, heißt es von der Caritas. Dann wäre aber die Verkaufsfläche an sich zu klein ausgefallen. - Foto: Beate Weigert

Nachdem man die Kündigung für die rückwärtige Teilfläche erhalten hatte, habe man lange getüftelt. Eine Überlegung war es, den bestehenden Markt zu verkleinern und ihn künftig von der Altmühlstraße her zu beliefern. Das bestätigt auch der Vermieter dieser Fläche. Laut Oßner wurden zahlreiche Angebote für einen Umbau eingeholt. 90 Quadratmeter der gekündigten Fläche – vom Lager bis zur Kühlung – hätten im bestehenden Markt untergebracht werden müssen. Ein vom Brandschutz geforderter breiter Durchgang hätte die Verkaufsfläche weiter dezimiert.

Auch Bürgermeister Christian Schweiger habe sich sehr engagiert. Er sagt: „Für mich ist der Markt eine Institution. Die Stadt hätte bei allem, was in unserem Bereich liegt, unterstützt.“

Laut Oßner habe man auch über eine SB-Box am nachgedacht. Das sind Mini-Selbstbedienungsmärkte, die man nur mit EC-Karte betreten kann. Da habe aber Rewe nicht mitgespielt. So ein Konzept sei nur als Satellit zu einem Hauptmarkt realisierbar.

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Finanziell sei der Carimarkt schon immer „ schwierig“ zu betreiben gewesen, so Rosenhammer. Meist sei es „gerade so umgegangen“. Der Caritas kam es laut Rosenhammer seit 2005 nicht auf große Gewinne, sondern auf die inklusiven Arbeitsplätze an. Im Aufsichtsrat seien die Finanzen aber schon länger kritisch beäugt worden. Zudem schmälerten immer öfter Ladendiebstähle den Umsatz. Nun komme mit Blick auf eine deutlich verkleinerte Fläche und keine andere Alternative in der Altstadt – der Schlussstrich.

Kurz nachdem die Caritas die Schließung öffentlich machte, kündigte sie auch den Vertrag für den aktuellen Laden. Sehr zur Überraschung der Eigentümer. Man habe sich bei der Miete immer kulant gezeigt und sei davon ausgegangen, dass nach all den Gesprächen auch ein Markt auf verkleinerter Fläche möglich sei, heißt es auf Nachfrage. Sollte sich die Caritas es sich noch einmal überlegen, sei man gesprächsbereit.

Vermieter, der kündigte, schildert seine Sicht

Der Ansprechpartner für die gekündigte Fläche ist das nicht. Hier will man „viel Ärger hinter sich lassen“. Man blicke auf zahlreiche Schäden durch anliefernde Lkws an Gebäude oder Garagen. Die Abwicklung sei jedes Mal langwierig gewesen. Oft über Polizei, Anwalt und Gericht. Nun wolle man ein Ende. Wenn es bei der Caritas einen Ansprechpartner gegeben hätte, der zwischen den Schadensparteien vermittelt hätte, hätte es vielleicht anders ausgesehen. Beim Thema Carimarkt stehe man bei vielen als „der Böse“ da, wenn man seine Sicht schildere, hätten viele aber Verständnis.

Die Caritas bestätigt, dass es seit Längerem Unstimmigkeiten bezüglich Schäden bei der Waren-Anlieferung gegeben habe. Für die sei man aber nicht verantwortlich, sondern die Lkw-Fahrer bzw. deren Unternehmen.

Kelheims neuer Bürgermeister Dennis Diermeier wird oft auf den Carimarkt angesprochen, sagt er. Auch Brigitte Rothe habe ihn kontaktiert. Wenn er im Amt sei, wolle er das Gespräch mit der Caritas suchen. Bleibt abzuwarten, ob sich an der Carimarkt-Schließung noch etwas ändern lässt. Sonst bliebe nur mehr die Abwicklung – und die Unterstützung der Mitarbeiter bei der Suche nach neuen Jobs, so Rosenhammer. Aktuell hofft sie auf einen guten Sommer und dass „uns die Kunden treu bleiben, bis zugesperrt wird“.

Anmerkung: Die Unterschriftenliste liegt im Carimarkt an der Kasse aus.