Die Wiedergeburt einer Idee: Kommt nun eine Fuß- und Radbrücke an den Regensburger Arcaden?

Von Benedikt Baumgartner · 30. April 2026 um 05:00

Ein Steg, der aus dem ersten Stock der Regensburger Arcaden über die Friedenstraße führt, weiter über das Möbelum-Gelände und an der Hangkante an den Mälzereiweg anschließt. Von dort ist der Weg zu den Hochschulen nicht mehr weit und nicht mehr steil. Diese Idee ist seit zehn Jahren tot – scheinbar. Beerdigt wurde sie offenbar in der Stadtverwaltung nie. Nun wird dem Vorhaben frisches Leben eingehaucht.

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Als bei der ÖPNV-Tour des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) und des Stadtwerks eine Pause am Busbahnhof der Universität eingelegt wurde, war eine Fuß- und Radverbindung von den Arcaden zu den Hochschulen Hauptgesprächsthema. Im Nachgang gibt es unter den mitgefahrenen Stadträten keine zwei Meinungen, ob ein solcher Steg für Fußgänger und Radfahrer sinnig und wünschenswert sei.

„Ganz klares Ja“, bringt es Klaus Rappert (SPD) prägnant auf den Punkt. Ohne Kollision mit dem starken Autoverkehr auf Galgenberg- und Universitätsstraße könnten die Hochschulen für Fußgänger und Radfahrer mit der Altstadt verbunden werden – so würde eine Verbindung geschaffen, die seit Jahrzehnten fehlt, wie VCD-Vorsitzender Wolfgang Bogie betont. Das Bruckerl über die Friedenstraße könnte für Fußgänger durch das Obergeschoss der Arcaden führen und an den Steg zum Hauptbahnhof anschließen. Radfahrer könnten ihn am Arcaden-Vorplatz per Rampe oder Spindel befahren.

Das ist eine total sinnvolle Maßnahme.Helene Sigloch, Grünen-Stadträtin

Neben der räumlichen Trennung vom Autoverkehr ließe sich durch den Steg die starke Steigung auf den Galgenberg für Radler und Fußgänger verträglicher gestalten. Autos und vor allem Busse würden weniger mit Radfahrern um Platz an der Galgenbergstraße konkurrieren. „Das ist eine total sinnvolle Maßnahme“, sagt Helene Sigloch (Grüne). „Das steht auf jeden Fall auf meiner inneren Liste.“

Ich habe das Gefühl, dass das Thema gerade ein bisschen an Fahrt gewinnt.Florian Rottke, Brücke-Stadtrat

Unter neuer Stadt-Regierung dürfte das Projekt neue Dynamik erhalten. Das beobachtet Florian Rottke (Brücke) bereits: „Ich habe das Gefühl, dass das Thema gerade ein bisschen an Fahrt gewinnt.“ Auch bei CSU-Stadträtin Dagmar Schmidl hat die Wiedergeburt der Idee Eindruck hinterlassen: „Ich fände es sinnvoll, wenn es sich in einem vernünftigen Kostenrahmen realisieren lässt.“

Grundstücksakquise bleibt Gretchenfrage

Der politische Willen ist das eine, das andere ist die Umsetzbarkeit. Bislang habe der Zeitplan nie gepasst, erläuterte Tanja Flemmig, Leiterin des Stadtplanungsamts, bei der ÖPNV-Tour. Vor allem müssten die Grundstücksbesitzer der Arcaden und der Fläche, auf der Möbelum mit einem langfristigen Mietvertrag angesiedelt ist, mitspielen. „Und dann muss die Stadt bauen wollen und Geld haben“, fügte Rottke an. Flemmig gab sich optimistisch: „Das würden wir hinkriegen. Wenn man es richtig anpackt, sollte man relativ viele Förderungen dafür bekommen.“ Die Haupthürde bleibe die Grundstücksfrage.

Stadt sieht günstige Zeichen wegen Arcaden-Umbaus

Auch hierbei scheint neue Dynamik aufzukommen, wie Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra auf MZ-Anfrage mitteilt: „Aktuell wollen die Regensburg Arcaden ihr Gebäude zukunftsfähig weiterentwickeln.“ Darin sehe die Stadt eine große Chance, um einen Bahnhofsvorplatz Süd zu entwickeln. Aus stadtplanerischer Sicht passe dazu eine direkte Anbindung an die OTH und die Universität – „bestenfalls über einen Steg über die Friedenstraße“. Doch auch von Roenne-Styra schränkt ein: „Das Projekt ist äußerst komplex.“ Gelinge es aber, alle Beteiligten einzubinden, „könnte daraus ein Gewinn für Regensburg entstehen“.

Anbindung ans „emotionale Zentrum“ Altstadt

Laut Joachim Buck, Architekt und ehemaliger Mitarbeiter des Stadtplanungsamts, wird der Steg nicht erst seit dem Arcaden-Bau um 2000, sondern seit der Universitätsgründung in den 60er Jahren diskutiert. Die visuelle Beziehung – vom Uni-Forum sieht man die Domtürme – ins „emotionale Zentrum“ Altstadt sei hergestellt, die Fuß- und Radinfrastruktur hinke da nach wie vor hinterher. „Die Idee ist immer wieder aufgetaucht“, sagt Buck, „und ich halte sie aus einem städtebaulich-strukturellen Gesichtspunkt für sehr sinnvoll.“

Der Bedarf ist seither weiter gestiegen. Im Zuge der Südentwicklung sei zusätzliche Infrastruktur – Arbeitsamt, Finanzamt, OTH – am Galgenberg angesiedelt worden, die viel Besuchsverkehr generieren.

Buck hält Grundstücksfrage für „verhandelbar und lösbar“

Vor diesem Hintergrund sagt Buck: „Ich persönlich habe es schade gefunden, dass die unmittelbare Überbrückung der Friedenstraße zur Schikanederstraße damals gescheitert ist.“ Wenngleich es auch in seiner Zeit beim Stadtplanungsamt zu keiner Lösung für den Steg-Bau gekommen ist, hält er die Schwierigkeiten bei der Grundstücksakquise für „verhandelbar und lösbar“.

Ich gehe davon aus, dass in den nächsten sechs Jahren zumindest eine Prüfung auf die Tagesordnung kommt.Klaus Rappert, SPD-Stadtrat

Die zentrale Frage – über einen möglichen Steg über die Friedenstraße hinaus – sei, wie man solche Wege, die öffentlich nutzbar sein sollen, aber zumindest teilweise in privater Hand liegen, zugänglich machen kann. Die umsetzbare Wegetrasse – ob ein Steg an den Mälzerei- oder Kellerweg anschließt oder als Alternative bei der Universitätsstraße über die Bahngleise führt – müsse nun gefunden werden.

Klaus Rappert will nicht zu viel versprechen, sagt aber: „Ich gehe davon aus, dass in den nächsten sechs Jahren zumindest eine Prüfung auf die Tagesordnung kommt.“