Walhalla: Wie lange bleiben die umstrittenen Absperrungen am Denkmal in Donaustauf?

Von Benedikt Baumgartner · 29. April 2026 um 17:00

Die Sonne lacht, die Marmor-Statuen am Walhalla-Giebel würden weinen, wenn sie nur könnten. Seit August stehen klobige Metallgitter, Ketten mit laminierten Warnschildchen und Plastikplanken am Ruhmestempel. „Das ist nicht schön – für das Bauwerk selber und für die Besucher“, sagt Wolfgang Vogel, designierter Bürgermeister der Walhalla-Gemeinde Donaustauf (Landkreis Regensburg). Und die Besucher kommen dank frühsommerlicher Temperaturen in Scharen. Gitter und Ketten halten sie nicht vom Sonnenbad auf den hohen Steinstufen ab.

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Nach einem Todessturz im vergangenen Sommer hat die Bayerische Schlösserverwaltung nach einigem Hin und Her die – so wird stets betont – provisorischen Absperrungen aufgestellt. Eine Expertenkommission feilt an einer dauerhaften Lösung für mehr Sicherheit. Wie die aussehen soll und wann mit ihr zu rechnen ist, bleibt weiter unklar.

Der klare Auftrag ist, dass bald was vorgelegt wird. Und davon gehe ich auch aus.Patrick Grossmann, CSU-Landtagsabgeordneter

„Ich weiß nur, dass sich damit beschäftigt wird“, sagt CSU-Landtagsabgeordneter Patrick Grossmann auf MZ-Anfrage. Er forderte Ende Dezember noch: „Zum Frühjahr muss das geregelt sein, wenn wieder mehr Besucher kommen.“ Nun ist Frühling, nun kommen die Besucher und Grossmann legt nach: „Der klare Auftrag ist, dass bald was vorgelegt wird. Und davon gehe ich auch aus.“ Bislang sei nichts vorgelegt oder in einem Landtagsausschuss diskutiert worden.

Lesen Sie dazu den Kommentar: Langsam wird es lächerlich

Die aktuell aufgestellten provisorischen Absperrungen bringen wenig, hat Vogel beobachtet. „Grundsätzlich sind das optische Maßnahmen. Wenn einer drübersteigen will, steigt er drüber – das findet ja auch statt.“ Wenn er mit seinen Kindern das Denkmal besucht, weist er sie auf die Gefahren hin, „dass es einen da runterhauen kann“. Damit sei man wieder bei der Eigenverantwortung der Besucher.

Für die Walhalla würde es mich freuen, wenn der Ausgangszustand wieder hergestellt wird – außer es gibt eine Lösung, die die Walhalla nicht verschandelt.Wolfgang Vogel, Donaustaufs designierter Bürgermeister

Zwar müsse man festhalten, dass mittlerweile deutlich mehr Besucher auf die Walhalla strömen als noch vor 20 Jahren. Dennoch geht er davon aus, dass es auch von der Schlösserverwaltung nach eingehender Prüfung heißen wird: Betreten auf eigene Gefahr. „Für die Walhalla würde es mich freuen, wenn der Ausgangszustand wieder hergestellt wird – außer es gibt eine Lösung, die die Walhalla nicht verschandelt“, sagt Vogel. „Ich weiß nicht, was das Gremium jetzt noch alles prüft.“

Eine Tragödie als Auslöser

Hintergrund der Absperrungen und des Versuchs, die Sicherheit am Denkmal dauerhaft weiter zu erhöhen, ist ein tragischer Todesfall vom 20. Juli. Damals stürzte ein 32-jähriger Besucher aus Baden-Württemberg in den späten Abendstunden von einer 8,50 Meter hohen Stufe. Die Bayerische Schlösserverwaltung erteilte baulichen Absperrungen zunächst mit Verweis auf ein Landtagsvotum von 1981 eine Absage. Im August kam die Wende und das Sicherheitsnetz in Form von Gittern, Ketten und Planken.

So äußert sich die Schlösserverwaltung

Wie sinnhaft und wie verträglich mit dem Denkmalschutz das ist, wird seither diskutiert. Vonseiten der Schlösserverwaltung hieß es in der Folge stets, dass die Sicherheit der Besucher höchste Priorität habe. Nun informiert Pressesprecherin Angelika Urbach auf MZ-Anfrage, dass sich die Expertenkommission „intensiv mit der Thematik und verschiedenen Handlungsalternativen“ befasse. Man treffe sich „bedarfsabhängig“. Detaillierte Informationen können aktuell noch nicht mitgeteilt werden. „Es ist beabsichtigt, dass die Thematik nach noch erforderlichen weiteren Vorklärungen und der anschließenden Abstimmung mit dem Landesdenkmalrat dem Bayerischen Landtag zur abschließenden Beratung und Entscheidung vorgelegt wird.“

Grossmann sagt: „Die Frage ist, welcher Vorschlag dann unterbreitet wird.“ Er hofft wie Vogel auf eine rasche Entscheidung und auf einen zurückhaltenden Eingriff an der Walhalla.

Zum Sonnenuntergang an der Donau ein Glaserl Wein – wen stört da schon eine Absperrkette? - Foto: Marion Neumann