Der Nervenkrieg um die Bäckerei Schwarzer in Regensburg geht weiter

Von Heike Haala · 29. April 2026 um 15:00

Ein Gespräch am Dienstag brachte keine Lösung. Deswegen stehen in dem Insolvenzverfahren, in dem es auch die Zukunft der letzten Backstube in der Altstadt und die legendären Schwarzer Kipferl geht, nun Verhandlungen mit anderen Interessenten an. Derweil befindet sich die Bäckerei weiter in der Schwebe.

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Wie sehr seinen Kunden das Schicksal von Rudolf Weber, dem Inhaber der Bäckerei Schwarzer in der Oberen Bachgasse, am Herzen liegt, wird in seinem Laden schnell deutlich. Am Dienstag räumt eine Kundin Gebäck und Semmelbrösel in ihren Rucksack und wünscht den beiden Mitarbeiterinnen hinter dem Tresen alles Gute.

Denn laut einer Pressemitteilung des Rechtsanwalts Dr. Hans-Peter Lehner hatte Weber Ende Februar einen Insolvenzantrag gestellt. Ursache der Krise seien unter anderem der Verlust einer Verkaufsstelle im Donau-Einkaufszentrum sowie gestiegene Personal- und Energiekosten. Die Firma beschäftige rund 20 Arbeitnehmer, heißt es in dem Schreiben weiter. Und: „Über das Insolvenzgeld werden die Entgeltansprüche der Arbeitnehmer bis zum 30. April abgesichert.“ Als mögliche Lösung deutet das Papier einen Übergang auf einen Investor an.

Gespräche am Dienstag brachten keine Lösung

Ende der vergangenen Woche hatte Fabian Gerl, der in der Kanzlei Wagner. Lehner mit dem Insolvenzverfahren betraut ist, auf Anfrage mitgeteilt, dass es am vergangenen Donnerstag ein großes Treffen gegeben habe. Zu einem abschließenden Gespräch sei es am Dienstag gekommen. Weber bestätigt, dass es diese Gespräche gegeben habe, wollte sich aber nicht zum Verlauf dieser Verhandlungen äußern.

Gerl dagegen spricht auf eine weitere Anfrage hin von einem konstruktiven Umfeld oder von bereits verhandelten Preiserhöhungen gegenüber Großkunden. Trotz alledem würde der Geschäftsbetrieb der Bäckerei laut seiner Auskunft bestenfalls geringe schwarze Zahlen schreiben. Diese stünden nicht in einem vernünftigen Verhältnis zum großen wirtschaftlichen Risiko. „Aus diesem Grund scheitert die Fortführung der Bäckerei mit einer ‚familieninternen Lösung‘, was sich zunächst als die wahrscheinlichste Variante dargestellt hat“, erklärt der Rechtsanwalt.

Er kommt auf einen weiteren, externen Interessenten zu sprechen, der geplant habe, seine Kalkulationen am Mittwoch abzuschließen und sich dann gegenüber dem vorläufigen Insolvenzverwalter zu äußern. „Obwohl das Zahlenwerk nicht gänzlich anders ausfallen kann, besteht Hoffnung. Die Ausrichtung und Größe des Betriebs wären in diesem Fall eine andere. Möglicherweise geht das Konzept für den Interessenten auf“, erklärt Gerl.

Sofern eine klassische Übernahme und Fortführung der Bäckerei Schwarzer scheitern sollte, gibt es seiner Ansicht nach trotzdem noch eine Möglichkeit, zumindest die Kipferl zu retten. Gerl sagt aber auch: Diese kleine Lösung sei nie der bevorzugte Weg gewesen, würde aber als Plan B angegangen werden, sollten die großen Lösungen allesamt scheitern.

In diesem Fall würden am Donnerstag die bereits begonnenen Gespräche mit einer anderen Bäckerei fortgesetzt werden, um über die Veräußerung des Rezepts und der Namensrechte zu verhandeln. „Das Endergebnis dieses Prozesses könnte so aussehen, dass die Schwarzer Kipferl in den Filialen einer anderen Bäckerei zu erwerben wären“, erklärt er.

Der Anwalt gibt einen tiefen Einblick in die Situation der kleinen Bäckerei. Der Betrieb werde aktuell Monat für Monat defizitär geführt. Die Konkurrenz werde größer, die Marge sinke und die Kosten stiegen. Deswegen mache eine Fortführung oder eine Übernahme nur dann Sinn, wenn ausreichend stark an möglichst vielen der zur Verfügung stehenden Stellschrauben gedreht werden kann. Und so seien in den vergangenen Wochen zahlreiche Konstellationen und Änderungen durchkalkuliert worden.

Einer nahm fast die Hälfte aller Kipferl ab

Gerl hebt den Wegfall des größten Einzelabnehmers der Schwarzer Kipferl im Donau-Einkaufszentrum als sehr bedeutsamen Grund für die Krise hervor. Von der Tagesproduktion von durchschnittlich etwas mehr als 3000 Stück habe der fast die Hälfte abgenommen. „Andere Abnehmer dieser Größenordnung gibt es nicht, so dass der Wegfall seither nicht kompensiert werden konnte“, erklärt er. Webers Versuch, seine Produkte auch bei anderen Metzgereien und Supermärkten platzieren zu können, habe zu den angebotenen Stückpreisen jedoch keinen Sinn gemacht.

Als weitere Ursache für die Krise nennt Gerl Aufback-Ware zu niedrigen Preisen in Supermärkten und Discountern. Dadurch würden Kunden keinen zusätzlichen Weg zu einer Bäckerei mehr auf sich nehmen. Weiter spricht er die Erreichbarkeit der Filiale in der Oberen Bachgasse mit Fahrzeugen an, die er als „sehr schwierig“ bezeichnet, und die Steigerung nahezu sämtlicher Kosten.