Ringen um Schwarzer Kipferl in Regensburg: Der Favorit unter den Interessenten soll zögern

Vor dem letzten Bäcker in der Altstadt und seinem Betrieb liegt eine Schicksalswoche. Nach dem Insolvenzantrag von Rudolf Weber, in dessen Ofen die legendären Schwarzer Kipferl aus Regensburg rösch werden, sollen sich vier Interessenten gemeldet haben. Trotzdem sollen sich die Verhandlungen als schwieriger erweisen als zunächst gedacht.
Video aus dem Jahr 2019
Weihnachten, Wurstkuchl, Weichkäse, Wurzelgemüse: Es gibt so viele Dinge, die sich Regensburger ohne ein Schwarzer Kipferl nur schwer vorstellen können. Ob sie sich trotzdem an dieses Szenario gewöhnen werden müssen und ob die Altstadt ihre letzte Backstube verliert, wird sich nun entscheiden.
Denn Rudolf Weber, Chef in der Bäckerei Schwarzer, hatte laut einer Pressemitteilung des Rechtsanwalts Dr. Hans-Peter Lehner Ende Februar einen Insolvenzantrag gestellt. Ursache der Krise seien unter anderem der Verlust einer Verkaufsstelle im Donau-Einkaufszentrum sowie gestiegene Personal- und Energiekosten. Die Firma beschäftige rund 20 Arbeitnehmer, heißt es in dem Schreiben weiter. Und: „Über das Insolvenzgeld werden die Entgeltansprüche der Arbeitnehmer bis zum 30. April abgesichert.“ Als mögliche Lösung deutet das Papier einen Übergang auf einen Investor an.
Am Dienstag ist ein allerletztes Treffen geplant
Zeichnet sich inzwischen schon eine Lösung für den Betrieb ab? Am Donnerstag habe ein Treffen in großer Runde stattgefunden, antwortet Rechtsanwalt Fabian Gerl, der in der Kanzlei Wagner.Lehner mit dem Insolvenzverfahren betraut ist, auf Anfrage. Am Dienstag soll es noch ein weiteres Treffen geben, kündigt er an. „Ein allerletztes“, wie Weber sagt. Weiter wollte sich der Bäckermeister nicht äußern, um die Verhandlungen nicht zu gefährden.
Gerl bezeichnet sie als wesentlich schwieriger als zunächst erwartet. „Die beiden Hauptgründe sind, dass der Betrieb der Bäckerei – wie er aktuell aufgestellt ist – nicht mit schwarzen Zahlen zu führen ist, und dass der derzeitige Inhaber der Bäckerei nicht Inhaber der Rechte am Rezept und am Namen ist“, umreißt er die Gemengelage.
Gerl spricht von vier potenziellen Erwerbern, von denen aber drei bestenfalls Teilinteressen haben sollen – etwa daran, lediglich die zweite Filiale zu übernehmen, nicht aber die Produktion. Zwei dieser vier würden in seinen Augen dadurch keine echte und umfassende Nachfolgelösung bieten. „Einer der möglichen Erwerber würde die Bäckerei relativ unverändert fortführen, wenn Stellschrauben gedreht werden könnten, damit der Betrieb kostendeckend geführt werden kann“, sagt Gerl. Dies wäre seiner Einschätzung zufolge für alle Beteiligten am besten.
Kleine Lösung für den Namen und die Kipferl im Gespräch
Die Möglichkeiten, an Stellschrauben zu drehen, seien aber nicht sehr zahlreich. Und so tendiere dieser Interessent gegen eine Fortführung, weil das wirtschaftliche Risiko groß sei und sich die Zukunftsaussichten für kleine Bäckereien generell weiter eintrüben dürften, erklärt Gerl. Zunächst sei eine Lösung mit diesem Erwerber sehr wahrscheinlich gewesen, bis konkrete Kalkulationen angestellt und Verbesserungsmöglichkeiten näher beleuchtet worden seien, was Ernüchterung gebracht habe, beschreibt er den Verlauf der Verhandlungen.
„Eine wesentlich kleinere, alternative Lösung könnte der Verkauf von Rezept und Namensrechten an eine andere Bäckerei sein“, benennt Gerl eine andere Option. Diesbezüglich seien auch Gespräche geführt worden. „In den vergangenen Wochen kam aber auch hier nicht sehr viel Bewegung in die Sache“, so der Rechtsanwalt.