Stehende Ovationen zum Abschied für Chams Landrat Franz Löffler, den Macher

Von Johannes Schiedermeier · 26. April 2026 um 13:00

Die Große Amtssiegelmedaille des Landkreises Cham verleiht Vizelandrat Markus Müller an Landrat Franz Löffler unter dem Beifall zahlreicher Ehrengäste im Beisein seiner Frau Andrea. - Foto: Simon Tschannerl

Ernst Girmindl – der Architekt. Theo Zellner – der Motivator und Gestalter. Franz Löffler – der Macher. So bringt der Chamer Vizelandrat Markus Müller die Landräte seit 1972 auf die Reihe. Zur Verabschiedung von 30 Kreisräten und Landrat Löffler vor rund 400 Ehrengästen aus Politik, Wirtschaft und Behörden gab es in der Chamer Stadthalle minutenlang stehende Ovationen für das 16-jährige Wirken Löfflers.

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Müller stellt Löfflers Wirken unter die Leitsätze: Probleme gibt es nur, um sie aus der Welt zu schaffen. Und: Der Mensch steht im Mittelpunkt. „Du wolltest nie wissen, warum etwas nicht geht. Du wolltest wissen, was geht, oder wie es geht“, sagt Müller über Löffler, der mit seiner Familie in der ersten Reihe sitzt.

„Wir verabschieden Dich, aber Dein Wirken bleibt“

Dann zählt Müller die Errungenschaften der 16 Jahre auf. Hinter all die Ziele, die Löffler sich gesetzt hat, macht sein Vize einen Haken. Er bescheinigt dem Landrat, dass er in den Krisen mutig vorangegangen ist: „Ich habe Dich als jemanden erlebt, der zuhören kann, klar denkt und auch entscheidet. Dabei hast Du immer das beste für den Landkreis im Blick gehabt!“

Ein Bild für die Geschichtsbücher: Der Chamer Altbürgermeister Leo Hackenspiel ist seit 48 Jahren Kreisrat und wird von Landrat Franz Löffler ausgezeichnet. - Foto:
„Er ist mein Freund, aber er will mein Geld. Und er war der Beste für den Landkreis Cham“, sagte Bayerns Heimat- und Finanzminister Albert Füracker in seiner Laudatio. - Foto: Simon Tschannerl
Für die Bürgermeister dankt Michael Multerer. - Foto: Simon Tschannerl
Bei kaltem Buffet und Stehempfang haben sich die Gäste noch lange unterhalten, bevor gegen 1 Uhr die letzten die Stadthalle verließen. - Foto: Simon Tschannerl
Franz Löffler (links) im Gespräch mit seinem Amtsvorgänger Theo Zellner - Foto: Simon Tschannerl
Das Geschenk der Mitarbeiter überreicht Birgit Besold. - Foto: Simon Tschannerl
Diese Kreisräte waren 21 bis 30 Jahre im Gremium (von links): Michael Mühlbauer, Gerlinde Graßl, Günther Lommer, Dr. Karl Vetter und Wolfgang Kerscher. - Foto: Simon Tschannerl
- Foto: Simon Tschannerl
Bild mit Seltenheitswert: Der Landrat als Zuschauer, begleitet von seiner Ehefrau und den beiden Kindern. - Foto: Simon Tschannerl
- Foto: Simon Tschannerl
Auch der neue Landrat Christian Schindler kam mit seiner Frau zur Feierstunde und wurde von Vizelandrat Markus Müller begrüßt. - Foto: Simon Tschannerl
Minutenlang Standing Ovations für den scheidenden Landrat Franz Löffler, Auszeichnungen für langgediente Kreisräte und Grußworte mit etlichen Superlativen – das war er also, der Abschied des Landrats vor 400 Ehrengästen aus Politik, Wirtschaft und Behörden. - Foto: Simon Tschannerl
Sechs Jahre im Kreistag waren (von links): Hans Eichstetter, Alois Hamperl, Carola Höcherl-Neubauer, Dr. Dominic Kram, Josef Pon-gratz, Ludwig Prögler und MdL a.D. Robert Riedl. - Foto:
Sie waren zwölf Jahre lang im Kreistag und wurden von Landrat Franz Löffler ausgezeichnet (von links): Markus Ackermann, Helmut Heumann, Emmi Kollross, Dr. Thomas Klyscz, Josef Marchl, Wolfgang Pilz und Claudia Zimmermann. - Foto:

Zum Abschied zeichnet er Löffler mit der Großen Amtssiegelmedaille des Landkreises Cham aus und erklärt: „Heute verabschieden wir Dich, aber Dein Wirken bleibt.“ Die Ehrengäste erheben sich von den Sitzen und applaudieren minutenlang.

Er war mein Freund, aber er wollte mein Geld. Und er was der Beste für den Landkreis ChamAlbert Füracker, Bayerischer Heimat und Finanzminister

Heimatminister Albert Füracker betont, dass Löffler ja Bezirkstagspräsident und Präsident der Bezirkstage bleibt. „Er ist ein Freund, aber er will mein Geld. Und er war der Beste für den Landkreis Cham“, so Füracker. Löffler ist am Grenzzaun aufgewachsen, erinnert er. „Erleben zur dürfen, wie die Grenze aufgeht, hat deinen Weitblick und deine Weltoffenheit geprägt, deinen Einsatz für ein freies Europa. Und das in einem Landkreis, der einst das Armenhaus Europas war.

Füracker: „Zwölf Stunden waren für ihn ein Halbtags-Job“

Er zitiert Löffler: Es kommt nicht darauf an, dass man Arbeitsplätze hat, sondern welche Arbeitsplätze man hat. Und so hat er Hochschule und Berufsschule gleichermaßen gefördert. „Am schlimmsten ist es, wenn man um 22.30 Uhr eine Rückrufbitte von Franz Löffler findet“, erinnert sich Füracker. „Da ist er dann hellwach. Zwölf Stunden Arbeit sind für ihn ein Halbtagsjob!“ Sein Fazit: „Löffler hört auf zu einer Zeit, in der alle gehofft haben, dass er weitermacht. Diese Kraft hat nicht jeder. Er ist ein Heimatversteher, ein harter Knochen und ein feiner Mensch.“

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Geschäftsleitende Beamtin Birgit Besold, verabschiedet nicht nur den Landrat, sondern auch den Chef. Die Verwaltung sollte den Menschen sehen, nicht nur den Vorgang und helfen, wo es geht. „Das hat unsere Arbeit geprägt“, sagt Besold.

„Woher hatte er all das Detailwissen?“

Manchmal haben sich alle gefragt, woher das Detailwissen Löfflers kommt und sie haben gewusst, dass er das von ihnen auch einforderte. Eines sei prägend gewesen: Keine langen Reden, warum etwas nicht geht, sondern wie es geht. „Er war einer, der klare, gut begründete Entscheidungen getroffen hat. Seine Verlässlichkeit hat Vertrauen geschaffen“, sagt Besold. Die Mitarbeiter schenken dem Landrat einen Granitstein mit dem Landkreiswappen und den Jahreszahlen seiner Amtszeit.

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Für die Bürgermeister spricht Michael Multerer das Grußwort: „Ich bin der Letzte und hab fünf Minuten“, sagt er. „Wir Bürgermeister haben immer gewusst, dass er hinter uns steht und uns hilft, auch wenn es nicht seine Aufgabe wäre – und das parteiübergreifend.“ Er nennt ein Beispiel für Löfflers Fleiß. Bei einer Betriebseröffnung hat er aus Spaß zu Löfflers Fahrer gesagt: Lass ihn zu Fuß heimgehen, er hat ja nicht weit: „Da hat der Mann den Kofferraum aufgemacht, der voller Akten war und gesagt: Das muss er heute Abend noch durcharbeiten…“ Multerer überreicht zum Dank im Namen der Bürgermeister eine Tasche mit Reise-Utensilien für die Freizeit, die der Landrat jetzt hoffentlich hat.

Das letzte Wort hat der Landrat

Das letzte Wort hat Landrat Franz Löffler selbst. „Ich bin ehrlich. Ich bin glatt ein wenig nervös“, räumt er ein. „Es ist nicht einfach, zu gehen“, sagt er. Was jetzt an Gestaltungsmöglichkeit und neuen Chancen kommt, sieht Löffler durchaus auch als Gewinn. – Schönstes und schlimmstes Erlebnis? „Es ist nicht das eine, einzige Erlebnis, und oft ist es eine Entwicklung“, sagt Löffler. Berufsschulen reformieren müssen, sei ein Kraftakt gewesen, aber auch ein toller Erfolg. Dann Krankenhausreform – mindestens genauso schwierig. Am Ende stehen Verträge, die andere heute gerne hätten.

Die beiden Themen haben, so der Landrat, Vertrauen in die Politik geschaffen: „Da sind 600 Menschen mit Trillerpfeifen und Mistgabeln in der Stadthalle und du musst da durch und kannst ihnen nicht Recht geben“, erinnert sich Löffler.

Was den Landrat Löffler geprägt hat

Dann berichtet er zwei Dinge, die ihn geprägt haben. Die Unterhaltung mit Pflegefamilien habe ihn gelehrt, was soziale Verantwortung über Jahre hinweg bedeutet: „Das sind die wahren Helden in der Gesellschaft.“ Auf die Frage, wie es gelinge, so schwierige Menschen in eine Richtung zu bringen, hat ihm eine Pflegemutter geantwortet: „Das macht die Liebe aus.“ Eine Herausforderung sei die Unterbringung von Flüchtlingen gewesen. Über Jahre sei die im alten Krankenhaus Bad Kötzting uneingeschränkt gelungen. Brigitte Ertl sei ein Beispiel dafür, was unermüdlicher Einsatz hier bewirken kann, sagt Löffler.

Ein Katastrophenfall über Wochen und Monate – Corona – hat seine Dienstzeit auch geprägt. „Wir haben das Beste versucht, viel ist gelungen, aber wir haben auch Fehler gemacht“, so der Landrat. Trotzdem seien diese Zeiten sehr erfüllend gewesen, weil sie ein großes Gemeinschaftswerk gewesen seien.

Deswegen dankt Löffler in seiner letzten Rede. Er arbeitet sich von oben nach unten durch Politik und Behörden, durch Polizei und Bundeswehr, durch Unternehmen und Wirtschaftsverbände, Schulen und Bildungseinrichtungen.

Letzter Satz: „Es war mir eine große Ehre!“

Auch die Nachbarn in Tschechien vergisst er nicht: 36 Jahre sei Jan Benda sein intensivster Freund gewesen: „Ich bin ihm unendlich dankbar für die Freundschaft und die vielen Menschen, die er zusammengebracht hat.“ Löffler vergisst auch seine Stellvertreter nicht, die Bürgermeister und die Kreisräte. Besonders erwähnt er seinen Stichwahlgegner Max Schmaderer, der trotzdem sein Freund geblieben ist und „mitgestimmt hat, als wäre er in der Regierung“. Am Ende dankt er den Menschen im Landkreis, besonders denen im Ehrenamt, die ihn durch viele Krisen begleitet haben.

Sein Dank gilt auch den verstorbenen Eltern, der Familie und seiner Frau Andrea: „Es war nicht vorherzusehen, aber Du bist jeden Weg mitgegangen.“ Letzter Satz : „Es war mir eine große Ehre, Landrat in diesem tollen Landkreis sein zu dürfen und ich bitte den Herrgott, ihn zu schützen.“

Der Kreistag, der gleich Corona hatte

Was es heißt Kreisrat zu sein? Wer kann das wissen. Schon gar, wenn die konstituierende Sitzung mit Abstand in der Fraunhoferhalle stattfinden muss, weil Corona ausgebrochen ist. Kein leichter Start, sagt Landrat Franz Löffler zum Abschied. Genau die Hälfte der 60 Kreisräte werden heuer ausscheiden.

Sie haben es schwer gehabt. Zur Seuche kommt der Ukrainekrieg, es folgt die Flüchtlingskrise, die Energiekrise, Trump. „Außergewöhnliche Umstände waren der Normalfall“, sagt der Landrat rückblickend. Es folgt eine beeindruckende Statistik: 20 Kreistagssitzungen, 108 Ausschüsse, 928 Wortbeiträge, 250 Stunden Sitzungszeit. „Das schafft man nur mit 2914 Stück Butterbrezen und 8800 Tassen Kaffee“, stellt Löffler fest.

Was zeichnet einen Kreisrat aus?

Einen Kreisrat zeichnet aus, dass er für die Menschen in der Region eintritt und für die Demokratie, sagt der Landrat. Der AfD bescheinigt Löffler „Schwierigkeiten mit Sachpolitik“. Bei aller Unterschiedlichkeit der Fraktionen ist es gelungen, den eigentlichen Auftrag zu erfüllen: Politik zum Wohle der Menschen zu gestalten. Dafür hat der Kreistag 135 Millionen Euro investiert – in Bildung, Infrastruktur, kulturelle Vielfalt, Tourismus und Schutz der Umwelt. Dabei hat der Landkreis die Schulden von 15,6 auf 10,8 Millionen abgebaut. Der Landrat streift all die Errungenschaften der letzten Jahre von Infrastruktur über Krankenhausstruktur, Soziales bis hin zu Klima- und Naturschutz.

Dann ehrt der Landrat die ausscheidende Kreisräte mit personalisierten Amtssiegelmedaillen. Besondere Worte findet er für die „Urgesteine“. Für Michael Mühlbauer der 21 Jahre als Nachfolger des verstorbenen Further Bürgermeisters Reinhold Macho wirkte. Für Gerlinde Graßl, die 24 Jahre dabei war und am Ende Landratsstellvertreterin. Auch der Sportbeauftragte Günther Lommer hat es auf 24 Jahre Kreisrat gebracht und war in vier Ausschüssen.

Die Urgesteine gewürdigt

30 Jahre war MdL a. D. Dr. Karl Vetter dabei. Ihn würdigt Löffler als prägende Persönlichkeit mit Fachkompetenz, Erfahrung und Verantwortungsbewusstsein. Seine kommunalpolitische Lebensleistung verdiene höchste Anerkennung.

Genauso lang (30 Jahre) war Wolfgang Kerscher Kreisrat. Auch der ehemalige Amtsrichter hat in dieser Zeit zahlreiche Ämter ausgeübt. Der Landrat schätzt an ihm Sorgfalt, Weitblick und seine humorvoll-ironischen Beiträge.

Absolut rekordverdächtig: Für 48 Jahre als Kreisrat seit 1978 würdigt der Landrat den Chamer Altbürgermeister Leo Hackenspiel. Löffler bescheinigt ihm jahrzehntelanges zukunftsorientiertes Handeln, Beständigkeit, Verantwortungsbewusstsein und eine kommunalpolitische Lebensleistung, die ihresgleichen sucht.

Die geehrten Kreisräte

Verabschiedet nach einer Wahlperiode (2020 bis 2026):

Marius Brey, Christoph Czakalla, Michael Doblinger, Hans Eichstetter, Alois Hamperl, Carola Höcherl-Neubauer, Dr. Dominic Kram, Josef Lankes, Sebastian Meier, Josef Pongratz, Ludwig Prögler, Dr. Stefan Scheingraber, Matthias Scherr, Peter Schmitt, Christa Strohmeier-Heller, Robert Riedl

Nach zwei Perioden:

Markus Ackermann, Helmut Heumann, Dr. Thomas Klyscz, Emmi Kollross, Josef Marchl, Wolfgang Pilz, Claudia Zimmermann

Mehr als 21 Jahre im Kreistag:

Michael Mühlbauer (21 Jahre), Gerlinde Graßl (24), Günther Lommer (24), Dr. Karl Vetter (30), Wolfgang Kerscher (30), Leo Hackenspiel (48)