Beziehung(skrisen): Der Chamer Landrat und der Chefreporter - ein Rückblick

Von Johannes Schiedermeier · 24. April 2026 um 12:00

Die bekannte Perspektive aus 16 Jahren Berichterstattung aus der Kreistags-Politik: der Landrat beim Interview am esprechungstisch - Foto: Johannes Schiedermeier

Es ist eine Geschichte von viel Frieden und Freude, mit wenig Eierkuchen, aber voller Höhen und Tiefen. Dabei hat den Chamer Landrat Franz Löffler dessen Vorgänger Theo Zellner vor diesem Schiedermeier gewarnt. „Pass auf den auf...“ Das trifft sich gut. Denn auch ich bin vor dem Landrat Löffler gewarnt worden: „Vorsicht, der kann auch anders.“ Was soll ich sagen. So ist es gekommen.

Der Landrat und der Chefreporter. Das ist irgendwie die Geschichte von zwei Platzhirschen auf derselben Lichtung. 16 Jahre lang habe ich diesen Franz Löffler journalistisch begleitet. Sein Arbeitspensum und sein unendliches Fachwissen haben mir Respekt abgenötigt. Und ab und zu hat es veritabel gekracht.

Krach bei der Krisensitzung

Dabei sind die ersten Jahre recht ruhig verlaufen. Dann hatte sich der Landrat eingearbeitet und saß ziemlich selbstbewusst fest im Sessel. Er hat sich dann öfter mal über meine Berichterstattung beschwert. Das haben wir intern ausgerauft. Ein paar Mal hat es aber auch richtig geknallt. Öffentlich. Die Corona-Krisensitzung vor rund 100 Mitgliedern im großen Sitzungssaal ist nur ein Beispiel von mehreren. Damals habe ich gefragt, welche Firmen die 1200 Grenzland-Impfdosen bekommen haben und nach welchen Kriterien. Das war richtig großes Kino. Zehn Minuten harter Debatte, am nächsten Tag ein böser Kommentar. Das war’s aber dann auch. Ein Umstand, der die Beziehung zwischen Chefreporter und Landrat auch in den nächsten Jahren prägen sollte: Niemand hat nachgekartet.

Dieser Landrat kann richtig laut und bedrohlich werden, wenn er sich zu seiner ganzen Größe aufrichtet und einen roten Kopf bekommt. So mancher Mitarbeiter aus dem Landratsamt kann ein Lied davon singen, was es heißt, wenn dieser Mann die Geduld verliert. Ich auch.

Dabei bin ich ihm sogar ein wenig dankbar. Denn ein Umstand, den Löffler hasst wie kaum etwas anderes, ist Inkompetenz und Unkenntnis in der Sache. Deswegen wissen meine Kollegen immer, wenn ich zum Landrat gehe: Eine Stunde vorher bin ich kaum ansprechbar, um beim Interview dann auf (fast) alles vorbereitet zu sein. Dabei verlangt der Landrat von anderen nicht mehr, als von sich selbst. Ich habe keinen Augenblick erlebt, in dem dieser Mann nicht informiert gewesen wäre und in der Sache nicht sattelfest.

Momente in einem Boot

Am Ende hat uns das sogar Momente beschert, in denen wir plötzlich in einem Boot saßen. Ich werde diese schwerste Entscheidung in meinem Journalistenleben nie vergessen: Ich hatte während der Vertragsverhandlungen zum Klinikverkauf herausbekommen, dass nur noch Sana als Bieter übrig war, weil das Kartellamt die Barmherzigen Brüder aus dem Rennen genommen hatten. Was für eine Nachricht!

Eigentlich werde ich dafür bezahlt, Nachrichten zu veröffentlichen. In diesem Moment habe ich aber beschlossen, einzuknicken und den Vertragsabschluss abzuwarten. Sonst wäre wohl für den einzigen Anbieter nur der berühmte Euro für die drei Kreiskrankenhäuser fällig geworden. Sana möge mir verzeihen.

Die Sache mit der Berechenbarkeit

Am Ende hat sich herausgestellt, dass das vermutlich der Moment war, in dem der Landrat für sich beschlossen hat, dass der Chefreporter des Bayerwald-Echos vertrauenswürdig ist, weil ihm der Landkreis nicht egal ist. Irgendwann hat mir der damalige Pressesprecher Fritz Schuhbauer verraten, dass der Landrat zu ihm gesagt hat: „So sehr der Schiedermeier manchmal nervt, aber er ist berechenbar. Wenn der sagt, es staubt jetzt, dann staubt’s. Aber man weiß es vorher!“ Im Gegenzug war der Landrat Löffler für den Chefreporter genau das Gleiche: berechenbar. Wenn er mal richtig grantig wurde, dann sah er eine Sache in Gefahr, die er für wichtig hielt. So wurde auch das gut aushaltbar. Es hat Momente gegeben, da hätte ich das nicht für möglich gehalten, aber heute bin ich mir ziemlich sicher: Er wird mir fehlen, dieser knallharte Politiker für das Wohl des Landkreises.