Amtsperiode des Burglengenfelder Stadtrats endet mit bewegenden Worten

Nicht weniger als zehn Tagesordnungspunkte hatte sich Burglengenfelds Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) für seine definitiv letzte Stadtratssitzung am Donnerstag vorgenommen. Herausragend war die Verabschiedung der Mandatsträger, die heuer nicht mehr gewählt worden waren – oder auf eine erneute Kandidatur verzichtet hatten. Somit stand auch der Rathauschef selbst im Fokus.
Wegen des umfangreichen Programms und eines im Anschluss geplanten Abendessens im Gasthaus Sauerer begann die Sitzung bereits um 17 Uhr. Die Tagesordnungspunkte eins bis acht waren, trotz einiger kritischer Anmerkungen von Hans Glatzl (BFB) und Sebastian Bösl (SPD), rasch abgearbeitet, dann schritt Gesche, dekoriert mit der Amtskette, zu einer seiner letzten Handlungen: der Verabschiedung von sieben Räten, die es zusammen auf 113 Dienstjahre brachten.
Vom „lieben Sepp“ bis zum „Herrn Schreiner“
Ob für Christian Magerl (JU), Norbert Wein (Grüne), Bernhard Krebs, Betty Mulzer, Roland Konopisky (alle SPD), Albin Schreiner (BWG) oder Josef Gruber (CSU) – für alle fand Gesche herzliche Worte des Lobes und der Anerkennung und überreichte Präsente in Form einer Flasche Wein sowie einer Skulptur von Johann-Michael Fischer.
Wobei eines doch auffiel: Speziell gegenüber Schreiner ging Gesche etwas auf Distanz, indem er den Juristen siezte. Die „spannenden Diskussionen“, die Gesche dem einstigen Fraktionschef der BWG zu verdanken hatte, dürften der Grund gewesen sein.
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Zu seinem ersten Stellvertreter, Josef Gruber, pflegte Gesche indes stets ein besonders herzliches Verhältnis. Der „liebe Sepp“ war ihm in den zurückliegenden sechs Jahren eine wertvolle Stütze gewesen. Grubers Tätigkeit im Stadtrat erstreckte sich über 36 Jahre. Sein besonderes Augenmerk galt der Schul- und Bildungspolitik, aber auch den Finanzen der Kommune. Gesche bezeichnete Gruber als „leuchtendes Beispiel für ehrenamtliches Engagement“.

Der 76-jährige ehemalige Schulamtsdirektor, der sich 1990 einmal selbst um das Amt des Bürgermeisters beworben hatte, bedankte sich für Zuspruch wie Kritik aus dem Gremium gleichermaßen, denn Kritik sei „ganz ganz wichtig. Sie trägt wesentlich auch zur eigenen Orientierung bei.“
Nahtlos ging Gruber in eine Laudatio für Bürgermeister Gesche über, die auf der offiziellen Agenda zwar nicht vorgesehen und dennoch zu erwarten gewesen war. Er dankte dem 41-Jährigen für die „stets beste Zusammenarbeit, seine Offenheit, seine Fairness und seine Toleranz“ – und rief den Grund in Erinnerung, weshalb Gesche schon 2024 den Verzicht auf eine erneute Kandidatur erklärt hatte: die Augenerkrankung, die fast zur völligen Erblindung geführt hatte und die Fortführung des Amtes immens erschwerte.
Mit Humor und Augenmaß, Empathie und Menschlichkeit agiert
Gesches Entscheidung sei vor diesem Hintergrund zwar nachvollziehbar, werde aber von vielen Burglengenfelder nach wie vor bedauert, sagte Gruber. Bei seinem Amtsantritt vor 2014 sei Gesche vermutlich der jüngste Bürgermeister in der fast 500-jährigen Geschichte der Stadt gewesen. Im Amt habe er sich als sachkundig und durchsetzungsstark erwiesen, gleichzeitig hätten ihn Humor und Augenmaß, Empathie und Menschlichkeit ausgezeichnet.
Eine große Leistung sei die „deutliche Verbesserung“ des Klimas im Stadtrat gewesen, betonte Gruber. Gelungen sei dies durch die Vergrößerung der Ausschüsse und die Vergabe eines Stellvertreteramts an die SPD. Auch die Erfolgsbilanz des 41-Jährigen könne sich sehen lassen. Gesche habe unter anderem dazu beigetragen, dass große Firmen und viele Privatleute in Burglengenfeld investierten; dadurch seien Arbeitsplätze gesichert worden. Und „ganz nebenbei“ habe er zwölf Millionen Euro an Schulden abgebaut.
Sichtlich gerührt und dann sofort wieder fokussiert
Der Applaus, der mit der Geschenkübergabe einher ging, war kräftig und anhaltend. Gesche zeigte sich sichtlich gerührt – um dann sofort wieder das Zepter in die Hand zu nehmen und mit fester Stimme selbst ein Fazit zu ziehen. Gemeinsam sei es gelungen, trotz schwieriger Umstände viel zu bewegen. Besonderer Dank galt seiner Fraktion. Auch wenn es in ihr mehr als einmal unterschiedliche Auffassungen gegeben habe, so sei die Zusammenarbeit trotzdem „toll“ gewesen.
An den gesamten Rat gerichtet, sagte Gesche: „Wir haben die Demokratie in den letzten zwölf Jahren mit Leben erfüllt. (...) Es war eine schöne Zeit.“ Jeder einzelne habe sein Bestes gegeben, „um unsere wunderbare Stadt“nach vorn zu bringen. Das Amt des Bürgermeisters, so Gesche weiter, sei für ihn „die größte Ehre seines Lebens“ gewesen. Er gehe in dem Wissen, dass Burglengenfeld gut aufgestellt sei. Seinem Nachfolger, Martin Antretter (SPD), wünschte er „das nötige Feuer, die nötigen Ideen und die nötige Gelassenheit“.
Die scheidenden Räte noch einmal im Überblick
Christian Magerl (JU): 2021 rückte er für Simon Jäger nach. Mit seiner Kandidatur auf der CSU-Liste konnte Magerl heuer sein Mandat nicht verteidigen.
Norbert Wein (Grüne): 2020 wurde er in den Rat gewählt und gehörte u. a. dem Bau- und Umweltausschuss an. 2026 kam keine Grünen-Liste zustande.
Bernhard Krebs (SPD): 12 Jahre gehörte er dem Rat an. 2014 bis 2020 war er 2. Bürgermeister. 2026 kandidierte er nicht mehr.
Betty Mulzer (SPD): 16 Jahre engagierte sie sich besonders für Familien und Inklusion. Mit Listenplatz 24 hatte sie es heuer nicht mehr auf eine Wiederwahl abgesehen.
Roland Konopisky (SPD): Nach drei Amtsperioden hatte auch er als Listenkandidat 23 den Abschied einkalkuliert.
Albin Schreiner (BWG): 2006 zog er erstmals in den Stadtrat ein und profilierte sich als einer der härtesten Kritiker des Rathauschefs.
Josef Gruber (CSU): 36 Jahre prägte er die Burglengenfelder Kommunalpolitik mit. Von 2020 bis 2026 war er für Thomas Gesche als erster Stellvertreter eine wertvolle Hilfe.