Burglengenfelds neuer Bürgermeister „möchte möglichst wenig Reibereien“

Von Thomas Rieke · 3. April 2026 um 15:00

Nach einem anstrengenden Wahlkampf, der erst im Stechen entschieden wurde, hätte sich ein erfolgreicher Spitzenkandidat Erholung verdient. Doch für Martin Antretter (SPD) ist das kein Thema. Der künftige Burglengenfelder Bürgermeister hat längst wieder die Ärmel hochgekrempelt. Im MZ-Interview macht er klar, dass er keine Zeit verlieren will, um Weichen zu stellen und Wahlversprechen einzulösen. Dabei hofft er auch auf Unterstützung anderer Fraktionen.

Mittelbayerische: Herr Antretter, vor knapp zwei Wochen haben Sie die Stichwahl um das Bürgermeisteramt für sich entschieden. Wie fühlt sich das mit ein bisschen Abstand an?

Martin Antretter: Realistischer als am Wahlabend. Das war ja wie im Film. Mit so einem deutlichen Ergebnis hatte ich nicht gerechnet. Jetzt ist klar: Ich stehe auch vor einer Riesenaufgabe. Täglich erreichen mich bereits Mails und Briefe, in denen mir Bürger ihre Anliegen schildern.

Mit Parteifreunden haben Sie angeblich am 22. März bis weit nach Mitternacht gefeiert.

Antretter: Tatsächlich war es länger, als ich geplant hatte. Kurz vor 1 Uhr war für mich aber Schluss. Am nächsten Morgen wollte ich wieder zeitig im Büro sein.

Am Wahlabend wurden Sie mit Glückwünschen überhäuft. Waren unter den Gratulanten auch Personen, mit denen Sie nicht gerechnet hätten?

Antretter: Durchaus. Überrascht hat mich beispielsweise, dass Landrat Thomas Ebeling (CSU) da war und mir sofort gratulierte. Das hat mich sehr gefreut. Ex-Landrat Volker Liedtke hat telefonisch seine Glückwünsche übermittelt.

Auch Michael Hitzek (r.) freute sich riesig mit Martin Antretter. - Foto: Thomas Rieke

Der Sieg war ein Triumph, und doch gibt es einen Wermutstropfen: die Wahlbeteiligung. Es gibt Leute, die lästern, der neue Bürgermeister habe auch nur jeden dritten Wahlberechtigten hinter sich.

Antretter: Das ist Fakt, leider! Trotz unserer Aufrufe, bitte zur Wahl zu gehen, haben wir zu wenig Leute erreicht. Das darf eigentlich nicht sein. Ich verstehe das als klaren Auftrag, dass wir verstärkt um Vertrauen in unsere Arbeit kämpfen müssen. Die Leute müssen sehen, dass es sich doch lohnt, wählen zu gehen. Die Beteiligung an der Stichwahl war übrigens nicht nur bei uns enttäuschend. Blicken Sie nach Schwandorf! Dort lag sie bei 48 Prozent und in München sogar bei nur 44,5 Prozent.

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Hinter Ihnen liegen viele kraftzehrende Monate. Wie voll oder leer ist der Akku?

Antretter: Sagen wir so: Er ist noch im ladefähigen Bereich. Aber natürlich wäre irgendwann etwas Erholung wünschenswert. Nur jetzt ist dafür keine Zeit. Für Burglengenfeld gilt es schon jetzt bestimmte Weichen zu stellen. Ein großes Thema ist beispielsweise, wer meine Stellvertreter sein könnten, oder die Zusammensetzung der Ausschüsse. Davon abgesehen muss ich weiter meine Arbeit in Pettendorf erledigen. Ich fahre also zweigleisig, und das nagt an der Substanz.

Was gilt es an ihrem bisherigen Wirkungsort noch zu regeln?

Antretter: Den Haushalt für das laufende Jahr muss ich versandreif machen. Außerdem gilt es die Frage zu klären, wie die Zeit bis zu meiner Nachbesetzung überbrückt werden kann. Meine Stelle als Geschäftsleiter wird ja erst ausgeschrieben.

Ihr Fokus dürfte aber auf Burglengenfeld liegen. Gab es schon Gespräche mit der Stadtspitze?

Antretter: Ja, kürzlich traf ich mich mit Geschäftsleiter Wolfgang Weiß, und am Donnerstag hatte ich einen Termin bei Thomas Gesche. Am 10. April werden wir gemeinsam mit einer Delegation der Stadt nach Johanngeorgenstadt fahren. Ich persönlich hatte mit Gesche übrigens noch nie einen Konflikt. Wir verstehen uns und tauschen uns vernünftig aus.

Er selbst kündigte noch am Wahlabend eine „geordnete Übergabe“ an. Sie wissen, worauf er damit anspielte?

Antretter: Natürlich, die sogenannte Akten-Affäre in 2014. Ich weiß, dass es Ermittlungen gegen Gesches Vorgänger, Heinz Karg (SPD) gab, die letztlich aber eingestellt wurden. Mir persönlich ist nicht klar, was ein Bürgermeister damals hätte „wegräumen“ sollen. Nach meinem Eindruck haben die Hauptakteure damals mit diesem Thema zu viel Zeit verloren.

Sie haben die Bürgermeisterwahl gewonnen, aber alleine mit Ihren Parteifreunden von der SPD keine Mehrheit. Suchen Sie deshalb nach Allianzen – oder sagen Sie, für einen Stadtrat als Kollegialorgan (mit gleichberechtigten Mitgliedern) sei das nicht angebracht?

Antretter: Sie haben recht. Wir sind ein Kollegialorgan, bei dem Ideologien keine Rolle spielen sollten. Aber es wird die Zeit kommen, da wir bei bestimmten Themen verlässliche Partner benötigen. Deshalb führen wir beispielsweise Gespräche mit alle Gruppen der Freien Wähler, und auch zur CSU suche ich Kontakt.

Und was ist mit der AfD?

Antretter: Auch mit einem Vertreter dieser Partei, zum Beispiel Herrn Bachl senior, werde ich versuchen zu reden. Ich möchte vorfühlen und wissen, was er und seine Mitstreiter für Vorstellungen haben. Meine Aufgabe als Bürgermeister ist es, im Stadtrat für gute Zusammenarbeit zu sorgen. Ich möchte möglichst wenig Reibereien und die Basis dafür schaffen, dass wir möglichst viel von dem, was wir im Wahlkampf versprochen haben, auch umsetzen.

Als neuer Bürgermeister haben Sie das Recht, den Termin für die konstituierende Sitzung des Stadtrats festzulegen. Steht er bereits?

Antretter: Tatsächlich ja! Die Suche nach einem geeigneten Termin war allerdings gar nicht so einfach. Mittwoch, der 6. Mai konnte es zum Beispiel nicht werden, weil ich sonst die Ladungsfrist nicht eingehalten hätte, und am Mittwoch darauf fährt eine Delegation aus Burglengenfeld in unsere französische Partnerstadt Pithiviers. Also ist es jetzt Dienstag, der 12. Mai, geworden.

Einer weiterer Gratulant am Wahlabend: Roland Konopisky (l.), der dem neuen Stadtrart nicht mehr angehören wird. - Foto: Thomas Rieke

Sie spielten selbst schon auf Weichenstellungen an. Beispiel: Zusammensetzung der Ausschüsse. Vor sechs Jahren war beschlossen worden, die Gremien so zu vergrößern, dass auch die kleinen Parteien darin Platz hatten. Wollen Sie an dieser Praxis festhalten?

Antretter: Im Prinzip ja. Ich finde, solche Ausschüsse sind als Spiegelbild des Stadtrats geeignet und legitim. Nach meinen Überlegungen müssten dadurch alle Gruppen einen Platz sicher haben – mit Ausnahme der Linken. Für deren Vertreter bietet sich jedoch, soweit rechtlich zulässig, die Bildung einer Ausschussgemeinschaft an.

Ist Ihnen bekannt, dass Sie von Hans-Edmund Glatzl (BFB) vereidigt werden? Was fällt Ihnen zu diesem Urgestein des Stadtrats ein?

Antretter: Natürlich habe ich mir auch diesbezüglich Gedanken gemacht und bin dann auf Herrn Glatzl gestoßen. Mein Gefühl dabei ist ein gutes, denn ich mag Herrn Glatzl als Menschen gern. Als Politiker kann er allerdings herausfordernd sein. Aus meiner Sicht rollt er oft Dinge auf, die längst ausdiskutiert sind.