Verlobung in Regensburg nur Fake: Vater und Sohn sind dreiste Heiratsschwindler

Von André Baumgarten · 25. April 2026 um 12:00

Zwei Männer zocken eine junge Regensburgerin und deren Mutter ab. Mit einer vermeintlichen Riesen-Hochzeit mit 3000 Gästen in der Türkei erschwindeln sich die Täter ein kleines Vermögen. Das Amtsgericht in Regensburg macht nun wörtlich kurzen Prozess und verurteilt die Angeklagten für ihre ungenierte Abzocke der Frauen wegen Betrugs.

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Sie glaubt an die große Liebe, landet stattdessen in der Privatinsolvenz. Der junge Türke, den eine Regensburgerin via Dating-App kennenlernte, war tatsächlich ein Heiratsschwindler – und sein Vater spielt im großen Verwirrspiel um die vermeintliche Hochzeit mit. Am Ende waren die Frau und ihre Mutter mehr als 35.000 Euro los und die zwei Männer auf der Anklagebank. Das Schöffengericht in Regensburg machte am Freitag kurzen Prozess. Nach 70 Minuten Verhandlung waren die Fußfesseln des inhaftierten Sohns ab.

Für eine längere Pause sorgte der fehlende Dolmetscher für den Sohn des Angeklagten aus Nürnberg, der nach einer europaweiten Fahndung im Juli vergangenen Jahres in Frankreich gefasst wurde. Seitdem saß der 25-Jährige, der sich vor gut drei Jahren mit der Regensburgerin verlobt hatte, in Auslieferungs- und U-Haft. Die Wartezeit bis zum Eintreffen des kurzfristig organisierten Übersetzers nutzten die Juristen auf Anregung von Richterin Nißl dann für ein längeres Rechtsgespräch.

Anklageschrift wurde erst direkt im Sitzungssaal zugestellt

Noch bevor die Anklage an den Sohn des 45-Jährigen auf der Anklagebank direkt im Sitzungssaal zugestellt war, stand das Strafmaß für die zwei Männer bereits fest. Dass der Jüngere das Opfer Ende 2022 gedatet und nur sechs Monate später um ihre Hand angehalten hatte, räumte er über seine Verteidiger, Brian Härtlein und Maximilian Keser, dann ein. Danach kam der Vater ins Spiel, um der Räuberpistole von der Riesen-Hochzeit mit bis zu 3000 Gästen mehr Nachdruck zu verleihen. Längst war da auch die Mutter der gutgläubigen Frau mit im Spiel.

Eine Seniorin aus dem Landkreis Regensburg steuerte rund 10.000 Euro für das „Glück“ ihrer Tochter bei. Diese wiederum bekamen die Täter sogar dazu, sich einen Kredit mit falschen Angaben zu erschwindeln – die 25.000 Euro trieben die junge Frau in die Privatinsolvenz. Denn mit dem Geld war auch der vermeintliche Traumprinz verschwunden. Profitiert haben will der Vater davon nicht, wie Verteidiger Jürgen Pernet aus Nürnberg betonte. Auch er räumte die Vorwürfe der Anklage für seinen Mandanten ein.

Aussagen musste zur Verifizierung der umfassenden Geständnisse nur der Ermittler in diesem Fall. Die Opfer hätten vieles ausgeblendet, meinte er. Chats ließen aber erkennen, wie gut sich der 25-Jährige gerierte – die Mutter der abgezockten Fake-Verlobten nannte er in Nachrichten sogar Mama. „So mit den Gefühlen anderer zu spielen, ist schon in hohem Maße verwerflich“, sagte die Staatsanwältin. Dafür gab es für ihn am Ende ein Jahr und sechs Monate Haft auf Bewährung.

Vater muss 3000 Euro als Auflage für Bewährung zahlen

Dass sein Vater der Mutter seiner vermeintlichen Schwiegertochter in spe sogar Avancen gemacht haben soll, wie die Dame auf dem Flur erzählte, bekam das Schöffengericht am Ende nicht zu Ohren. Die Strafe für den 45-Jährigen lautete ein Jahr Gefängnis zur Bewährung. Zudem muss er 3000 Euro direkt an die Mutter zahlen. Die Strafen begründete Richterin Nißl mit den Geständnissen, die den Opfern einiges ersparten.

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Der Haftbefehl für den 25-Jährigen wurde nach 285 Tagen hinter Gittern aufgehoben. Er verließ das Gericht wie sein Vater als freier, aber nun wegen Betruges verurteilter Mann.