Pakete umetikettiert: Betrüger (47) verrät für Bewährung den flüchtigen Komplizen

Von André Baumgarten · 22. April 2026 um 07:00

Handys, Laptops und Tablets für 160.000 Euro werden bei Straubinger Firma direkt zu Paketshops umgeleitet – darüber mieten sich die Täter ein Airbnb. Vor Gericht macht ein Rumäne in Regensburg nun einen Deal. Von der Hightech-Beute fehlen bis heute gut drei Viertel.

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Neun Tage reichen aus, um sündteure Elektronik im Wert von mehr als 160.000 Euro verschwinden zu lassen. Dafür werden Versandetiketten der mit Hightech gefüllten Pakete ausgetauscht. Statt bei den Kunden landet die wertvolle Fracht so in Paketshops – im aktuellen Fall direkt unter der von den Tätern angemieteten Unterkunft. Dafür ist ein Rumäne am Dienstag in Regensburg verurteilt worden. Nach dessen Geständnis dürfte die Luft für einen zweiten Tatverdächtigen dünn werden.

Tatort ist ein gigantisches Logistikzentrum in Straubing. Dort heuerte ein 47-Jähriger Ende Juni 2024 an. Wenige Tage später kommen er und ein mutmaßlicher Mittäter nicht mehr zur Arbeit. Doch der Mann fällt Polizisten auf der A6 in Nürnberg auf. Die Beamten staunen nicht schlecht, als sie im Kofferraum iPhones, Tablets, Kopfhörer und MacBooks für knapp 40.000 Euro finden. Die Pakete führen zu dem Logistikzentrum in Straubing. Doch den Fahrer des Mercedes mit englischer Zulassung lässt man laufen.

Auch in Österreich tauchen wohl falsch umgeleitete Pakete auf

Das wahre Ausmaß des Falls wird intern akribisch rekonstruiert, wie die Securitymanagerin als Zeugin sagt. Einige der über 400 Überwachungskameras dokumentierten, wie die Mitarbeiter im Versand auffällig an Paketen hantieren. Und zwar im richtig großen Stil: Auch in Österreich fielen Pakete mit falschen Etiketten auf, vermutlich ein Fauxpas der Täter. Teil der Anklage wurden sie nicht. Es geht um 50 Pakete – Gesamtwert über 160.000 Euro. Bis heute ist nur ein Viertel (die im Auto sichergestellte Ware) wieder da.

Wo sein Anteil abgeblieben ist, verriet der Rumäne im Prozess am Amtsgericht nicht. Der 47-Jährige gestand nach einem Deal aber seine Beteiligung voll und ganz. Seit Jahren lebte er in London, verlor durch Corona seinen Job in einem Luxushotel und verdingte sich als Tagelöhner, erklärte sein Anwalt. Um die Tochter in Rumänien und die kranke Mutter unterstützen zu können, habe sich der Mandant auf die Sache eingelassen. Das sei alles geplant gewesen.

Modus Operandi spricht „nicht für die Super-Betrügerbande“

Sonderlich durchdacht aber war das Ganze laut Richter Killinger nicht. Sich die heiße Ware an den Paketshop unter dem Airbnb in Straubing und nach Parsberg (Kreis Neumarkt) senden zu lassen, spreche „nicht für die Super-Betrügerbande“, die man vermuten könnte. Die kriminelle Energie sei jedoch bemerkenswert groß gewesen.

So schnell, so viel wie möglich innerhalb kürzester Zeit zu erbeuten und sich dann sofort aus dem Staub zu machen, sei nahezu beispiellos, resümierte der Regensburger Richter im Prozess. „Das war eine heftige, bodenlos freche Nummer, die hier abgezogen wurde“, erklärte Killinger. Doch er stellte auch fest: „Besonders schlau war es nicht.“

Der angeklagte Rumäne (2. v. re., im Bild mit seinen Verteidigern Wolf-Georg Winkler, li., und Christian Ciurea, re.) ließ durch seine Anwälte alles gestehen − auch seinen Komplizen, den er seit 15 Jahren kennt, hängte er hin. - Foto: Baumgarten

Trotz des Deals – so nennt man die Verständigung auf ein bestimmtes Strafmaß für ein Geständnis – war eine Bewährungsstrafe für den gut 16 Monate nach dem Coup gefassten Rumänen bis zuletzt offen. Das Schöffengericht bejahte die Frage und verhängte für den 47-Jährigen zwei Jahre Gefängnis auf Bewährung. Dass er die Adresse des Komplizen im umfassenden Geständnis benannte, sei Ermittlungshilfe. Ob der andere Mann jemals vor Gericht muss, wird sich zeigen.

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Fakt ist: Zumindest zwei der Täter sind Ermittlern bekannt. Einer von ihnen, der nun Verurteilte, kam nach dem Urteil sofort frei und wollte noch am selben Tag zurück nach London. Die Polizeibeamten nahmen ihm noch im Gericht die Fußfesseln ab. Er wollte danach umgehend zum Flieger, der ihn zurück zur Familie in Großbritannien bringt.