Prügelei im Club in Regensburg endet mit Trümmerfraktur im Gesicht – und ohne Strafe

Von André Baumgarten · 21. April 2026 um 09:00

20-Jähriger wird für brutale Attacke auf Regensburgs Partymeile angeklagt. Er bestreitet alles und präsentiert einen anderen Schuldigen aus der eigenen Familie, der selbst in Haft sitzt – kommt der wahre Täter ohne Strafe davon?

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Sommerfest mit blutigem Ende: Für einen Franken endet im Juli 2023 ein Abend in Regensburg mit zertrümmerten Gesichtsknochen. In einem Club in der Altstadt wird der Mann brutal verprügelt. Dafür stand nun ein heute 20-Jähriger vor dem Jugendschöffengericht. Als sein zwei Jahre jüngerer, derzeit inhaftierter Bruder im Zeugenstand saß, wurde klar: Es gibt Fragezeichen. Und die blieben bis zum Schluss – verurteilt wurde der Angeklagte wegen Handel und Besitz von Cannabis.

Drei Anklagen hatte der Regensburger angesammelt. Die mit der heftigen Prügel für einen Partygänger war lediglich die drastische Spitze des Eisbergs. Nur 16 Tage später fiel der 20-Jährige erneut auf. Diesmal als Dealer im Donau-Einkaufszentrum, wo es ebenfalls zu einer Auseinandersetzung samt des Einsatzes von Reizgas kam. Als die Polizei zwei Jahre später, im Juli 2025, auf der Suche nach seinem Bruder daheim bei den Eltern anrückte, fanden Ermittler erneut Gras – wieder knapp ein viertel Kilogramm, das ihm gehörte.

Schmerzensgeld für das Opfer ist bald vom Tisch

Für den jungen Regensburger ergriff im Prozess Strafverteidiger Michael Haizmann das Wort: Die Prügel-Anklage wies der erfahrene Jurist vehement zurück. Sein Mandant wäre zu dieser Zeit gar nicht in besagtem Club gewesen. Beweise dafür lägen auch vor. Es sei also „bekannt, wer das war“. Das geforderte Schmerzensgeld, das das Opfer als Nebenkläger geltend machte, sei überholt.

Was in jener Nacht in dem Lokal im Regensburger Partyviertel geschah, schilderte der Franke genau: Es habe Provokationen aus einer Gruppe von sieben bis acht Männern gegeben. Daraus sei schnell blutiger Ernst geworden. „Mit Lust und Laune“ hätten die angefangen, „auf uns einzudreschen“. Für ihn endete das Ganze in Kliniken und mit einer sechsstündigen OP. „Mein komplettes Gesicht war gebrochen.“

Mit den Folgen der Attacke mit Fäusten kämpfe der Mann bis heute. Kauen fällt ihm schwer, die Taubheit wird wohl bleiben und Narben der OP ebenso. Eine Bekannte, die ebenfalls dabei war, schildert, wie sie versuchte, die Gemüter zu beruhigen, aber selbst geschlagen worden sei. Bei der Polizei erkannten sie auf Lichtbildern nur einen, der dabei war. Identifizieren konnte den Angeklagten keiner.

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Als der Bruder des Angeklagten in Fußfesseln aus der Haft vorgeführt wurde, erklärte sich einiges. Wenngleich der Zeuge die Aussage verweigerte. Doch er war seinem zwei Jahre älteren Familienmitglied wie aus dem Gesicht geschnitten. Und: Der 20-Jährige hatte Verteidiger Haizmann zu Prozessstart den 18-Jährigen als wahren Täter benennen lassen. Die Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung wurde eingestellt – der Fall bleibt also weiter ungeklärt.

Diesmal „mit blauem Auge davon gekommen“

Für das halbe Kilo Drogen, zu dem der 20-Jährige geständig war, gab es eine saftige Geldstrafe. In neun Raten zu jeweils 300 Euro dürfe er die monatlich zahlen. Dass er den Rauschmitteln ohne Therapie vor gut vier Monaten abgeschworen hat, rechnete das Gericht dem 20-Jährigen an, mahnte aber auch, dass er diesmal „mit einem blauen Auge davon gekommen“ sei.

Das Urteil wurde noch im Gerichtssaal rechtskräftig. Staatsanwaltschaft und Verteidigung verzichteten auf Rechtsmittel.